Plagiate und Plagiatsdetektion

Dienstag, 26. Juli 2016 | Autor/in:

Wie kann man Plagiate finden? Wie soll man damit umgehen? Was ist überhaupt ein Plagiat? Ist der Einsatz von sogenannten Plagiatssoftwares sinnvoll? – Mit diesen Fragen haben sich am 8. Juli 2016 die „Freiburger Gespräche zur Redlichkeit in der Wissenschaft“ befasst, die in diesem Jahr unter der Überschrift „Plagiate und Plagiatsdetektion“ stattfanden.

Frau Prof. Dr. Weber-Wulff,  die „bekannteste Plagiatsjägerin Deutschlands“, erklärt Plagiate

Zu der von Prof. Dr. Gisela Riescher, Prorektorin für Redlichkeit in der Wissenschaft, Gleichstellung und Vielfalt, und Prof. Dr. Kerstin Krieglstein, Dekanin der Medizinischen Fakultät, organisierten Veranstaltung kamen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus der gesamten Universität zusammen, darunter zahlreiche Dekane und fast das gesamte Rektorat. Den Hauptvortrag hielt – nach Begrüßung durch den Rektor und einer Einführung von Prorektorin Riescher – Prof. Dr. Debora Weber-Wulff von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Mit ihr hatte man sich einen spannenden Gast nach Freiburg geladen: Frau Weber-Wulff ist eine ausgewiesene Expertin mit großer Erfahrung in Sachen Plagiarismus bzw. Plagiatssoftware und als „bekannteste Plagiatsjägerin Deutschlands“ (ZEIT Nr. 34/2013) zugleich eine unbequeme, nicht unumstrittene Person, die über VroniPlag Wiki auch schon verschiedene Fälle möglichen wissenschaftlichen Fehlverhaltens an der Universität Freiburg anhängig gemacht hatte. Im Anschluss an ihren Vortrag entwickelte sich eine lebendige Diskussion zwischen Frau Weber-Wulff, weiteren Expertinnen und Experten auf dem Podium und einem sich rege beteiligenden Publikum. Neben Frau Weber-Wulff waren auf dem Podium Prof. Dr. Gerhard Schneider, der Direktor des Rechenzentrums, Ansgar Schäfer, Koordinator im Plagiatspräventionsprojekt „Refairenz“ von der Universität Konstanz und Maria-Franziska Jüling, die als Sprecherin des gemeinsamen Arbeitsausschusses der Freiburger Doktorandenkonvente die Perspektive der Promovierenden einbrachte. Die Moderation übernahm Dekanin Krieglstein.
In der Diskussion stellte sich heraus, dass der Nutzen von Plagiatssoftware allgemein als sehr begrenzt eingeschätzt wird. Praktisch unisono vertraten die anwesenden Fachleute die Position, dass eine solche Software zwar bei einem konkret vorliegenden Verdachtsfall unter Umständen als Untersuchungswerkzeug hinzugezogen werden könne, dass aber ein flächendeckender, verdachtsunabhängiger Einsatz nicht sinnvoll sei. Abgesehen davon, dass dies ein Klima des Misstrauens befördern könne, seien die Fähigkeiten der vorhandenen Softwaresysteme dazu nicht ausgereift genug und die Prüfergebnisse zu fehlerhaft. In Frau Weber-Wulffs Teststudien zu Plagiatssoftwares erhalten selbst die besten Produkte regelmäßig höchstens die Note „teilweise nützlich“ – zu oft übersehen die Softwares vorhandene Plagiate oder schlagen umgekehrt Alarm, wo keine sind. Statt das Heil in einer Software zu suchen, sei es wichtig, so der Tenor vieler Redebeiträge, auf präventive Maßnahmen zu setzen sowie eine gründliche Korrektur und Betreuung zu ermöglichen. Unverzichtbar erscheint, die Vermittlung guter wissenschaftlicher Praxis vom ersten Semester an fest in der Lehre und in den Studienplänen zu verankern – zumal Zitierfehler von Seiten der Studierenden nicht selten unbeabsichtigt geschehen.
Zugleich wurde deutlich, dass nicht nur bei Studierenden, sondern auch bei Lehrenden und wissenschaftlichen Einrichtungen ein Informations- und Orientierungsbedarf zu Plagiaten und dem richtigen Umgang damit besteht. Prorektorin Riescher hat zugesagt, für die Universität Freiburg einen eigenen Leitfaden zu entwickeln, der alle wichtigen Informationen zum Thema wissenschaftliche Redlichkeit in gebündelter Form bereitstellt. Auch solle die  zentrale Internetseite der Universität zu Redlichkeit in der Wissenschaft ausgebaut werden. Unabhängig davon bleibe es in der Verantwortung der Fakultäten, die allgemeinen Maßstäbe wissenschaftlicher Redlichkeit fachspezifisch zu konkretisieren und vor Ort mit Leben zu füllen.

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