Evaluation des zweiten Durchlaufs des neuen Orientierungspraktikums (OSP) im Lehramtsstudium: Ein Beitrag zur Professionalisierung der Lehrer/innenausbildung

Mittwoch, 9. August 2017 | Autor/in:

Für alle Lehramtsstudierenden, die im WS 2016/17 mit dem polyvalenten Zwei-Fächer-Bachelorstudiengang gestartet haben, wurde im Zeitraum vom  Oktober 2016 bis April 2017 zum zweiten Mal das neue dreiwöchige OSP durchgeführt. Das OSP zielt auf eine bessere Verzahnung von universitärer Ausbildung und Praxisphasen in der Lehrer/innenausbildung ab und soll darüber hinaus den Studierenden frühzeitig die Möglichkeit geben, ihre Studien- und Berufswahlentscheidung zu reflektieren bzw. zu überprüfen. Fast 400 Studierende haben das OSP in diesem Jahr erfolgreich absolviert. Das OSP ist Bestandteil des Moduls Bildungswissenschaften und besteht aus einer Vorlesung („Einführung in die Bildungswissenschaften“), dem Praktikum sowie einem Vor- und Nachbereitungsworkshop. Inhaltlich wird es durch das Institut für Erziehungswissenschaft verantwortet und vom Zentrum für Schlüsselqualifikationen umgesetzt.  Das Konzept wurde in enger Kooperation mit den Staatlichen Seminaren für Didaktik und Lehrerbildung Freiburg (Abteilung Gymnasien, Abteilung Berufliche Schulen) und der Pädagogischen Hochschule Freiburg entwickelt.

Bereits nach dem ersten Durchlauf im WS 2015/16 gab es im Rahmen einer aufwändigen Evaluation für alle Beteiligten (Studierende, Workshopleiter/innen und praktikumsgebende Schulen) die Möglichkeit, Rückmeldungen und Anregungen zu geben. Deshalb war es nun im zweiten Durchlauf des OSP sehr interessant zu sehen, wie sich die Überarbeitungen und Optimierungen ausgewirkt haben (z.B. Reduzierung des Umfangs der Aufgabenstellungen, verstärkte Verknüpfung bildungswissenschafllicher Inhalte mit schulpraktischen Erfahrungen, Verbesserung der organisatorischen Abläufe)
Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Studierenden das Praktikum als sehr hilfreich und gewinnbringend für ihre Orientierung im Kontext des Lehramtsstudiums einschätzen. Bei den meisten Studierenden hat das OSP zu eine Bestätigung der Entscheidung für die Lehramtsoption geführt und ihre Motivation gestärkt. Einzelne denken aufgrund der Einblicke im OSP über einen Fachwechsel nach. Das OSP hat dazu beigetragen, dass Schule und Unterricht ganz konkret erleb- und erfahrbar wurden. Das Praktikum an einer der fast 200 teilnehmenden Schulen wurde sehr positiv eingeschätzt, besonders positiv fanden die Studierenden:

  • der Kontakt und die Gespräche mit den Lehrkräften in den Schulen.
  • die Möglichkeit, eigene Unterrichtseinheiten durchzuführen.
  • die Interaktion mit Schülern und Schülerinnen.
  • die Möglichkeit, einen umfassenden Einblick in die vielfältigen Aufgaben und Tätigkeiten des Lehrer/innenberufs zu erhalten.
  • die gute und sehr hilfreiche Betreuung durch die Lehrkräfte an den Schulen

Optimierungsanregungen kamen von den Studierenden zum Beispiel zur Gestaltung des E-Portfolios und zum Umfang des angeleiteten Unterrichtens.
Von den 90 Schulen, die an der Online-Umfrage zur Evaluation teilgenommen haben, kam die Rückmeldung, dass fast alle Studierenden sehr motiviert und zielgerichtet in das Praktikum kamen, also deutlich besser vorbereitet waren, als dies in früheren Orientierungspraktika oftmals der Fall war. Eine Herausforderung für die Studierenden besteht aus Sicht der befragten Schulen zum Teil in der Fähigkeit zum Wechsel von der (ehemalige) Schüler/innenrolle zur neuen Lehrer/innenrolle.

Die Zusammenfassung aller Evaluationsbereiche ergibt auch für den zweiten Durchlauf des OSP in der Gesamtschau wieder ein sehr positives Bild. Erneut wurden die wesentlichen Zielsetzungen des OSP erreicht, nämlich die Reflexion und Überprüfung der Studien- und Berufswahl und die Verknüpfung von bildungswissenschaftlichen Befunden mit schulpraktischen Erfahrungen. Nicht zuletzt war auch das zweite OSP auch deshalb wieder erfolgreich, weil es die Kompetenzen vieler verschiedener Akteure in der Lehrer*innenausbildung bündelt und in einem abgestimmten Vorgehen umsetzt. Und weil die inhaltlich und organisatorisch enorm umfangreichen Abstimmungsbedarfe bzw. Absprachen sowie der Informations- und Kommunikationsfluss zwischen allen beteiligten Institutionen und Akteuren im Großen und Ganzen sehr gut funktioniert haben.

Das OSP ist aus unserer Sicht auf einem sehr guten Weg, es ist weiterhin ein innovatives Modell, das in hohem Maße zu einer Professionalisierung in der Lehrer*innenausbildung beiträgt. Genau das haben uns viele Lehrkräfte zurückgemeldet: Die Studierenden starten auf einem ganz anderen Niveau, als dies oftmals früher der Fall war, ins Praktikum: gut vorbereitet, meistens hoch motiviert, sehr zielstrebig und mit ersten bildungswissenschaftlichen Kenntnissen ausgestattet. Gerne möchten wir auch bei dem kommenden OSP Gestaltungspielräume nutzen, kontinuierlich an Optimierungen arbeiten, neue Formate entwickeln und im Gespräch und im Austausch mit allen Beteiligten bleiben.

Auf der Homepage des ZfS ist der Evaluationsbericht veröffentlicht. Für Fragen steht Ihnen gerne Herr Michael Thimm (Fachbereichsleitung OSP) zur Verfügung (Tel.: 0761-203-6894).

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Stärken-Schwächen-Analyse 2017 – Lehramtsstudium

Dienstag, 11. Juli 2017 | Autor/in:

Nutzen Sie die Möglichkeit die Lehrer*innenbildung in Freiburg zu bewerten!

Worum geht es?
Das Lehramtsstudium am Standort Freiburg wird einer Stärken-Schwächen-Analyse unterzogen. In den Blick genommen wird insbesondere die Ausgestaltung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge an der Universität und der Pädagogischen Hochschule Freiburg.

Wer kann teilnehmen?
Teilnehmen können alle Angehörigen der Universität und der Pädagogischen Hochschule, Studierende und am Lehramt Interessierte.

Von wem kommt die Umfrage?
Das Kooperationsnetzwerk FACE wurde von der Universität und der Pädagogischen Hochschule Freiburg gegründet, um die Lehrer*innenbildung am Standort unter einem Dach zusammenführen. Ziel des FACE ist es unter anderem, die Freiburger Lehramtsstudiengänge inhaltlich und strukturell weiterzuentwickeln.

Weitere Informationen unter: http://www.face-freiburg.de/face/

Was ist der Hintergrund?
Erstmals wurde 2014 eine Stärken-Schwächen-Analyse des Lehramtsstudiums an der Universität und der Pädagogischen Hochschule Freiburg durchgeführt. Damals wurden in einer zu diesem Zweck geschaffenen Arbeitsgruppe in einem Bottom-up-Verfahren Kriterien entwickelt, die zur Beurteilung der Qualität des Studienangebots herangezogen werden können.

Nun gilt es, in einer Neuauflage der Stärken-Schwächen-Analyse, die 2014 entwickelten Kriterien einzuschätzen und die Ressourcen und Angebote der Universität und der Pädagogischen Hochschule für den Bereich der Lehrer*innenbildung neu zu bewerten.

Die Umfrage finden Sie auf der FACE Seite unter: http://www.face-freiburg.de/poll/.

Vielen Dank für Ihre Teilnahme!

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Kompetenzorientiert prüfen in der Lehrerbildung

Freitag, 7. April 2017 | Autor/in:

Bericht über einen Scientific Retreat im Rahmen vom FACE

Was ist unter Kompetenzorientierung zu verstehen?
Welche Prüfungsformate und Aufgabenstellungen sind kompetenzorientiert?
Wie können gezeigte Leistungen kompetenzorientiert bewertet werden?
Wie kann kompetenzorientiertes Prüfen lernförderlich gestaltet werden?

Diese Fragen treten oft bei Lehrenden im Rahmen kompetenzorientierter Prüfungsgestaltung auf – so auch in der aktuellen Neugestaltung der Lehrerbildung. Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, arbeiteten elf Lehrende der Albert-Ludwigs-Universität und Pädagogischen Hochschule Freiburg in einem Scientific Retreat  am 2. und 3. März 2017 unter Anleitung von Prof. Dr. Niclas Schaper (Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Paderborn und 2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik) an der konkreten Konzeption kompetenzorientierter Prüfungsformate in Lehrveranstaltungen der Lehrerbildung.

Nach einer Einführung in kompetenzorientiertes Prüfen – bei welcher die Wichtigkeit des Prüfens für den Lernprozess der Studierenden deutlich wurde – warf Herr Schaper die Frage nach den Lernergebnissen auf, sprich „Was soll geprüft werden?“ (im Sinne des Rahmenmodells des Prüfens in der Hochschullehre von Metzger & Nüesch, 2004). Diese Frage wurde von den Teilnehmenden individuell für die eigene Lehrveranstaltung beantwortet, indem sie Lernergebnisse formulierten, die fachbezogene und fachübergreifende Kompetenzaspekte mit einbezogen und Indikatoren beschrieben, die kenntlich machten, inwiefern das Lernergebnis von den Studierenden erzielt wurde.

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmenden über die Frage „Wie soll geprüft werden?“. Dabei wurden unterschiedliche Prüfungsformate und Aufgabenstellungen in den Blick genommen und inwiefern diese den Kompetenzerwerbsstand überprüfen können. Bei der Anwendung des Gelernten auf die eigene Lehrveranstaltung wurde deutlich, welche Vielfalt es an Prüfungsszenarios geben kann. Beispielsweise werden in den Sportwissenschaften Kompetenztests eingesetzt, bei denen Studierende bei Kommiliton/-innen Fehler während der Durchführung bestimmter Sportarten identifizieren und diese lernförderlich rückmelden sollen. In den Sprachwissenschaften wenden Studierende ihren gelernten Wortschatz in einem Kompetenztest in Form eines Dialogs mit Kommiliton/-innen an.

Der nächste Schritt bestand darin die Frage „Wie soll bewertet werden?“ zu bearbeiten. Für die jeweiligen Lehrveranstaltungen wurden dazu Kriterien formuliert, die zur Bewertung der gezeigten Leistung im zuvor entwickelten Prüfungsszenario herangezogen werden. Zur präziseren Einschätzung der gezeigten Leistung stuften die Teilnehmenden die Kriterien im Anschluss. In diesem Zusammenhang wurde die Relevanz von Beurteilungsraster (sog. Rubrics) deutlich. Im weiteren Verlauf des Scientific Retreats wurde über die Funktion von Prüfungen und die Wechselwirkung zwischen Prüfen und dem Lernverhalten diskutiert. Abschließend setzten sich die Teilnehmenden unter Anleitung von Herrn Schaper mit der Rückmeldung von Prüfungsergebnissen an Studierende auseinander und erkannten dabei welche essentielle Rolle eine lernförderliche Rückmeldung für den Kompetenzerwerb spielen kann.

Den Teilnehmenden wurde während des Scientific Retreats deutlich, dass eine kompetenzorientierte Prüfung von Anfang an mitzudenken ist und nicht erst kurz vor dem Prüfungszeitraum konzipiert werden sollte, wie es laut einer Studie von Schindler et al. (2015) 71 % der Lehrenden tun. Zudem ist die Entwicklung von kompetenzorientierten Prüfungsformaten ein andauernder Prozess: Bei der ersten Durchführung einer Lehrveranstaltung kann und muss die Prüfung nicht perfekt gestaltet sein. Die Evaluation der Studierenden sowie Qualitätssteigerungsschleifen optimieren Prüfungsformate kontinuierlich. Diese Aussage des Experten entlastet und ließ die Teilnehmenden optimistisch-realistisch ins neue Semester starten.

Alle, die gerne einen Einblick in kompetenzorientiertes Prüfen erhalten möchten, finden in der HRK nexus Broschüre „Kompetenzorientiert prüfen“ Anregungen dazu.

Quellenangaben:
Metzger, Chr. & Nüesch,  Ch. (2004): Fair prüfen. Ein Qualitätsleitfaden für Prüfende an Hochschulen. In: Euler, D.; Metzger, Chr. (Hrsg.): Hochschuldidaktische Schriften Band 6. St.  Gallen.

C. Schindler, N. Schlomske-Bodenstein, A. Strasser et al.: Prüfungen als Indikator für Studienerfolg. In: Berthold/Jorzik/Meyer-Guckel (Hrsg.): Handbuch Studienerfolg, Stifterverband, 2015.

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Kompetenzorientiert Prüfen in der Lehrerbildung?!? – Workshop mit Prof. Dr. Niclas Schaper am 2./3.3.2017

Freitag, 27. Januar 2017 | Autor/in:

Haben Sie gute Vorsätze für dieses Jahr? – Nein?
Wie wäre es damit, die Prüfungen Ihrer Lehrveranstaltungen in diesem Jahr unter die Lupe zu nehmen und im Sinne der Kompetenzorientierung weiter zu entwickeln?
Wir bieten Ihnen einen Workshop an, der diesen guten Vorsatz Realität werden lassen kann:

Workshop „Kompetenzorientiert Prüfen in der Lehrerbildung“
mit Prof. Dr. Niclas Schaper  (Universität Paderborn)

Datum: 2./3. März 2017, Tag 1: 9:00 – 17:00 Uhr, Tag 2: 9:00 – 13:00 Uhr

Hintergrund: Prüfungen gehören zu den zentralen Elementen in der Lehr- und Studiengangentwicklung, da sie Lernergebnisse von Studierenden ermitteln, Lernstände sichtbar machen und so Lernprozesse gesteuert werden können. Oftmals besteht jedoch Unsicherheit bei Lehrenden und Lehrentwickler/innen, was unter kompetenzorientiertem Prüfen konkret zu verstehen ist und wie es in einer handhabbaren Form unter bestehenden Rahmenbedingungen umgesetzt werden kann. Häufige Fragen sind:

  • Was ist unter Kompetenzorientierung zu verstehen?
  • Welche Prüfungsformate und Aufgabenstellungen sind kompetenzorientiert?
  • Wie können gezeigte Leistungen kompetenzorientiert bewertet werden?
  • Wie kann kompetenzorientiertes Prüfen lernförderlich gestaltet werden?

Insbesondere bei der Neugestaltung eines Studiengangs oder von Studienphasen – wie es durch die Entwicklung des Masters of Education in der Lehrerbildung aktuell der Fall ist – werden oben genannte Fragen häufig aufgeworfen.

Zielsetzung: Ziel des Workshops ist es, die oben aufgeworfenen Fragen zu diskutieren, sodass die Teilnehmenden (1) grundlegende Konzepte und Prinzipien kompetenzorientierten Prüfens in der Lehrerbildung benennen und erörtern, (2) Prüfungsformate und –aufgaben mithilfe von Prinzipien kompetenzorientierten Prüfens gestalten und (3) den Erwerb von Kompetenzen in Lehrveranstaltungen durch kompetenzförderliche Assessmentelemente und Rückmeldung fördern können. Gerne können Sie zu dem Workshop bisher angewendete oder geplante Prüfungsformate und –aufgaben mitbringen.

Zielgruppe: Der Workshop richtet sich an alle Lehrenden, Lehrentwickler/innen sowie Studiengang-koordinator/innen der Lehrerbildung der Pädagogischen Hochschule und der Universität Freiburg und findet im Rahmen des Freiburg Advanced Center of Education „Maßnahme Lehrkohärenz“ statt.

Anmeldung: Bitte beachten Sie, dass die Teilnehmendenzahl begrenzt ist. Melden Sie sich bei Interesse daher bis 23.2.2017 bei christiane.klein@hdz.uni-freiburg.de an.

Ort: Bismarckallee 22, Raum 2 (1. OG)

P.S.: Auch im regulären Workshop-Angebot  der Hochschuldidaktik finden sich weitere spannende Workshops zum Thema Kompetenzorientierung.

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Kompetenzorientierung leicht gemacht

Dienstag, 2. August 2016 | Autor/in:

Foto: Brian Barnhart

Foto: Brian Barnhart

Die kompetenzorientierte Gestaltung von Lehrveranstaltungen, Prüfungen und ganzen Studiengängen steht inbesondere seit der Bologna-Reform im Zentrum der Aufmerksamkeit an den Hochschulen.  KMK-Rahmenvorgaben geben vor, die Qualifikationsziele von Modulen und Studiengänge kompetenzorientiert auszurichten; auch von Seiten der Akkreditierungsagenturen wird sehr darauf geachtet, dass neu konzipierte Studiengänge kompetenzorientiert beschrieben werden.  Wie aber können Studiengänge durch Kompetenzorientierung kohärent gestaltet werden?  Wie wird die Kompetenzorientierung in der Konzeption und Durchführung von Lehrveranstaltungen konkret umgesetzt?  Welche lehr-/lerntheoretischen und didaktische Ansätze müssen von den Lehrenden beachtet und umgesetzt werden, dass Studierende in Lehrveranstaltungen handlungswirksame Kompetenzen erwerben können? Bei dem zweitägigen Workshop „Kohärente Gestaltung von Lehramtsstudiengängen durch Kompetenzorientierung“  geleitet von Prof. Dr. Jörg Wittwer und Dr. Elisabeth Wegner vom Insitut für Erziehungswissenschaft wurden diese Fragen insbesondere für die reformierten Lehramtsstudiengänge ins Visier genommen.  Den Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin können Sie hier lesen.

 

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Face to FACE

Dienstag, 24. Mai 2016 | Autor/in:

Nach der feierlichen Eröffnungsveranstaltung des Freiburg Advanced Center of Education (FACE) im Dezember fand das zweite große Treffen aller Akteure in der Aula der Pädagogischen Hochschule statt.

Die Runde der anwesenden Personen an diesem Tag ist groß. Immerhin zählen zu den Teilnehmer_innen Mitwirkende aus drei Projekten zur Lehrerbildung.

Foto: Prof. Dr. Lars HolzäpfelIm Zentrum des Treffens standen der Austausch zu den bisherigen Arbeitsergebnissen sowie die kontinuierliche Fortentwicklung der Projektorganisation und -gestaltung. Während der gesamten Zusammenkunft kam es zu einem regen Austausch der Projektmitarbeiter_innen untereinander. Unterstützt wurde dies durch einen interaktiven Einstieg zu den zentralen Fragestellungen der Teilprojekte. Mittels Postergalerie und Präsentationen berichteten die Vertreter_innen der einzelnen Teilprojekte von ihren Vorhabensfortschritten.

Ein Höhepunkt in der bisherigen Arbeit des  Freiburger Praxiskollegs war ein Vernetzungstreffen ganz besonderer Art: In einem Worldcafé stellten Doktorand_innen des Teilprojekts Wissenschaftsorientierung und Nachwuchsförderung ihre Forschungsvorhaben den anwesenden Schulvertreter_innen vor. Gemeinsam wurde der Frage nachgegangen, wie Schulen, Lehrkräfte und Forscher_innen von Forschungsprojekten wechselseitig profitieren können. Neben dem Schwerpunkt „Forschung trifft Praxis“ stand in diesem Vernetzungstreffen zusätzlich der Ausbau des lehramtsspezifischen Mentoringnetzwerkes im Mittelpunkt.
Von Seiten des Teilprojekts Lehrkohärenz wurde unter anderem von der frisch konzipierten Lehrwerkstatt Lehrerbildung berichtet, welche in diesem Sommersemester startet. Darüber hinaus haben die Mitarbeiter_innen dieses Teilprojekts interne Entwicklungsgruppen gebildet, die sich verstärkt mit den Themenbereichen Lehrwerkstatt, Kohärenzerfassung, Philologien, Mathematik, Naturwissenschaften und Wirtschaft sowie Curriculumentwicklung befassen. Herausragend waren auch die Workshops und Vorträge mit dem niederländischen Bildungsforscher Jeroen van Merriёnboer, dem Begründer des Vier-Komponenten-Instruktions-Design-Modells (4C/ID) im März.
Die Mitarbeiter_innen der Maßnahme Praxis- und Weiterbildung stellten ihre umfassenden Konzepte für eine modularisierte Weiterbildung für die Lehrerbildung vor.

Die genannten Beispiele der Aktivitäten aus den Teilprojekten veranschaulichen sehr gut den gelebten Vernetzungsgedanken, der eine zentrale Rolle im FACE einnimmt.

Mehrere Rektoratsmitglieder beider Hochschulen sind aktiv im FACE involviert und gestalteten Parts des Treffens. Seitens der Leitung von FACE, in Person von Prof. Dr. Juliane Besters-Dilger (Prorektorin für Studium und Lehre der Universität) und Prof. Dr. Ulrich Druwe (Rektor der Pädagogischen Hochschule), wurden wichtige Details für die weitere qualifizierte Zusammenarbeit verkündet. So hat das paritätische Leitungsduo die Struktur des FACE mit seinen vier Handlungsfeldern Lehre, Praxis- und Weiterqualifizierung, Bildungs- und Unterrichtsforschung sowie Lernende Institution und die Einordnung der Projekte und ihrer Teilprojekte in diese Handlungsfelder dargelegt. Auch auf das Thema der Evaluation wurde nochmals ein besonderes Augenmerk gelegt. Mit dem gemeinsamen Mittagessen wurde das gelungene Treffen fröhlich abgeschlossen.

Weitere aktuelle Informationen zum zweiten Treffen und zu den Projekten erhalten Sie auf der FACE-Website.

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Auf dem Weg zu innovativer Lehre – Hochkarätiger Instruktions-Designer zu Besuch in Freiburg.

Dienstag, 5. April 2016 | Autor/in:

Eine innovative Lehrerausbildung, in deren Mittelpunkt Professionsorientierung und Kohärenz stehen, dies ist die Zielsetzung des FACE-Projekts „Freiburger Lehramtskooperation in Forschung und Lehre [FL]2 – Kohärenz und Professionsorientierung“ welches durch das BMBF gefördert wird. Doch wie sieht der Weg zu solch einem hohen Ziel aus?
Das Programm „Lehren Lecturer“ des Stifterverbands ermöglichte im März dieses Jahres den Besuch von einem der bekanntesten Vertreter modernen Instruktions Designs: Jeroen van Merriёnboer (Maastricht University). Während seines drei-tägigen Besuchs diskutierten vor allen Dingen Akteure der aktuellen Lehrerbildungsreform, wie innovative Lehre im Rahmen des Freiburg Advanced Center of Education (FACE) aussehen könnte. Im Zentrum seines Besuchs stand die Frage:

 „Wie muss Lehre gestaltet sein, damit angehende Lehrerinnen und Lehrer nicht nur Wissen erwerben, sondern dies auch im späteren Berufsleben in der Schule anwenden können?“
Abbildung 1: Jeroen van Merriёnboer zu Besuch in Freiburg (Foto Brian Barnhart)

Abbildung 1: Jeroen van Merriёnboer zu Besuch in Freiburg (Foto Brian Barnhart)

Antworten auf diese Frage wurden im Rahmen eines Vortrags und zwei daran anknüpfenden Workshops diskutiert. Die Kernantwort auf die Frage ist simpel und komplex zugleich: Damit Studierende Wissen anwenden können (sprich: Kompetenzen erwerben), ist es wichtig, sie durch authentische und ganzheitliche Lernaufgaben mit Situationen zu konfrontieren, in denen sie die zu erlernenden Kompetenzen benötigen. Damit die Studierenden jedoch mit den Situationen nicht überfordert sind, ist eine, nach und nach abnehmende, Unterstützung und Anleitung notwendig.

Das 4-Komponenten-Instruktions-Design-Modell (4C/ID)

Wie nun konkret vorgegangen werden kann, um solch eine Lehre zu entwickeln, schildert das von Jeroen van Merriёnboer entwickelte 4-Komponenten-Instruktions-Design-Modell (4C/ID-Modell). Wie der Name bereits andeutet, beschreibt das Modell vier Komponenten, aus denen jede Lernumgebung aufgebaut sein sollte:

  1.  Authentische und ganzheitliche Lernaufgaben: Diese Komponente bildet die Basis der Lernumgebung. Die Studierenden arbeiten sich von Lernaufgabe zu Lernaufgabe (anstatt im traditionellen Sinne von Thema zu Thema). Jede Lernaufgabe beruht auf realen Situationen aus dem späteren Berufsleben (z.B. Schule) und umfasst somit mehrere Themen. Daher findet eine Integration von verschiedenen Gegenstandsbereichen statt. Lernaufgaben werden dabei mit steigendem Komplexitätsgrad sequenziert und zeichnen sich durch eine hohe Variabilität untereinander aus. Mit zunehmender Expertise der Studierenden nimmt die Unterstützung bei der Bearbeitung der Lernaufgaben durch die Lehrperson ab.
  2. Unterstützende Informationen: Sie helfen die Lernaufgabe zu bewältigen, indem sie erklären, welche Themen mit der Aufgabe in Bezug stehen, wie die zu erlernende Domäne organisiert ist und wie Probleme in dieser angegangen werden. Für die Studierenden sind sie ständig verfügbar. Die unterstützenden Informationen entsprechen in traditionellen Lernumgebungen typischer ‚der Theorie‘.
  3. Prozedurale Informationen: Diese Komponente ist erforderlich um wiederkehrende Aspekte der Lernaufgabe zu meistern, denn sie gibt durch Schritt-für-Schritt Instruktionen an, wie diese ausgeführt werden müssen. Daher werden prozedurale Informationen ‚just in time‘ während der Bearbeitung der Lernaufgabe bereitgestellt und nehmen ab, sobald die Lernenden mehr Routine erlangt haben.
  4. Üben von Teilaufgaben: Falls bei einigen Aspekten der Lernaufgabe ein hohes Maß an Automatisierung erforderlich ist, kann dies durch das Üben von Teilaufgaben erzielt werden. Vorab müssen die Lernenden den Zusammenhang der Teilaufgabe mit der gesamten Lernaufgabe verstanden haben.
Zusammengefasst: Das 4C/ID-Modell führt zur Anwendung von Wissen (Kompetenzaufbau), indem Studierende mit authentischen Lernaufgaben konfrontiert werden, durch unterstützende und prozedurale Informationen bei der Bearbeitung der Lernaufgaben an- und begleitet werden und mittels Üben von Teilaufgaben einen hohen Automatisierungsgrad erzielen.

Das 4C/ID-Modell als Licht für kohärente und professionsorientierte Lehrerbildung

Neben dem Kompetenzaufbau wird durch die Anwendung des 4C/ID-Modells an den beiden Hauptzielen des FACE-Projekts „Freiburger Lehramtskooperation in Forschung und Lehre [FL]2Kohärenz und Professionsorientierung gearbeitet:
Kohärenz: In jeder beruflichen Situation müssen Lehrkräfte spontan auf ihr fachwissenschaftliches, fachdidaktisches und bildungswissenschaftliches Wissen zurückgreifen und dies anwenden, um professionell agieren zu können. Wenn diese realen beruflichen Situationen als Ausgangspunkt für die Entwicklung authentischer Lernaufgaben genommen werden, muss auch hier eine Integration von fachwissenschaftlichem, fachdidaktischem und bildungswissenschaftlichem Wissen stattfinden.
Professionsorientierung: Die konsequente Orientierung an realen beruflichen Situationen im Schulalltag bei der Entwicklung von Lernaufgaben zieht automatisch eine Professionsorientierung mit sich.

Abbildung 2: Professionsorientierung und Kohärenz in der Lehrerbildung durch das 4C/ID-Modell.

Abbildung 2: Professionsorientierung und Kohärenz in der Lehrerbildung durch das 4C/ID-Modell.

Auf Grund dieser außerordentlich guten Passung zwischen den Hauptzielen des Projekts und dem 4C/ID-Modell, gestalten einige Teilprojekte der Kernmaßnahme Lehrkohärenz im Freiburger Projekt der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ des BMBF ihre Projekte auf Basis des innovativen 4C/ID-Modells. Der Austausch mit dem Experten Jeroen van Merriёnboer war eine optimale Bereicherung und Antriebsmotor für diese Projekte. Sie strahlen als Lichter in die Lehrerbildung von FACE und sollen weitere Lehrprojekte mit dem Kerngedanken des Modells entflammen.

Bei Fragen oder Anregungen zur Anwendung des 4C/ID-Modells in der Lehrerbildung können Sie sich gerne an Christiane Klein (Projektmitarbeiterin in der Abteilung Hochschuldidaktik der Universität Freiburg) wenden.

Weitere Informationen zum 4-Komponenten-Instruktions-Modell:
•   Videoaufzeichnung des Vortrags von Jeroen van Merriёnboer am 14.3.2016 in Freiburg
•   Artikel von Jeroen von Merriёnboer und Paul Kirschner zum 4C/ID-Modell

 

 

 

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