Resilienzorientiertes und praxisbezogenes Modell zur Verringerung der Abbruchquote in den MINT-Fächern

Montag, 2. Januar 2017 | Autor/in:

Zu Be­ginn ihres Stu­di­ums be­su­chen MINT-Stu­die­ren­de lern­in­ten­si­ve grund­le­gen­de Lehr­ver­an­stal­tun­gen, um sich, auf­bau­end auf die­sem Grund­la­gen­wis­sen, im wei­te­ren Stu­di­en­ver­lauf zu spe­zia­li­sie­ren. Die­ser Stu­di­en­auf­bau ver­hin­dert al­ler­dings, sich im ers­ten Se­mes­ter mit den reiz­vol­le­ren Stu­di­en­in­hal­ten des Fa­ches zu be­fas­sen, wel­che erst ab dem zwei­ten oder spä­te­ren Se­mes­ter er­fol­gen. Wei­ter­hin kön­nen fach­lich-aka­de­mi­sche Denk­mus­ter des Fa­ches nicht an das schu­li­sche Wis­sens- und Kom­pe­tenz-Re­ser­voir der Stu­die­ren­den an­knüp­fen. Die Mo­ti­va­ti­on zum Durch­hal­ten ist schwer­lich zu hal­ten, Stu­di­en­fach­wech­sel oder Stu­di­en­ab­brü­che sind die Folge.
Nach Ana­ly­se die­ser Pro­blem­la­ge wurde eine pra­xis­be­zo­ge­ne Ge­stal­tung der Stu­di­en­ein­gangs­pha­se als In­ter­ven­ti­on ent­wi­ckelt und in der Bio­ma­the­ma­tik er­probt. Das Sys­tem fo­kus­siert ge­zielt auf fach­spe­zi­fi­sche Be­dürf­nis­se Erst­se­mes­ter­stu­die­ren­der der Bio­ma­the­ma­tik und bie­tet die­sen durch ihren pra­xis­na­hen An­satz be­reits eine Per­spek­ti­ve auf die For­schungs- und Ak­ti­vi­täts­viel­falt, Ar­beits- und Denk­wei­sen sowie Em­ploya­bi­li­ty-An­for­de­run­gen des Fa­ches.

An­satz: Resi­li­enz pra­xis­be­zo­gen för­dern

Stu­die­ren­de, die über einen hö­he­ren Grad an Resi­li­enz ver­fü­gen, be­wäl­ti­gen die ty­pi­schen Schwie­rig­kei­ten des ers­ten Se­mes­ters, ob­wohl sie im Ver­gleich zu ihren Kom­mi­li­to­nin­nen und Kom­mi­li­to­nen keine her­aus­ra­gen­den Vor­leis­tun­gen auf­wei­sen. Hier­aus lässt sich ab­lei­ten, dass ein hoher Grad an Resi­li­enz der Frus­tra­ti­on des ers­ten Stu­di­en­se­mes­ters ge­gen­über zu for­cie­ren ist, um we­ni­ger oder non-resi­li­en­te Stu­die­ren­de in ihrer per­sön­li­chen Stu­di­en­ver­bleibs­mo­ti­va­ti­on zu stär­ken. Aus­ge­hend von die­ser An­nah­me einer Stei­ge­rung der Stu­di­en­ver­bleibs­mo­ti­va­ti­on mit­tels Trans­pa­renz der mit Aus­dau­er über­wind­ba­ren Stu­di­en­hür­den des ers­ten Se­mes­ters kön­nen eine Stär­kung der in­di­vi­du­el­len Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Fach sowie die Ent­wick­lung einer lang­fris­ti­gen Per­spek­ti­ve auf be­rufs­be­zo­ge­ne Qua­li­fi­ka­tio­nen för­der­lich wir­ken.
Die be­ruf­li­chen Per­spek­ti­ven für Ab­sol­ven­tin­nen und Ab­sol­ven­ten des Stu­di­en­gangs Bio­ma­the­ma­tik sind at­trak­tiv, wie aus Alum­ni- und Alum­nae-Kon­tak­ten, -In­ter­views und -Vor­trä­gen zu schluss­fol­gern ist. Ähn­lich ge­stal­tet es sich in den an­de­ren MINT-Fä­chern. Es soll­te daher ver­hin­dert wer­den, dass MINT-Stu­die­ren­de ihr Stu­di­um zu einem Zeit­punkt ab­bre­chen, an dem sie noch nicht ein­zu­schät­zen ver­mö­gen, was ihr Fach aus­zeich­net und wel­che Spe­zia­li­sie­rungs­mög­lich­kei­ten sich ihren Nei­gun­gen bie­ten. Zur För­de­rung einer kon­ti­nu­ier­li­chen Stu­di­en­ver­bleibs­mo­ti­va­ti­on er­scheint es un­ab­ding­bar, mög­lichst früh­zei­tig einen pra­xis­be­zo­ge­nen Ein­blick zu ver­mit­teln, um zu ge­währ­leis­ten, dass die Ent­schei­dung für oder gegen einen Stu­di­en­ab­bruch/-wech­sel hin­rei­chend fun­diert ist. An­dern­falls wan­dern be­nö­tig­ter wis­sen­schaft­li­cher Nach­wuchs sowie zu­künf­ti­ge Fach­kräf­te  der MINT-Fä­cher auf Grund von Des­in­for­ma­ti­on in an­de­re Dis­zi­pli­nen ab, ohne je eine ad­äqua­te Ent­schei­dungs­fin­dung voll­zo­gen zu haben.
Zur Lö­sung der dar­ge­leg­ten Pro­blem­stel­lung zeich­ne­te sich kon­kre­ter Hand­lungs­be­darf zur Un­ter­stüt­zung der Erst­se­mes­ter­stu­die­ren­den der Bio­ma­the­ma­tik ab. Es ent­stand ein fach­spe­zi­fi­sches Sys­tem zur pra­xis­be­zo­ge­nen und iden­ti­fi­ka­ti­ons­för­der­li­chen Stu­di­en­ein­gangs­pha­sen­ge­stal­tung, das unter dem Namen „Auf Dar­wins Spu­ren“ fir­miert und eine In­te­gra­ti­on pra­xis­be­zo­ge­ner Ele­men­te in der Stu­di­en­ein­gangs­pha­se vor­sieht, um die Iden­ti­fi­ka­ti­on der Stu­die­ren­den mit dem Fach Bio­ma­the­ma­tik ge­zielt zu stär­ken. Das Sys­tem ver­ge­gen­wär­tigt be­reits im ers­ten Se­mes­ter be­rufs­be­zo­ge­ne Kom­pe­tenz­fel­der und ver­mit­telt Stu­di­en­kom­pe­ten­zen, um sich in dem an­wen­dungs­be­zo­ge­nen Stu­di­en­gang spe­zia­li­sie­rend zu ent­fal­ten. Neben Pra­xis­ein­bli­cken und einem per se op­ti­mier­ten Be­treu­ungs­ver­hält­nis zwi­schen Stu­die­ren­den und Lehr­per­so­nal fin­den wei­te­re Kom­pen­sa­ti­ons­in­stru­men­te Be­rück­sich­ti­gung.

Fazit

Das hier skiz­zier­te Mo­dell eines ge­eig­ne­ten fach­spe­zi­fi­schen Um­gangs mit Erst­se­mes­ter­stu­die­ren­den soll dazu an­re­gen, in MINT-Fä­chern eine pra­xis­be­zo­ge­ne Stu­di­en­ein­gangs­pha­sen­ge­stal­tung zur För­de­rung der Resi­li­enz auch dann in Be­tracht zu zie­hen, wenn eine ge­ziel­te Qua­li­fi­zie­rung der Stu­die­ren­den ab dem ers­ten Se­mes­ter an­ge­strebt wird, al­ler­dings aus Ka­pa­zi­täts­grün­den keine dem ei­gent­li­chen Ba­che­lor­stu­di­um Ein­füh­rungs­pha­se nach dem „Null-Se­mes­ter“-Mo­dell (vgl. „Leu­pha­na Se­mes­ter“, Leu­pha­na Uni­ver­si­tät, 2016; Schle­gel, Hüb­ner & Fi­dor­ra, 2014, S. 2) um­zu­set­zen ist.
Zur Re­du­zie­rung der Ab­bruch­quo­te in MINT-Fä­chern lohnt der Blick auf non-resi­li­en­te Stu­die­ren­de. Einen pra­xis­ori­en­tier­ten Aus­blick auf be­ruf­li­che Per­spek­ti­ven als pro­ba­tes Mo­ti­va­ti­ons­re­ser­voir kann  in Be­tracht ge­zo­gen wer­den, um der Ziel­grup­pe eine kon­stan­te Stu­di­en­mo­ti­va­ti­on zu er­mög­li­chen. Die Leh­ren­den-Stu­die­ren­den-Be­zie­hung bie­tet dar­über hin­aus wei­te­res Po­ten­zi­al zur mo­ti­va­tio­na­len Un­ter­stüt­zung.

Weitere Informationen und Vollbeitrag zum resilienzorientierten und praxisbezogenen Studieneingangsphasen-Modell sind in der Publikationsreihe „Greifswalder Beiträge zur Hochschullehre“, Ausgabe 1/2016, Wissenschaft und Beruf in der polyvalenten Lehre, S. 22-33 veröffentlicht.

Thema: Lesetipps | Schreiben Sie den ersten Kommentar

Ein OSA ist ein OSA

Dienstag, 9. September 2014 | Autor/in: und 

Zum Glück sind die Freiburger Online Studienwahl Assistenten (OSAs) keine diagnostisch orientierten Online-Studienselbsttests. Denn diese erfüllen ihren Zweck gemäß einer Meldung des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft überwiegend mehr schlecht als recht.

OSA_Geowissenschaften_Studiensituation4

Quiz zu Studiensituationen im OSA Geowissenschaften

Diagnostisch orientierte Studienselbsttests setzen ihren Fokus auf die Interessen und Fähigkeiten ihrer Nutzer/innen, um ihnen anschließend passende Studiengänge vorzuschlagen. Unsere OSAs dagegen informieren über einzelne Studienfächer. Grundgedanke dabei ist, dass Studieninteressierte besser herausfinden können, ob sie zu einem Fach passen, wenn sie möglichst gut darüber Bescheid wissen. Deshalb beschreiben wir in unseren OSAs auch nicht nur Inhalte und Aufbau der Studiengänge, sondern machen auch auf typische Schwierigkeiten und falsche Vorstellungen aufmerksam und lassen Lehrende und Studierende der Fächer zu Wort kommen.

„Wir sind froh über die OSAs, weil sie unser Orientierungsangebot hervorragend ergänzen“, sagt Rektor Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer. weiter…

Thema: News & Ausschreibungen | Ein Kommentar Hier wird schon diskutiert

Blackbox Selbststudium: Mehr Kontrolle?

Mittwoch, 18. Juni 2014 | Autor/in: , und 

Beitragsreihe_Selbststudium

Irrationale Prokrastination (d.h. das Aufschieben von wichtigen Aufgaben) im universitären Kontext wirkt sich häufig negativ auf den Lernprozess, den Lernerfolg und das Wohlbefinden aus. Im IDA-Projekt Blackbox Selbststudium konnten wir dynamische Zusammenhänge zwischen Prokrastination, Misserfolgserleben und geringer Kompetenzwahrnehmung aufdecken. Im Folgeprojekt (IDA 2012) war es unser Ziel, leicht umsetzbare Interventionsmöglichkeiten abzuleiten und zu evaluieren. Dabei wurden sowohl Interventionen beleuchtet, die bei den Lernenden ansetzen als auch solche, die Veränderungen in der Lehre beinhalteten. In dieser Beitragsreihe stellen wir die verschiedenen Möglichkeiten überblicksartig vor.

Eine weitere für Dozierende naheliegende Idee zur Reduktion der Prokrastination ist das regelmäßige Abprüfen der Lernerfolge. In unserer Studie verglichen wir wöchentliche mit monatlichen Lernerfolgskontrollen durch den Dozenten. Die Studierenden erhielten jede Woche Testaufgaben, die sie entweder direkt nach einer Woche oder gesammelt am Ende eines Monats abgeben mussten. Während sich Prokrastination und Stresserleben der Studierenden kaum voneinander unterschieden, zeigten die Studierenden in der Gruppe mit monatlicher Abgabefrist eine höhere Selbstwirksamkeitserwartung, was typischerweise auch mit höherer Motivation und besseren Lernerfolgen verbunden ist. Studierende in der Gruppe mit wöchentlichen Tests gaben in Selbstbeobachtungstagebüchern an, vermehrt Planungs-, Selbstbeobachtungs- und Selbstreflexionsaktivitäten (metakognitive Strategien) zu verwenden. Allerdings zeigten sich keine Unterschiede in Hinblick auf das Prokrastinationsverhalten, d.h. Studierende mit wöchentlichen Abgabefristen der Testaufgaben prokrastinierten nicht weniger als Studierende mit monatlicher Abgabefrist.

Fazit
Insgesamt zeigte sich in unseren Interventionsstudien zur Reduktion des Prokrastinationsverhaltens, dass die Förderung der Selbstregulation der Studierenden Maßnahmen zur Erhöhung der Kontrolle und der Fremdregulation überlegen war. Dabei kann die Förderung der Selbstregulation von strategieaktivierender Lehre, über die Förderung der Selbstbeobachtung bis hin zu konkreten Strategietrainings reichen.

In vorangegangenen Artikeln dieser Beitragsreihe betrachten wir folgende Aspekte:

Thema: IDA-Projekte | Schreiben Sie den ersten Kommentar

Blackbox Selbststudium: Gestaltung von Tutorien

Mittwoch, 28. Mai 2014 | Autor/in: , und 

Beitragsreihe_Selbststudium

Irrationale Prokrastination (d.h. das Aufschieben von wichtigen Aufgaben) im universitären Kontext wirkt sich häufig negativ auf den Lernprozess, den Lernerfolg und das Wohlbefinden aus. Im IDA-Projekt Blackbox Selbststudium konnten wir dynamische Zusammenhänge zwischen Prokrastination, Misserfolgserleben und geringer Kompetenzwahrnehmung aufdecken. Im Folgeprojekt (IDA 2012) war es unser Ziel, leicht umsetzbare Interventionsmöglichkeiten abzuleiten und zu evaluieren. Dabei wurden sowohl Interventionen beleuchtet, die bei den Lernenden ansetzen als auch solche, die Veränderungen in der Lehre beinhalteten. In dieser Beitragsreihe stellen wir die verschiedenen Möglichkeiten überblicksartig vor.

Im Rahmen des Projekts wurde eine Studie durchgeführt, in der verschiedene Formen von Tutoraten im Rahmen einer Statistikveranstaltung in Hinblick auf die Verbesserung der Lernmotivation verglichen wurden. Neben dem klassischen Format (gemeinsames Lösen und Besprechen von Aufgaben), wurden Tutorate angeboten, in denen die Studierenden die Inhalte mit Hilfe von ausgearbeiteten Lösungsbeispielen bearbeiteten:

Loesungsbeispiel

Beispielaufgabe mit Lösungsbeispiel (Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern)

Beim Lernen mit Lösungsbeispielen erarbeiten sich die Studierenden anhand ausgearbeiteter, kommentierter Lösungsbeispiele den Lösungsweg selbst. Lernen mit Lösungsbeispielen führt in der Regel zu flexiblerem, nachhaltigerem Wissen (Salden, Koedinger, Renkl, Aleven, & McLaren, 2010). In Bezug auf die Lernmotivation und die Reduktion des Prokrastinationsverhaltens zeigte sich, dass die Studierenden in der Gruppe mit Lösungsbeispielen motivierter waren, regelmäßig am Tutorat teilzunehmen. Auf diese Weise beschäftigten Sie sich schon lange vor der Klausur intensiv mit den Lerninhalten. Studierende, die das klassische Tutorat besuchten, nutzten diese hauptsächlich direkt vor der Klausur. Die regelmäßigere Teilnahme am Tutorat mit den Lösungsbeispielen führte schließlich zu besseren Lernergebnissen. Insgesamt wurden die Tutorate, in denen mit Lösungsbeispielen gearbeitet wurde, auch besser evaluiert (Zufriedenheitsevaluation durch die Studierenden). Um Studierende in ihrem Lernprozess optimal zu unterstützen, können also didaktisch anspruchsvolle Tutorate mit Lösungsbeispielen eine sinnvolle und auch effektivere Unterstützungsmaßnahme sein.

In weiteren Artikeln dieser Beitragsreihe betrachten wir folgende Aspekte:

Hinweis: Wenn Sie die Folgebeiträge nicht verpassen wollen, können Sie sich per E-Mail informieren lassen oder den Artikel-Feed (RSS) abonnieren. Beide Optionen finden Sie in der rechten Navigationsleiste.

Thema: IDA-Projekte | 2 Kommentare Hier wird schon diskutiert

Blackbox Selbststudium: Aktivierende Lehre in großen Veranstaltungen

Mittwoch, 21. Mai 2014 | Autor/in: , und 

Beitragsreihe_Selbststudium

Irrationale Prokrastination (d.h. das Aufschieben von wichtigen Aufgaben) im universitären Kontext wirkt sich häufig negativ auf den Lernprozess, den Lernerfolg und das Wohlbefinden aus. Im IDA-Projekt Blackbox Selbststudium konnten wir dynamische Zusammenhänge zwischen Prokrastination, Misserfolgserleben und geringer Kompetenzwahrnehmung aufdecken. Im Folgeprojekt (IDA 2012) war es unser Ziel, leicht umsetzbare Interventionsmöglichkeiten abzuleiten und zu evaluieren. Dabei wurden sowohl Interventionen beleuchtet, die bei den Lernenden ansetzen als auch solche, die Veränderungen in der Lehre beinhalteten. In dieser Beitragsreihe stellen wir die verschiedenen Möglichkeiten überblicksartig vor.

Um sich selbst als kompetent zu erleben, sollten Studierende erfahren, dass sie ihre Ziele erreichen können. Hierfür kann man wie in vorigem Beitrag beschrieben Studierende in der Nutzung von Lernstrategien trainieren. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Nutzung lernförderlicher Strategien durch aktivierende Lehre anzuregen. In einem Experiment wurde untersucht, ob Lernstrategien auch durch die Gestaltung einer Vorlesung angeregt werden können. Es zeigte sich, dass Studierende die sich eine aktivierende Vorlesung anhörten, motivierter waren und angaben sich intensiver mit dem Lernstoff zu beschäftigen.

Einige, auch in Großveranstaltungen mit sehr vielen Studierenden, leicht umzusetzende Möglichkeiten Lernstrategien anzuregen sind:

Stellen von Fragen oder Arbeitsaufträgen zum Inhalt, die zur Organisation (Strukturierung) und Elaboration (Verknüpfung mit dem Vorwissen) der Inhalte anregen:

  • Welche Beispiele fallen Ihnen ein, die die Lerninhalte verdeutlichen?
  • Formulieren Sie in eigenen Worten die drei zentralsten Erkenntnisse/Aspekte aus der heutigen Sitzung.
  • Veranschaulichen Sie die Ergebnisse kurz graphisch.
  • Visualisieren Sie die inhaltlichen Beziehungen der wichtigsten Begriffe in einer Concept-Map, die Sie im Laufe der Vorlesung zunehmend erweitern.

Diese Fragen können auch jeweils im Dialog mit dem Sitznachbarn beantwortet werden. Auch das Präsentieren von Schaubildern und Diagrammen in Verbindung mit diesen Fragen kann Lernstrategien aktivieren.

Stellen von Fragen zur Relevanz und zum Verständnis der Inhalte:

  • Inwiefern ist das Thema für Sie persönlich relevant?
  • Wo bzw. bei welchen Aufgabenstellungen können Sie ihr neues Wissen anwenden?
  • Bitte reflektieren Sie kurz, welche offenen Fragen Sie noch haben.
In weiteren Artikeln dieser Beitragsreihe betrachten wir folgende Aspekte:

Hinweis: Wenn Sie die Folgebeiträge nicht verpassen wollen, können Sie sich per E-Mail informieren lassen oder den Artikel-Feed (RSS) abonnieren. Beide Optionen finden Sie in der rechten Navigationsleiste.

Thema: IDA-Projekte | Schreiben Sie den ersten Kommentar

Blackbox Selbststudium: Selbstbeobachtung des eigenen Prokrastinationsverhaltens

Mittwoch, 7. Mai 2014 | Autor/in: , und 

Beitragsreihe_Selbststudium

Irrationale Prokrastination (d.h. das Aufschieben von wichtigen Aufgaben) im universitären Kontext wirkt sich häufig negativ auf den Lernprozess, den Lernerfolg und das Wohlbefinden aus. Im IDA-Projekt Blackbox Selbststudium konnten wir dynamische Zusammenhänge zwischen Prokrastination, Misserfolgserleben und geringer Kompetenzwahrnehmung aufdecken. Im Folgeprojekt (IDA 2012) war es unser Ziel, leicht umsetzbare Interventionsmöglichkeiten abzuleiten und zu evaluieren. Dabei wurden sowohl Interventionen beleuchtet, die bei den Lernenden ansetzen als auch solche, die Veränderungen in der Lehre beinhalteten. In dieser Beitragsreihe stellen wir die verschiedenen Möglichkeiten überblicksartig vor.

Selbstbeobachtung

In mehreren Studien zur Wirkung von grafischem Feedback des selbst dokumentierten Prokrastinationsverhaltens zeigte sich, dass Studierende in der Lage sind, selbstständig ihr Lernen zu optimieren, wenn sie darin unterstützt werden, ihr Prokrastinationsverhalten über einen längeren Zeitraum hinweg zu beobachten. Hierzu führten sie ein webbasiertes Lerntagebuch, in welchem eine grafische Rückmeldung (Liniendiagramm, siehe Bild) zu ihrem Prokrastinationsverhalten integriert war. Diese grafische Rückmeldung wirkte sich nicht nur positiv auf den Rückgang des Prokrastinationsverhaltens aus, sondern auch auf die vermehrte Nutzung von lernförderlichen Strategien (Wäschle et al., submitted). Das so optimierte Lernverhalten führte zu einer Stressreduktion auf Seiten der Studierenden.

In weiteren Artikeln dieser Beitragsreihe betrachten wir folgende Aspekte:

Hinweis: Wenn Sie die Folgebeiträge nicht verpassen wollen, können Sie sich per E-Mail informieren lassen oder den Artikel-Feed (RSS) abonnieren. Beide Optionen finden Sie in der rechten Navigationsleiste.

Thema: IDA-Projekte | Schreiben Sie den ersten Kommentar

Blackbox Selbststudium: Setzen geeigneter Lernziele

Mittwoch, 23. April 2014 | Autor/in: , und 

Beitragsreihe_Selbststudium

Irrationale Prokrastination (d.h. das Aufschieben von wichtigen Aufgaben) im universitären Kontext wirkt sich häufig negativ auf den Lernprozess, den Lernerfolg und das Wohlbefinden aus. Im Projekt Blackbox Selbststudium konnten wir dynamische Zusammenhänge zwischen Prokrastination, Misserfolgserleben und geringer Kompetenzwahrnehmung aufdecken (Wäschle, Allgaier, Lachner, Fink, & Nückles, 2014). Im Projekt „’Morgen, morgen, nur nicht heute…!‘ Konstruktive Modulgestaltung als Mittel zur Verminderung von Prokrastinationsverhalten und Prüfungsstress“ (IDA 2012) war es unser Ziel, leicht umsetzbare Interventionsmöglichkeiten abzuleiten und zu evaluieren. Dabei wurden sowohl Interventionen beleuchtet, die bei den Lernenden ansetzen als auch solche, die Veränderungen in der Lehre beinhalteten. In dieser Beitragsreihe stellen wir die verschiedenen Möglichkeiten überblicksartig dar.

Sogenannte metakognitive Lernstrategien erlauben es Studierenden, ihren eigenen Lernprozess zu planen, zu überwachen und zu bewerten. So lassen sich Konsequenzen ableiten, die zu Verminderung unerwünschten Verhaltens und zur Festigung lernförderlichen Verhaltens führen. (Für mehr Informationen siehe auch unseren früheren Blogbeitrag). Eine zentrale metakognitive Lernstrategie ist das Setzen sinnvoller und konkreter Lernziele (Zimmerman, 2002).
Lernziele beschreiben die gewünschten Ergebnisse eines Lernprozesses vor dem Lernprozess. Im Lernprozess selbst übernehmen sie dann ganz unterschiedliche Funktionen: weiter…

Thema: IDA-Projekte | Schreiben Sie den ersten Kommentar

Call for Papers – Forschendes Lehren und Lernen in der polyvalenten Lehre

Freitag, 18. Oktober 2013 | Autor/in:

Gerne möchten wir Sie auf die neue Reihe Greifswalder Beiträge zur Hochschullehre und den dazugehörigen Call for Papers aufmerksam machen.
Die Greifswalder Beiträge erscheinen zweimal jährlich. Im Turnus von Wintersemester und Sommersemester widmet sich jede Ausgabe einem anderen Schwerpunkt polyvalenter Lehre in jeweils drei Rubriken. Heft 1/2013 führt in die Thematik polyvalenter Lehre ein.

Polyvalent bedeutet in diesem Zusammenhang, dass eine Lehrveranstaltung gleichzeitig für Studierende unterschiedlicher Studiengänge angeboten wird. Polyvalente Lehre fordert einerseits Ansätze zu Heterogenität, Diversity und Inklusion heraus, bedarf andererseits aber auch der Fokussierung auf Qualifikations- und Lernziele, zu erwerbende fachliche und überfachliche Kompetenzen sowie Studierbarkeit und Studienerfolg.

Die nächste Ausgabe (1/2014) fokussiert auf Forschendes Lehren und Lernen in der polyvalenten Lehre. In dieser Publikation sollen Ihre Forschungs- und Arbeitsergebnisse, Konzepte, Erfahrungen, Stellungnahmen und Meinungen zu einer kritischen Diskussion beitragen.

Gesucht werden Ihre Beiträge (theoretische Konzepte, wissenschaftliche (Meta-)Studien, Literaturarbeiten, Beiträge zu Bester oder Guter Praxis etc.) für die Rubriken “Wissenschaftliche Beiträge“ und „Über den Ryck geschaut“ zu folgenden Themen:

  1. Polyvalenz – Potenziale für das Lehren und Lernen
  2. Forschendes Lehren und Lernen in der polyvalenten Lehre
  3. Didaktische und methodische Gestaltung polyvalenter Lehre

Den ausführlichen Call for Papers finden Sie hier.
Wir freuen uns über Ihre Abstracts (max. 1500 Zeichen inkl. Leerzeichen) bis zum 20.11.2013 an bologna@uni-greifswald.de

Mehr Informationen

Thema: News & Ausschreibungen | Schreiben Sie den ersten Kommentar

Was machen unsere Absolventinnen und Absolventen?

Mittwoch, 17. April 2013 | Autor/in:

Mitbringsel_V2

Anfang März lud das International Centre for Higher Education Research Kassel (INCHER Kassel) zur alljährlichen Tagung ein. Hauptsächlich geht es bei dieser Tagung um das Kooperationsprojekt Absolventenstudien (KOAB Projekt), an dem mittlerweile 72 Hochschulen in Deutschland beteiligt sind. Die Universität Freiburg hat 2012 ebenfalls im Rahmen dieses Projektes ihre Absolventinnen und Absolventen zu den Themen Berufsverbleib und der retrospektiven Bewertung des Studiums befragt.

Neben allgemeinen Vorträgen zur Bildungsforschung wurden auch Gesamtergebnisse des KOAB Projektes und spezielle Auswertungsmöglichkeiten anderer Hochschulen präsentiert.

Bildungsforschung und vielfältige Tätigkeitsbereiche
Es war eine Freude Ulrich Teichler zu 50 Jahren Bildungsforschung referieren zu hören. Seiner Meinung nach bewegt sich die hochschulpolitische Debatte zwischen zwei Katastrophenszenarios: Entweder wird ein Fachkräftemangel beklagt oder die Rede über das „akademische Proletariat“ kommt auf. Einerseits werden zu wenige, andererseits zu viele AkademikerInnen ausgemacht. Wie steht es dann um die strukturelle Verbindung zwischen Studium und Arbeitsmarkt? Teichlers Ansicht nach kann nicht von einer „engen strukturellen Passung“ gesprochen werden, da sich beide Bereiche in stetigem Wandel befinden und die Frage ungeklärt ist inwiefern die Hochschule hier Steuerungsmöglichkeiten besitzt. Als Ursache des Wandels in der Bildungspolitik nennt Teichler die Umstrukturierungen durch die Bologna-Reformen, Ursache des Wandels des Arbeitsmarktes den Rückgang an „klassischen Berufsverläufen“ und die damit einhergehende vertikale Ausdifferenzierung, bzw. Vervielfältigung von Tätigkeitsbereichen (sprich: Wenn Absolventinnen und Absolventen keine klassischen Berufe mehr finden, dann „erfinden“ sie entweder selbst welche oder gehen in andere Bereiche). Meiner Meinung nach gibt es einen Zusammenhang weiter…

Thema: Mitbringsel | Schreiben Sie den ersten Kommentar

Ist das Ende des gedruckten Lehrbuchs nah?

Mittwoch, 9. März 2011 | Autor/in:

Elektronische Bücher und mobile Endgeräte sind zentrale Trends des nächsten Jahres im Bereich der neuen Medien in der Hochschullehre. Zu diesem Ergebnis kommt der jüngst erschiene „Horizon-Report“ 2011, der von einem internationalen Think-Tank, bestehend aus der EDUCAUSE Learning Initiative (ELI) und dem New Media Consortium, herausgegeben wird (auf Deutsch abrufbar unter: http://www.mmkh.de/upload/dokumente/2011-Horizon-Report_German.pdf)

Dabei scheint der Trend zu elektronischer Literatur nach eher gemächlicher Entwicklung im letzten Jahrzehnt nun rasch an Fahrt aufzunehmen. Wie der „Chronicle of Higher Education“ berichtet, sind in den USA im Jahr 2009 die Verkaufszahlen von elektronischen Lehrbüchern um 400% in die Höhe geschossen (Chronicle of Higher Education, 19. Januar 2010). Der McGraw-Hill-Verlag hat in der letzten Woche verkündet, seine 100 umsatzstärksten College-Lehrbücher zukünftig auch als ebooks anzubieten (The Wall Street Journal, 25. Februar 2011).

Auf Seiten der Verlage zählen ökonomische Vorteile durch geringere Vertriebskosten und die Möglichkeit, effektiv den Handel mit gebrauchten Bücher („used-books“; insbesondere in den USA ein bedeutender Markt) unterbinden zu können, zu den Antriebskräften, die eine schnelle Verbreitung fördern könnten. Die Studierenden andererseits könnten von fallenden Preisen, der einfachen und schnellen Verfügbarkeit von Literatur über Online-Bookstores wie z.B. iBooks, sowie der Möglichkeit, den kompletten Bücherschrank auf einem iPad oder Galaxy Tab zur Lerngruppe mitzubringen, profitieren. Zudem wird die Hardware zunehmend besser ausgestattet, komfortabler bedienbar und auch preislich für Studierende erschwinglich.

Didaktisch und lernpsychologisch betrachtet bieten elektronische Bücher völlig neue Möglichkeiten. So kann über interaktive Komponenten das aktive Lesen und damit das Verstehen und Lernen gefördert werden. Audiovisuelle Medien können Textinformationen ergänzen, Bilder lassen sich beliebig genau vergrößern oder aus verschiedenen Perspektiven betrachten – eine besonders spannende Möglichkeit für Fächer wie Anatomie oder Architektur. Über entsprechende Tools, beispielsweise für den Austausch von Anmerkungen, kann auch das Lernen in Gruppen unterstützt werden. Einige Videos mit interessanten Beispielen finden sich bei der Innovationsberatung IDEO, bei dem Start-Up Inkling und bei Dynamic Books, einem Multimediaableger des britischen Macmillan-Verlags. Dabei wird auch deutlich, dass sich nicht nur das Lesen und Lernen verändert. Auch auf die Autoren kommen Umstellungen zu. Die Grenzen zwischen ebooks und Lehr-Lernplattformen verschwimmen zunehmend in dem Maße, in dem Lehrende elektronische Bücher gezielt an die eigene Lehrveranstaltung anpassen können, wie dies das Beispiel Dynamic Books zeigt. Fakt ist allerdings auch, dass derzeit die meisten ebooks bisher nicht viel mehr als PDF-Versionen der gedruckten Ausgaben sind.

Im Grundsatz erscheint der berichtete Trend zu ebooks auch in der akademischen Lehre nach dem ganzen Hype des vergangenen Jahres um Tablet-Computer und Smartphones wahrscheinlich wenig überraschend. Trotzdem kann man sich die Frage stellen, ob die  Hochschullehrenden und die Scientific Community wirklich schon für die Einführung dieser neuen Technologien gerüstet sind. Schließlich geht es um nicht weniger als um die Frage der gedruckten Literatur, welche seit Jahrhunderten die Basis wissenschaftlichen Arbeitens und akademischen Lernens gebildet hat. Ein anschauliches Beispiel für noch ungeklärte Fragen ist die nach der korrekten Zitation aus elektronischen Quellen. Durch die Darstellbarkeit auf verschiedenen Bildschirmen lösen sich elektronische Bücher von dem Konzept der Seite und damit der Seitenzahl (The Chronicle of Higher Education, 06.Februar 2011). Hier müssen sich zukünftig erst neue Standards etablieren. Vorerst hat sich Amazon jedenfalls dazu entschlossen, die Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe auch in den für den Kindle verfügbaren elektronischen Bücher anzuzeigen, auch wenn diese dort eigentlich keine Bedeutung haben.

Thematisch relevante Links zu Webseiten der Universität Freiburg:

Zum Angebot an ebooks der Universitätsbibliothek Freiburg

Praxisbericht: Tablet-Computer im Einsatz bei der Abnahme von Prüfungen

 

Thema: News & Ausschreibungen | Ein Kommentar Hier wird schon diskutiert