Gewinn für beide Seiten: Forschungsorientierte Lehre

Mittwoch, 19. März 2014 | Autor/in: , und 

FL_Banner_2Wie die Kopplung von Forschung und Lehre aussehen und sowohl für Studierende als auch Lehrende bereichernd sein kann, zeigen Tobias Keiling und Jochen Gimmel vom Philosophischen Seminar. Beide forschen im Freiburger Sonderforschungsbereich (SFB) zum Phänomen der Muße. Ihre Arbeit fällt in den Projektbereich „Konzepte“ des SFB, der sich die Fragen stellt, mit welchen Begriffen in der Philosophie über Muße nachgedacht worden ist und mit welchen Begriffen man über Muße nachdenken sollte. Diese Forschungsfragen nehmen die beiden Wissenschaftler mit in die Lehre und stellen dabei fest wie die verschiedenen Aspekte der Lehre ihre Forschung bereichern.  

Worum geht es in Ihren forschungsorientierten Seminaren?
Jochen Gimmel: Das Proseminar im Wintersemester 2013/14 hatte das Verhältnis von Arbeit und Muße zum Thema. Dabei sollte gerade der historische Wandel dieser Begriffskonstellation ersichtlich werden, denn Arbeit ist offensichtlich einer der wichtigsten Kontrastbegriffe zu Muße. Daran schließt das Hauptseminar im kommenden Sommersemester an. Dort werde ich versuchen, das Spannungsverhältnis von Theorie und Praxis im Denken Adornos zu beschreiben und das kritische Potential des Konzepts der Muße herauszuarbeiten.

Tobias Keiling: Im Muße-SFB stellen wir uns unter anderem die Frage, ob sich Muße als eine Lebensform beschreiben lässt, und welche Rolle die Philosophie für ein Leben in Muße stellt. Da der Begriff der „Lebensform“ in der Moderne in der Philosophie Ludwig Wittgensteins geprägt wurde und für Wittgensteins späteres Werk zentral ist, habe ich diesen Begriff und die Frage nach einer möglichen philosophischen Lebensform ins Zentrum eines Hauptseminars gestellt. Die Zielgruppe des Seminars sind fortgeschrittene Bachelor- und Masterstudierende.

Wie sieht die Verbindung von Forschung und Lehre in Ihrem Fall aus?
Keiling: Die Interpretation der Klassiker ist in der Philosophie wichtig, weil sich mit ihrer Hilfe Probleme klarer formulieren und Strategien zur Lösung dieser Probleme beschreiben lassen. Dies wollte ich an den Forschungsfragen, weiter…

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Wie die Hausarbeit aus der Schublade kam – ein kollaboratives Aufsatzprojekt als Modellfall

Mittwoch, 12. März 2014 | Autor/in:

Hausarbeiten werden gemeinhin für die Schublade geschrieben. Sie haben nur einen Leser, den Dozenten, und kämpfen zumeist mit dem Problem, dass in kurzer Zeit auf engem Raum von einem Autor allein ein Thema bearbeitet werden soll. Auf beide Probleme – mangelnde Sichtbarkeit und engen Rahmen – reagiert das Experiment, im Seminar einen kollaborativ erstellten Aufsatz zu schreiben und diesen relativ zügig auf einer wissenschaftlichen Plattform online zu publizieren. Ich möchte das Procedere kurz vorstellen, um im Anschluss einen Ausblick über »lessons learned« und die Vorteile des Unternehmens zu geben.

Bilder_Aufsatzprojekt

Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg

Procedere
Das Rahmenthema des Proseminars waren mittelhochdeutsche Tristandichtungen – d. h. eine relativ große, breit gestreute und durch zweisprachige Editionen gut erschlossene Textgruppe. Wir haben zwei Standbeine der Arbeit aufgebaut: »Autorensitzungen« in virtueller und realer Form haben den Austausch zur Themenfindung, Aufgabenverteilung und dem Abgleich der fertigen Textteile ermöglicht. Ein passwortgeschützter Google-Drive-Account stand für den Upload von Material, Bibliographie, Statusberichten und fertigen Texten zur Verfügung. Zuerst wurden von den Studierenden für den Leistungsnachweis Essays in Einzelarbeit, aber im Austausch mit den anderen Beteiligten erstellt. Diese Essays haben wir im nächsten Schritt kombiniert und gemeinsam weiter bearbeitet. In einem letzten Durchgang habe ich Einleitung und Schluss ergänzt, den Text gerafft und stilistisch vereinheitlicht. Diese Version haben wir dann gemeinsam einem externen, promovierten germanistischen Mediävisten als peer reviewer zur kritischen Lektüre übergeben. Danach hat eine kleinere Arbeitsgruppe letzte Änderungen eingearbeitet, alle haben das Imprimatur gegeben, und die UB Freiburg hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, den Aufsatz auf der Freidok-Plattform zu veröffentlichen.  weiter…

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MOOCs ruft’s aus dem Wald

Montag, 10. Februar 2014 | Autor/in:

Elch-MOOC

MOOCs, ich kann mir nicht helfen, erinnern mich immer an Elche. Ich habe noch nie einen gehört, aber wenn es mal so weit ist, dann klingt es sicher so: moooooc! Und es gibt noch eine Parallele: alle kennen Elche, finden sie süß, möchten gerne mal einen kraulen, aber kaum einer hat je einen gesehen.

Das ist ein bisschen wie mit den MOOCs. Sie sind in aller Munde. Viele denken, das müsste ich auch mal (mit)machen. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Phänomen und tiefgreifende Erfahrungen findet schon seltener statt. Das gilt vermutlich auch für mich selbst und dennoch äußere ich mich hier zum Thema.

Gar nicht so lange ist es her: Aus den USA wurden vor zwei bis vier Jahren erste MOOCs gemeldet und in dem Zuge entstanden auch erste Plattformen, die sich deren Bereitstellung widmen (Coursera, Udacity, edX). In Deutschland wird das Format seit einigen Monaten intensiver diskutiert – in jedem Fall kontrovers. Und eigene Plattformen gibt es hierzulande auch bereits (iversity, OpenCourseWorld, openHPI). MOOCs sind demnach geeignet, sowohl das Ende der klassischen Hochschulen als auch die freie Hochschulbildung für alle weltweit herbeizuführen. In jedem Fall gilt als innovativ und modern, wer MOOCs anbietet oder besucht. Häufig sind MOOCs hierzulande noch stark selbstreferenzierend. Themen wie E-Learning, Lernen2.0 oder eben MOOCs standen bislang im Vordergrund.

Was sind das für Typen: Die Klassifizierung von MOOCs in xMOOCs (zentral bereitgestellte Videos evtl. ergänzt durch Testfragen, Lesetexte oder Hausaufgaben) oder cMOOCs (mit Materialien der Teilnehmenden in beliebigem Format zu einem gegebenen Thema) hilft das Feld zu sichten, jedoch sind Mischformen und Abwandlungen nicht selten, je nach dem was die genutzte Plattform oder das didaktische Konzept fordern und erlauben. weiter…

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Blackbox Selbststudium

Mittwoch, 28. März 2012 | Autor/in: und 

Das universitäre Studium zeichnet sich traditionell durch einen hohen Anteil des Selbststudiums aus, welches somit eine große Bedeutung für den Studienerfolg hat. Die Bedeutung des Selbststudiums wurde durch die Einführung des Workload-Konzepts im Zuge von Bologna noch einmal betont, da in vielen Studiengängen nur ein kleiner Anteil der zu erbringenden Studienleistungen (ECTs) in Präsenz-veranstaltungen erbracht wird. Zugleich wissen Dozierende wenig darüber, wie Studierende ihr Selbststudium gestalten und welche Unterstützung sie benötigen.

Grafik vergrößern: Klick aufs Bild

Aus diesem Grund untersuchten wir, welche Stärken und Schwächen das Selbststudium in den modularisierten Studiengängen der forst- und umweltwissenschaftlichen Fakultät aufweist. Im Wintersemester 2011/ 2012 protokollierten 198 Studierende 19 Wochen lang wöchentlich ihre Lernziele, studiumsbezogene Tätigkeiten, Lernstrategien, Lernmotivation sowie erlebte Erfolge und Schwierigkeiten in einem webbasierten Lerntagebuch.
Die Ergebnisse zeigen, dass es Studierenden schwerfiel, sich motivierende Ziele zu setzen, frühzeitig mit dem Lernen zu beginnen und effektive Lernstrategien auszuwählen. Folge davon waren schlechtere Noten in den Klausuren.

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