Blended Learning: „Einführung in die Wissenschaftsethik“

Mittwoch, 20. Mai 2015 | Autor/in: und 

Wordcloud WissenschaftsethikEthische Reflexionskompetenz zu vermitteln, stellt eine der zentralen Aufgaben des Ethisch-Philosophischen Grundlagenstudiums (EPG) dar; eine besondere Herausforderung ist es, den Zugewinn an ethischer Kompetenz möglichst nachzuweisen. Deshalb standen diese beiden Aspekte im Mittelpunkt eines Lehrexperiments.

Der konkrete Kontext, das Lehrexperiment im Rahmen einer E-Learning –Weiterbildung durchzuführen, ergab sich aus dem Ziel, didaktische Methoden einzusetzen, die die Lernmotivation und den Lernerfolg der Studierenden verbessern und ihren Bedürfnissen entgegenkommen: Für die Generation der „digital natives“ sind E-Learning-Elemente die Methode der Wahl.

Für die didaktische Zielsetzung der Veranstaltung wurde eine prozess-orientierte Variante des E-Portfolios verwendet. Im E-Portfolio sollten die Studierenden ihren Wissenszuwachs, ihren Zuwachs an Argumentationskompetenz und die Ergebnisse – auch die Zwischenergebnisse – ihrer ethischen Reflexion dokumentieren. Ein wichtiger Schritt im Hinblick auf die analysierende und reflektierende Qualität eines Portfolios ist die individuelle Schwerpunktsetzung. Deshalb wurden die Studierenden schon vor Semesterbeginn in einer online-Umfrage danach gefragt, unter welcher eigenen Fragestellung sie sich dieses Seminar ausgesucht hatten.
Unter anderem wurde auf diese Fragen geantwortet:

  • „Mich beschäftigt die Frage nach der Verantwortung von Wissenschaftlern sowohl der wissenschaftlichen Gemeinde, als auch der Öffentlichkeit gegenüber…“
  • „Inwiefern ist Wissenschaft und Ethik miteinander vereinbar und inwieweit ist dieses Thema für den Schulalltag wichtig?“

Nach einer einführenden Vorlesung und Bereitstellung der  Seminarmaterialien auf ILIAS (angefangen mit der Einrichtung der Arbeitsgruppen über themenbezogene PowerPoint Präsentationen bis zu einem „Prototyp“ für ein E-Portfolio) wurden die Studierenden ermuntert ihre Seminarleistungen per Etherpad auszutauschen und gemeinsam an Texten zu arbeiten. Die Reflektion der Seminarinhalte auf dem Hintergrund eigener Leitfragen im E-Portfolio wurde durch weitere onlinegestützte Anleitungen zum wissenschaftlichen Schreiben unterstützt. Hierbei wurde auch auf die Verwendung von Links oder Hinweise auf längere Filmsequenzen eingegangen, damit der Leser die Gründe für diese Verweise erfasst.

In allen E-Portfolios ist es gelungen, die Darstellung der Seminarinhalte mit der Hinzuziehung weiterer Inhalte (Links, Literatur), der Veranschaulichung durch Filmbeiträge und graphische Darstellungen und eigenen Überlegungen zu verknüpfen. Teilweise wurden zu den Themen umfängliche Internetrecherchen angestellt. Die Studierenden wechselten gekonnt zwischen den Ebenen, gaben Seminarinhalte wieder, analysierten diese und wendeten sie auf Fallbeispiele an, setzten sie mit anderen Inhalten oder Praxiszusammenhängen, wie z.B. der Schule als dem zukünftigen Arbeitsfeld ins Verhältnis  und reflektierten ihren Erkenntnisprozess. Der Zugewinn an ethischer Reflexionskompetenz über die Stufen des Wissenserwerbs, der Anwendung und Analyse, der Bewertung hin zum (Er-)Schaffen wurde eindrücklich deutlich.
Folgende Passagen – zitiert aus den Schlusskapiteln der E-Portfolios – motivieren für weitere Module in dieser Art:

  • “Zum anderen ist mir bewusst geworden, dass Ethik mit allen Bereichen unseres Lebens verbunden ist von daher omnipräsent. (…) Wir stellen uns zu selten die Frage, warum wir uns an bestimmte Werte halten, warum die Verantwortung der Geistes- und Naturwissenschaftler diskutiert werden sollte, worin die Macht, die Schwierigkeiten und die Möglichkeiten der Wissenschaft bestehen…”
  • “Gerade jetzt verstehe ich, weshalb EPG-Seminare in der universitären Grundausbildung eigentlich in jedem Fach sinnvoll sein können. In unserem Fall scheint es jedoch besonders wichtig, da wir schließlich, neben dem Elternhaus in erzieherischer Weise dafür verantwortlich sind, dass die Wissenschaftler von morgen ethisch und moralisch gut denken und handeln können und verantwortungsbewusst mit ihrer Umwelt und ihren Mitmenschen umgehen…”

Anlage und Ergebnisse des Lehrexperiments sind im Projektbericht „Reflexion der Blended Learning Lehrveranstaltung ‚Einführung in die Wissenschaftsethik‘ “ ausführlich beschrieben.

Die Autorin ist für Fragen unter Barbara.Skorupinski@epg.uni-freiburg.de zu erreichen.

Weiter Informationen zum Thema E-Portfolios gibt die Servicestelle E-Learning.

 

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