Wie die Hausarbeit aus der Schublade kam – ein kollaboratives Aufsatzprojekt als Modellfall

Mittwoch, 12. März 2014 | Autor/in:

Hausarbeiten werden gemeinhin für die Schublade geschrieben. Sie haben nur einen Leser, den Dozenten, und kämpfen zumeist mit dem Problem, dass in kurzer Zeit auf engem Raum von einem Autor allein ein Thema bearbeitet werden soll. Auf beide Probleme – mangelnde Sichtbarkeit und engen Rahmen – reagiert das Experiment, im Seminar einen kollaborativ erstellten Aufsatz zu schreiben und diesen relativ zügig auf einer wissenschaftlichen Plattform online zu publizieren. Ich möchte das Procedere kurz vorstellen, um im Anschluss einen Ausblick über »lessons learned« und die Vorteile des Unternehmens zu geben.

Bilder_Aufsatzprojekt

Quelle: Universitätsbibliothek Heidelberg

Procedere
Das Rahmenthema des Proseminars waren mittelhochdeutsche Tristandichtungen – d. h. eine relativ große, breit gestreute und durch zweisprachige Editionen gut erschlossene Textgruppe. Wir haben zwei Standbeine der Arbeit aufgebaut: »Autorensitzungen« in virtueller und realer Form haben den Austausch zur Themenfindung, Aufgabenverteilung und dem Abgleich der fertigen Textteile ermöglicht. Ein passwortgeschützter Google-Drive-Account stand für den Upload von Material, Bibliographie, Statusberichten und fertigen Texten zur Verfügung. Zuerst wurden von den Studierenden für den Leistungsnachweis Essays in Einzelarbeit, aber im Austausch mit den anderen Beteiligten erstellt. Diese Essays haben wir im nächsten Schritt kombiniert und gemeinsam weiter bearbeitet. In einem letzten Durchgang habe ich Einleitung und Schluss ergänzt, den Text gerafft und stilistisch vereinheitlicht. Diese Version haben wir dann gemeinsam einem externen, promovierten germanistischen Mediävisten als peer reviewer zur kritischen Lektüre übergeben. Danach hat eine kleinere Arbeitsgruppe letzte Änderungen eingearbeitet, alle haben das Imprimatur gegeben, und die UB Freiburg hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, den Aufsatz auf der Freidok-Plattform zu veröffentlichen.  weiter…

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