Resilienzorientiertes und praxisbezogenes Modell zur Verringerung der Abbruchquote in den MINT-Fächern

Montag, 2. Januar 2017 | Autor/in:

Zu Be­ginn ihres Stu­di­ums be­su­chen MINT-Stu­die­ren­de lern­in­ten­si­ve grund­le­gen­de Lehr­ver­an­stal­tun­gen, um sich, auf­bau­end auf die­sem Grund­la­gen­wis­sen, im wei­te­ren Stu­di­en­ver­lauf zu spe­zia­li­sie­ren. Die­ser Stu­di­en­auf­bau ver­hin­dert al­ler­dings, sich im ers­ten Se­mes­ter mit den reiz­vol­le­ren Stu­di­en­in­hal­ten des Fa­ches zu be­fas­sen, wel­che erst ab dem zwei­ten oder spä­te­ren Se­mes­ter er­fol­gen. Wei­ter­hin kön­nen fach­lich-aka­de­mi­sche Denk­mus­ter des Fa­ches nicht an das schu­li­sche Wis­sens- und Kom­pe­tenz-Re­ser­voir der Stu­die­ren­den an­knüp­fen. Die Mo­ti­va­ti­on zum Durch­hal­ten ist schwer­lich zu hal­ten, Stu­di­en­fach­wech­sel oder Stu­di­en­ab­brü­che sind die Folge.
Nach Ana­ly­se die­ser Pro­blem­la­ge wurde eine pra­xis­be­zo­ge­ne Ge­stal­tung der Stu­di­en­ein­gangs­pha­se als In­ter­ven­ti­on ent­wi­ckelt und in der Bio­ma­the­ma­tik er­probt. Das Sys­tem fo­kus­siert ge­zielt auf fach­spe­zi­fi­sche Be­dürf­nis­se Erst­se­mes­ter­stu­die­ren­der der Bio­ma­the­ma­tik und bie­tet die­sen durch ihren pra­xis­na­hen An­satz be­reits eine Per­spek­ti­ve auf die For­schungs- und Ak­ti­vi­täts­viel­falt, Ar­beits- und Denk­wei­sen sowie Em­ploya­bi­li­ty-An­for­de­run­gen des Fa­ches.

An­satz: Resi­li­enz pra­xis­be­zo­gen för­dern

Stu­die­ren­de, die über einen hö­he­ren Grad an Resi­li­enz ver­fü­gen, be­wäl­ti­gen die ty­pi­schen Schwie­rig­kei­ten des ers­ten Se­mes­ters, ob­wohl sie im Ver­gleich zu ihren Kom­mi­li­to­nin­nen und Kom­mi­li­to­nen keine her­aus­ra­gen­den Vor­leis­tun­gen auf­wei­sen. Hier­aus lässt sich ab­lei­ten, dass ein hoher Grad an Resi­li­enz der Frus­tra­ti­on des ers­ten Stu­di­en­se­mes­ters ge­gen­über zu for­cie­ren ist, um we­ni­ger oder non-resi­li­en­te Stu­die­ren­de in ihrer per­sön­li­chen Stu­di­en­ver­bleibs­mo­ti­va­ti­on zu stär­ken. Aus­ge­hend von die­ser An­nah­me einer Stei­ge­rung der Stu­di­en­ver­bleibs­mo­ti­va­ti­on mit­tels Trans­pa­renz der mit Aus­dau­er über­wind­ba­ren Stu­di­en­hür­den des ers­ten Se­mes­ters kön­nen eine Stär­kung der in­di­vi­du­el­len Iden­ti­fi­ka­ti­on mit dem Fach sowie die Ent­wick­lung einer lang­fris­ti­gen Per­spek­ti­ve auf be­rufs­be­zo­ge­ne Qua­li­fi­ka­tio­nen för­der­lich wir­ken.
Die be­ruf­li­chen Per­spek­ti­ven für Ab­sol­ven­tin­nen und Ab­sol­ven­ten des Stu­di­en­gangs Bio­ma­the­ma­tik sind at­trak­tiv, wie aus Alum­ni- und Alum­nae-Kon­tak­ten, -In­ter­views und -Vor­trä­gen zu schluss­fol­gern ist. Ähn­lich ge­stal­tet es sich in den an­de­ren MINT-Fä­chern. Es soll­te daher ver­hin­dert wer­den, dass MINT-Stu­die­ren­de ihr Stu­di­um zu einem Zeit­punkt ab­bre­chen, an dem sie noch nicht ein­zu­schät­zen ver­mö­gen, was ihr Fach aus­zeich­net und wel­che Spe­zia­li­sie­rungs­mög­lich­kei­ten sich ihren Nei­gun­gen bie­ten. Zur För­de­rung einer kon­ti­nu­ier­li­chen Stu­di­en­ver­bleibs­mo­ti­va­ti­on er­scheint es un­ab­ding­bar, mög­lichst früh­zei­tig einen pra­xis­be­zo­ge­nen Ein­blick zu ver­mit­teln, um zu ge­währ­leis­ten, dass die Ent­schei­dung für oder gegen einen Stu­di­en­ab­bruch/-wech­sel hin­rei­chend fun­diert ist. An­dern­falls wan­dern be­nö­tig­ter wis­sen­schaft­li­cher Nach­wuchs sowie zu­künf­ti­ge Fach­kräf­te  der MINT-Fä­cher auf Grund von Des­in­for­ma­ti­on in an­de­re Dis­zi­pli­nen ab, ohne je eine ad­äqua­te Ent­schei­dungs­fin­dung voll­zo­gen zu haben.
Zur Lö­sung der dar­ge­leg­ten Pro­blem­stel­lung zeich­ne­te sich kon­kre­ter Hand­lungs­be­darf zur Un­ter­stüt­zung der Erst­se­mes­ter­stu­die­ren­den der Bio­ma­the­ma­tik ab. Es ent­stand ein fach­spe­zi­fi­sches Sys­tem zur pra­xis­be­zo­ge­nen und iden­ti­fi­ka­ti­ons­för­der­li­chen Stu­di­en­ein­gangs­pha­sen­ge­stal­tung, das unter dem Namen „Auf Dar­wins Spu­ren“ fir­miert und eine In­te­gra­ti­on pra­xis­be­zo­ge­ner Ele­men­te in der Stu­di­en­ein­gangs­pha­se vor­sieht, um die Iden­ti­fi­ka­ti­on der Stu­die­ren­den mit dem Fach Bio­ma­the­ma­tik ge­zielt zu stär­ken. Das Sys­tem ver­ge­gen­wär­tigt be­reits im ers­ten Se­mes­ter be­rufs­be­zo­ge­ne Kom­pe­tenz­fel­der und ver­mit­telt Stu­di­en­kom­pe­ten­zen, um sich in dem an­wen­dungs­be­zo­ge­nen Stu­di­en­gang spe­zia­li­sie­rend zu ent­fal­ten. Neben Pra­xis­ein­bli­cken und einem per se op­ti­mier­ten Be­treu­ungs­ver­hält­nis zwi­schen Stu­die­ren­den und Lehr­per­so­nal fin­den wei­te­re Kom­pen­sa­ti­ons­in­stru­men­te Be­rück­sich­ti­gung.

Fazit

Das hier skiz­zier­te Mo­dell eines ge­eig­ne­ten fach­spe­zi­fi­schen Um­gangs mit Erst­se­mes­ter­stu­die­ren­den soll dazu an­re­gen, in MINT-Fä­chern eine pra­xis­be­zo­ge­ne Stu­di­en­ein­gangs­pha­sen­ge­stal­tung zur För­de­rung der Resi­li­enz auch dann in Be­tracht zu zie­hen, wenn eine ge­ziel­te Qua­li­fi­zie­rung der Stu­die­ren­den ab dem ers­ten Se­mes­ter an­ge­strebt wird, al­ler­dings aus Ka­pa­zi­täts­grün­den keine dem ei­gent­li­chen Ba­che­lor­stu­di­um Ein­füh­rungs­pha­se nach dem „Null-Se­mes­ter“-Mo­dell (vgl. „Leu­pha­na Se­mes­ter“, Leu­pha­na Uni­ver­si­tät, 2016; Schle­gel, Hüb­ner & Fi­dor­ra, 2014, S. 2) um­zu­set­zen ist.
Zur Re­du­zie­rung der Ab­bruch­quo­te in MINT-Fä­chern lohnt der Blick auf non-resi­li­en­te Stu­die­ren­de. Einen pra­xis­ori­en­tier­ten Aus­blick auf be­ruf­li­che Per­spek­ti­ven als pro­ba­tes Mo­ti­va­ti­ons­re­ser­voir kann  in Be­tracht ge­zo­gen wer­den, um der Ziel­grup­pe eine kon­stan­te Stu­di­en­mo­ti­va­ti­on zu er­mög­li­chen. Die Leh­ren­den-Stu­die­ren­den-Be­zie­hung bie­tet dar­über hin­aus wei­te­res Po­ten­zi­al zur mo­ti­va­tio­na­len Un­ter­stüt­zung.

Weitere Informationen und Vollbeitrag zum resilienzorientierten und praxisbezogenen Studieneingangsphasen-Modell sind in der Publikationsreihe „Greifswalder Beiträge zur Hochschullehre“, Ausgabe 1/2016, Wissenschaft und Beruf in der polyvalenten Lehre, S. 22-33 veröffentlicht.

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Call for Papers – Forschendes Lehren und Lernen in der polyvalenten Lehre

Freitag, 18. Oktober 2013 | Autor/in:

Gerne möchten wir Sie auf die neue Reihe Greifswalder Beiträge zur Hochschullehre und den dazugehörigen Call for Papers aufmerksam machen.
Die Greifswalder Beiträge erscheinen zweimal jährlich. Im Turnus von Wintersemester und Sommersemester widmet sich jede Ausgabe einem anderen Schwerpunkt polyvalenter Lehre in jeweils drei Rubriken. Heft 1/2013 führt in die Thematik polyvalenter Lehre ein.

Polyvalent bedeutet in diesem Zusammenhang, dass eine Lehrveranstaltung gleichzeitig für Studierende unterschiedlicher Studiengänge angeboten wird. Polyvalente Lehre fordert einerseits Ansätze zu Heterogenität, Diversity und Inklusion heraus, bedarf andererseits aber auch der Fokussierung auf Qualifikations- und Lernziele, zu erwerbende fachliche und überfachliche Kompetenzen sowie Studierbarkeit und Studienerfolg.

Die nächste Ausgabe (1/2014) fokussiert auf Forschendes Lehren und Lernen in der polyvalenten Lehre. In dieser Publikation sollen Ihre Forschungs- und Arbeitsergebnisse, Konzepte, Erfahrungen, Stellungnahmen und Meinungen zu einer kritischen Diskussion beitragen.

Gesucht werden Ihre Beiträge (theoretische Konzepte, wissenschaftliche (Meta-)Studien, Literaturarbeiten, Beiträge zu Bester oder Guter Praxis etc.) für die Rubriken “Wissenschaftliche Beiträge“ und „Über den Ryck geschaut“ zu folgenden Themen:

  1. Polyvalenz – Potenziale für das Lehren und Lernen
  2. Forschendes Lehren und Lernen in der polyvalenten Lehre
  3. Didaktische und methodische Gestaltung polyvalenter Lehre

Den ausführlichen Call for Papers finden Sie hier.
Wir freuen uns über Ihre Abstracts (max. 1500 Zeichen inkl. Leerzeichen) bis zum 20.11.2013 an bologna@uni-greifswald.de

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