Prüfungsform: Poster-Präsentation

Montag, 8. Februar 2016 | Autor/in: und 

PI Posterpräsentation 2016Semsesterende und die Menge an Prüfungen häuft sich: ob Klausur, mit Freitext oder Multiple Choice, Tests, mündliche Prüfungen usw. Dass es auch kreative Alternativen gibt, zeigt eine Veranstaltung in den Pharmazeutischen Wissenschaften. Herr Dr. Steffen Lüdeke gibt einige Informationen über seine Veranstaltung „Arzneistofffindung“.

Wie ist Ihre Vorlesung aufgebaut?

Die Vorlesung „Arzneistofffindung“ ist Teil eines Moduls im 5. Semesters B.Sc. Pharmazeutische Wissenschaften und ist dort mit einem Seminar („Retrosynthese“) und einer weiteren Vorlesung (Spezialvorlesung Pharmazeutische/Medizinische Chemie) kombiniert. Die Modulabschlussprüfung setzt sich aus einer mündlichen Prüfung, in der Retrosynthese und Spezialvorlesung abgefragt werden (60%) und der benoteten Posterpräsentation (40%) zusammen.
Zusätzlich zu Pharmazeuten nehmen auch Studierende M.Sc. Chemie teil, die sich den Kurs als „Methoden und Konzepte“ anrechnen lassen.

Welches Konzept steht hinter dieser Veranstaltung und welche Inhalte werden vermittelt?

In der Vorlesung werden Methoden vorgestellt, wie in der Industrie, aber auch in der akademischen Forschung, nach biologisch wirksamen Substanzen gesucht wird. Dabei fangen wir mit der Suche und Validierung möglicher Arzneistoff-Targets an, also die Suche nach Proteinen, Rezeptoren etc., an denen ein Arzneistoff angreift. Dann wird dargelegt, welche Eigenschaften Substanzen haben müssen, um überhaupt eine biologische Wirkung entfalten zu können und erklärt, weshalb gerade Naturstoffe dabei nach wie vor eine große Rolle spielen. Im größten Teil der Vorlesung werden Assays, computergestützte Verfahren und auch einige alternative/innovative Methoden vorgestellt, um aus riesigen Substanzbibliotheken einen Arzneistoffkandidaten herauszufiltern.
Dies sind inhaltlich sehr unterschiedliche Dinge, bei denen biochemisches, chemisches und analytisches Grundwissen gefragt ist. Für die Studierenden ist praktisch alles komplett neu. Da stellte sich natürlich die Frage, ob es Sinn macht, diesen umfangreichen Stoff in einer Klausur abzufragen oder ob die Lernziele, nämlich einen möglichst breiten Überblick über moderne Verfahren des Wirkstoffdesigns zu gewinnen, vielleicht auch anders erreicht werden können. Eine Möglichkeit wäre, Referate halten zu lassen. Der Vorteil ist, dass sich jede Gruppe eingehend mit zumindest einem Thema auseinandersetzt. Für die Zuhörer kann es allerdings sehr ermüdend sein, mehrere Stunden in einem Seminarraum abzubrummen, während 20 oder mehr Referate gehalten werden. Deshalb habe ich die Idee mit der benoteten Poster-Präsentation aufgegriffen, die in einem Hochschuldidaktik-Seminar („Prüfungsformen“), an dem ich einmal teilgenommen habe, besprochen wurde.

Was wird auf den Postern präsentiert und wie läuft das Verfahren ab?

Zunächst suche ich in der Fachliteratur nach aktuellen Artikeln (Papers), in denen eine der in der Vorlesung besprochenen Methoden verwendet wurde oder sich sonst einem Themengebiet der Vorlesung zuordnen lassen. Die Studierenden wählen in Zweiergruppen je ein aktuelles Paper aus, das sie dann gemeinsam bearbeiten und die wichtigsten Aussagen und Verfahren auf dem Poster zusammenfassen. Die meisten Forschungsarbeiten sind sehr interdisziplinär, weshalb es den Studierenden oft nicht leicht fällt eine Auswahl zu treffen, welche der vielen Daten sie auf dem Poster unterbringen sollen. Wenn sie sich sehr unsicher sind, dürfen sie sich auch bei mir melden und mir einen Entwurf zeigen. Man muss dabei etwas aufpassen, dass der zeitliche Aufwand dabei nicht überhandnimmt und auch dass die spätere Bewertung nicht verzerrt wird, wenn man zu viele Tipps gibt. Andererseits lernen die Studierenden sehr viel bei diesen Gesprächen und sind in der Regel gut auf die „Poster-Beratung“ vorbereitet. Das Angebot wird auch nicht von allen wahrgenommen. Manche verstehen vielleicht nur einen Begriff nicht, dann melden sie sich einfach per Email.
Abschließend werden die Poster nicht nur benotet, sondern auch öffentlich im Foyer ausgestellt. Am Termin, an dem die Poster aufgehängt werden, stellt jede Gruppe ihr Thema noch mit 2-3 Powerpointfolien vor allen Teinehmern ganz kurz vor. Auch diese Art der Präsentation ist für die meisten neu.

Würden sie diese Veranstaltung mit „Forschendes Lernen“ titulieren?

Die Studierenden sollen langsam an eine wissenschaftliche Vorgehensweise herangeführt werden. Also ist es eher „Lernen, wie geforscht wird“ und damit die Vorstufe zu forschendem Lernen.

Worin sehen Sie die besonderen Herausforderungen?

Mir ist es wichtig zu zeigen, dass wir topaktuelle Dinge vermitteln, weshalb ich darauf achte, dass die Papers nicht älter als 1-2 Jahre sind und auch in hochrangigen Journals veröffentlicht wurden. Allerdings ist es sehr, sehr zeitaufwändig jedes Jahr aufs Neue passende Papers auszuwählen und zu lesen. Leider stellt sich oft nachträglich heraus, dass das Niveau der Papers sehr unterschiedlich ist. Zum Teil kann man diese Ungleichheit durch die Gespräche in der „Poster-Beratung“ ausgleichen, bezahlt aber dafür wiederum mit hohem Zeitaufwand. Zu guter Letzt muss jedes Poster ja auch noch gelesen und bewertet werden. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass man gerade bei großen Gruppen (dieses Jahr waren es 52 Teilnehmer mit 26 Postern) als Prüfer einen deutlich größeren Workload hat als bei einer herkömmlichen Klausur. Das scheint insgesamt ein Hauptmanko bei Innovationen in der Lehre zu sein: viele Konzepte sind für kleine Gruppen wunderbar, klappen aber bei größeren Gruppen nicht mehr so gut.
Dennoch bin ich der Meinung, dass es an sich eine sehr schöne Sache ist und bei den Studis glaube ich auch sehr gut ankommt. Viele Ergebnisse können sich sehr gut sehen lassen und eine gute Note ist dabei keineswegs geschenkt – wir benoten nach strengen Kriterien! Die Studierenden gehen sehr motiviert zu Werke und sind schon bei einer 2,3 bitter enttäuscht, wenn sie viel Arbeit und Kreativität investiert haben, es aber inhaltliche und formale Abstriche gibt.
Insgesamt habe ich das Gefühl, bei der Poster-Präsentation ist die Note sowieso nicht alles: die meisten macht es sehr stolz, wenn sie ihr Werk im Foyer ausgestellt sehen.

Feedback von Studierenden:

„Ich habe die Veranstaltung Arzneistofffindung als eine Abwechslung zu den üblichen Vorlesungen empfunden.
Es war am Anfang eine Herausforderung, die mir vorliegende wissenschaftliche Arbeit auf einem Poster darzustellen. Man muss auf dem Poster die Vorgehensweise kurz aber trotzdem verständlich dem Leser übermitteln.
Bei den Präsentationen der Kommilitonen, war es schön zu sehen, dass es viele Ansätze gibt, ein Thema anschaulich zu vermitteln.
Bei der Gestaltung des Posters konnte man sich gut mit dem Umgang von Power Point vertraut machen und sich überlegen, wie man mit Präsentation dem Zuhörer spannend vermittelt.
Alles in Allem hat mir die Veranstaltung gut gefallen.“(Moritz Konrad)

„Die Erarbeitung eines Posters empfand ich als eine gute Alternative zum üblichen Lernen auf eine Prüfung, in der Wissen abgefragt wird. So konnten wir selber die Schwerpunkte setzen, die uns näher interessiert haben und wo wir näher ins Detail gehen wollten. Vor Präsentationen bin ich generell eher aufgeregt, aber fand es auch wichtig unsere Arbeit den Kommilitonen zu zeigen. Die größte Hürde war für mich eigentlich ganz zu Beginn, wo man erst mal ein Paper komplett inhaltlich verstehen und eine Gliederung für Poster und Präsentation entwickeln muss. Da wir in Zukunft aber immer häufiger mit solcher Literatur zu tun haben werden (hinsichtlich Bachelorarbeit), sehe ich die Veranstaltung als durchaus sinnvoll und lehrreich.“ (Sophia Gmoser)

„Die Veranstaltung gibt einen guten Überblick über verschiedene Methoden der Arzneistofffindung. Dabei fand ich gut, dass man sich das Thema, mit dem man sich näher beschäftigen wollte, selbst aussuchen durfte und sich damit näher über ein Themengebiet informieren konnte, das dem eigenen Interesse entspricht. Das ist etwas das meiner Meinung nach in diesem Studiengang zu selten gefördert wird.
Eine der größten Herausforderungen war aus der Vielzahl an verwendet Methoden, die in einem Paper verwendet wurden, sich auf die eine Wesentliche zu konzentrieren und diese möglichst knapp darzustellen.
Präsentationen zu halten fällt mir nicht leicht und ist etwas sehr unangenehmes für mich. Trotzdem bin ich im Nachhinein froh darüber dazu „gezwungen“ worden zu sein, da man nur durch Übung die Angst davor überwinden kann. Das ist auch für das spätere Berufsleben hilfreich.
Ich würde mir wünschen im Studium häufiger dazu ermutigt zu werden sich mit einem selbst gewählten Themenbereich auseinander zu setzen. Ich denke, dass die Veranstaltung sinnvoll ist, da der Umgang mit wissenschaftlichen Publikationen, sowie die Literaturrecherche, als Übung für spätere Arbeiten, wie z.B. die Bachelorarbeit, sicherlich hilfreich ist.“ (Carolin Schwarzenbach)

„Ich empfand den Kurs Arzneistofffindung als gute Übung zum Umgang mit wissenschaftlichen Artikeln. Außerdem ist die Bearbeitung von wissenschaftlichen Artikeln auch wichtig für die anstehende Bachelorarbeit.
Es war zunächst etwas schwierig, da wir nicht wussten, wie wir das Poster gestalten sollen und welche Elemente des Papers am sinnvollsten wären. Aber sobald wir einmal ein Grundgerüst erstellt hatten, lief es ganz gut.
Die Art der Veranstaltung ist meiner Meinung nach auch für andere wissenschaftliche Studiengänge sinnvoll.“ (Johanna Brech)

 

 

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