Warum E-Learning? Ein Erfahrungsbericht

Montag, 19. Januar 2015 | Autor/in: und 

2014 hat Tobias Keiling zum ersten Mal audiovisuelle Onlinepräsentationen als Lernmaterialien in einem philosophischen Masterseminar verwendet. Diese multimedial angereicherten Präsentationen im PDF-Format wurden den Kursteilnehmenden zur Vorbereitung der Seminarsitzungen zur Verfügung gestellt. Damit war eine einfache Möglichkeit gegeben, die Studierenden zwischen den wöchentlichen Präsenzphasen mit diesen besonderen Lernmaterialien zu erreichen.

Welche Motivation haben Sie E-Learning-Werkzeuge zu verwenden? Was versprechen Sie sich davon?

Hier sollte man nach meiner Erfahrung zwischen zwei Dimensionen unterscheiden: Einmal gibt es oft den Wunsch, Lehrveranstaltungen mit Hilfe von E-Learning effizienter zu machen. Die Verbesserung der Organisation ist sicherlich eine ganz zentrale Dimension bei der Nutzung von E-Learning-Werkzeugen. Das wichtigste Werkzeug dafür ist die Lernplattform ILIAS, die sicherlich die meisten Mitglieder der Universität bereits kennen. Der Wunsch nach einer effizienteren Organisation war auch meine erste Motivation, mich mit dem Thema E-Learning zu beschäftigen. Die Möglichkeiten, den Teilnehmenden aus dem ILIAS-Kursraum heraus eine E-Mail zu schicken, über die Plattform Dateien zu verteilen oder Übungsaufgaben einzusammeln und Feedback zu kommunizieren, haben für mich eine echte Zeitersparnis bedeutet.
Interessant wurde E-Learning für mich jedoch erst, als eine zweite Dimension in den Blick kam: Wie kann es durch eine veränderte didaktische Konzeption auch wirklich zu einer Verbesserung des Lernerfolgs der Studierenden kommen? ILIAS und andere E-Learning-Werkzeuge können bei der Organisation von Lehrveranstaltungen helfen. Das wirkliche Potential von ILIAS und anderen Werkzeugen liegt aber in deren didaktisch sinnvollen Nutzung.

Mussten Sie Ihre Lehrveranstaltung für die Verwendung von E-Learning komplett umplanen?
Foto: Peter Mesenholl

Foto: Peter Mesenholl

Lernziele und -inhalte bleiben bei der Durchführung mit E-Learning die Gleichen. Wie sehr sich durch die Nutzung von E-Learning-Werkzeugen die Lehrplanung ändert, kommt dann ganz auf die Veranstaltung an. Nach meiner Erfahrung ist die aktuelle Lehrplanung immer noch ein sinnvoller Ausgangspunkt, denn in diese Planung sind bereits viele Erfahrungen eingeflossen. Allerdings hat jede Lehrplanung auch ihre Schwächen, die man nach einigen Durchläufen kennt. Mir hat es daher geholfen, Probleme zu identifizieren und dann die Frage zu stellen, ob sich diese mit Hilfe von E-Learning-Werkzeugen lösen lassen. Dies scheint mir im Falle der Onlinepräsentationen so zu sein, mit denen ich die Studierenden auch in den Selbstlernphasen zwischen den Seminarsitzungen erreichen konnte. Das neue Medium hat sie in besonderer Weise angesprochen. Zur Lektüre komplexer Texte stellten gezielte Informationen und Übungsaufgaben eine willkommene Abwechslung dar, wie mir die Studierenden hinterher berichteten.

Welche anderen Werkzeuge außer ILIAS gibt es denn?

Das kann ich kaum beantworten, sondern würde empfehlen, einen Tag in die E-Learning-Weiterbildung bei der Servicestelle E-Learning  zu investieren. Am wichtigsten für mich war der Kurs zum „Content Authoring “, also zur Erstellung multimedialer Lernmaterialien. Hier habe ich eine Software (Adobe Presenter) kennengelernt, mit deren Hilfe sich Präsentationsfolien mit selbst aufgenommenen Audiodateien ergänzen und einfache Quizaufgaben stellen lassen. Das Ganze wird dann zu einer Datei im PDF-Format, die die Studierenden jederzeit mit den gängigen Geräten zum Selbststudium nutzen können.
Diese Lehrmaterialien reagieren genau auf eine Problematik meiner bisherigen Lehrplanung: Studierende hatten oft Schwierigkeiten, Texte für eine Präsenzsitzung eigenständig vorzubereiten. Mit der Onlinepräsentation konnte ich die Studierenden im Zeitraum zwischen den Präsenzphasen erreichen, ihnen präzisere methodische Anleitung geben und durch ein audiovisuelles und interaktives Medium eine Abwechslung zur Lektüre schaffen. In einer experimentellen Lehrveranstaltung haben die Studierenden auf dieses Angebot positiv reagiert und auch für mich war die Veränderung der Präsenzphasen spürbar.

Werden Studierende nicht zusätzlich belastet, wenn sie E-Learning nutzen sollen?

Das kommt auf die Lehrplanung an. Wenn es gelingt, Zeiten des Selbststudiums effektiver zu nutzen, kann E-Learning für die Studierenden sogar ein Zeitgewinn sein. Wichtig ist, auf die Verknüpfung von Präsenzphase und Selbststudium zu achten, eine Onlinepräsentation kann und soll das eigenständige Arbeiten nicht ersetzen. Sie kann aber eine fruchtbare Grundlage für die Diskussion im Seminar sein. Das ist der Grundgedanke der „hybriden“ Lehrveranstaltungen, auch Blended Learning genannt, bei denen E-Learning mit Präsenzlehre verbunden werden. Wenn Stoff etwa durch digitale Lehrmaterialien im Selbststudium gezielter vermittelt bzw. gelernt werden kann, wird in der Präsenzlehre Zeit frei, um Lerninhalte zu vertiefen. Entscheidend ist, genau zu prüfen, welche Lernschritte sich besser mit Hilfe von E-Learning-Werkzeugen gestalten lassen und für welche die bisherigen Lehrformen unabdingbar sind.

Lohnt sich der Aufwand, sich mit dem Thema E-Learning zu beschäftigen?

Nach meiner Erfahrung kann sich bereits durch die effektivere Organisation der Lehre ein echter Zeitgewinn für die Dozierenden ergeben. Bei der Einbindung digitaler Inhalte in die Lehre kommt es ganz auf die Situation an: Es mag Situationen geben, in denen erreicht man Studierende auf anderen Wegen nicht oder nicht so gut. Ein Video in einer Onlinepräsentation mag etwa mehr sagen als ein Bild, oder ein Quiz zur Vorbereitung der Veranstaltung wesentlich mehr erreichen als ein einfaches Handout. Dann werden die Präsenzphasen effektiver und so lohnt sich der Aufwand. Vermutlich muss man aber ausprobieren, ob sich der Lernerfolg der Studierenden in der erhofften Weise positiv verändert und wie viel Zeit dies in der Vorbereitung kostet. Gerade wenn man Lehrveranstaltungen immer wieder durchführt, dürfte sich der Aufwand bei der Erstellung aber schnell lohnen.

Führt Online-Lernen nicht zu einer Abschaffung der Präsenzlehre?

Trotz der Diskussion über Online-Kurse mit tausenden Teilnehmenden, sogenannten MOOCs  (Massive Open Online Course), scheint es mir im regulären Lehrbetrieb einer Universität geradezu unsinnig, Präsenzlehre abzubauen. Es ist die Lernerfahrung der Präsenzlehre, die nur Universitäten bieten können und die völlig unabdingbar für sie ist. Meiner Erfahrung nach kann die Verwendung von E-Learning aber zu einer wirklichen Verbesserung der Präsenzlehre führen – und nur dafür sollte E-Learning verwendet werden. Geschieht dies nicht, müssten sich die Lehrenden wirklich fragen, ob sie sich gerade selbst überflüssig machen. Online-Lernphasen können Präsenzlehre sinnvoll ergänzen mit dem Ziel, die Präsenzlehre zu verbessern. Hierin steckt echtes Potential.

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Gewinn für beide Seiten: Forschungsorientierte Lehre

Mittwoch, 19. März 2014 | Autor/in: , und 

FL_Banner_2Wie die Kopplung von Forschung und Lehre aussehen und sowohl für Studierende als auch Lehrende bereichernd sein kann, zeigen Tobias Keiling und Jochen Gimmel vom Philosophischen Seminar. Beide forschen im Freiburger Sonderforschungsbereich (SFB) zum Phänomen der Muße. Ihre Arbeit fällt in den Projektbereich „Konzepte“ des SFB, der sich die Fragen stellt, mit welchen Begriffen in der Philosophie über Muße nachgedacht worden ist und mit welchen Begriffen man über Muße nachdenken sollte. Diese Forschungsfragen nehmen die beiden Wissenschaftler mit in die Lehre und stellen dabei fest wie die verschiedenen Aspekte der Lehre ihre Forschung bereichern.  

Worum geht es in Ihren forschungsorientierten Seminaren?
Jochen Gimmel: Das Proseminar im Wintersemester 2013/14 hatte das Verhältnis von Arbeit und Muße zum Thema. Dabei sollte gerade der historische Wandel dieser Begriffskonstellation ersichtlich werden, denn Arbeit ist offensichtlich einer der wichtigsten Kontrastbegriffe zu Muße. Daran schließt das Hauptseminar im kommenden Sommersemester an. Dort werde ich versuchen, das Spannungsverhältnis von Theorie und Praxis im Denken Adornos zu beschreiben und das kritische Potential des Konzepts der Muße herauszuarbeiten.

Tobias Keiling: Im Muße-SFB stellen wir uns unter anderem die Frage, ob sich Muße als eine Lebensform beschreiben lässt, und welche Rolle die Philosophie für ein Leben in Muße stellt. Da der Begriff der „Lebensform“ in der Moderne in der Philosophie Ludwig Wittgensteins geprägt wurde und für Wittgensteins späteres Werk zentral ist, habe ich diesen Begriff und die Frage nach einer möglichen philosophischen Lebensform ins Zentrum eines Hauptseminars gestellt. Die Zielgruppe des Seminars sind fortgeschrittene Bachelor- und Masterstudierende.

Wie sieht die Verbindung von Forschung und Lehre in Ihrem Fall aus?
Keiling: Die Interpretation der Klassiker ist in der Philosophie wichtig, weil sich mit ihrer Hilfe Probleme klarer formulieren und Strategien zur Lösung dieser Probleme beschreiben lassen. Dies wollte ich an den Forschungsfragen, weiter…

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