Wieso brechen Studienanfänger_innen ihr Studium ab?

Montag, 7. Mai 2018 | Autor/in: , und 

Im Wintersemester 17/18 führte das Team der Zentralen Befragungen eine Umfrage unter den Exmatrikulierten (Studienabbrecher_innen, Hochschulwechsler_innen und Studienfachwechsler_innen) durch, in der die Studierenden unter anderem zu den Gründen des Abbruchs bzw. Wechsels sowie nach Verbesserungsmöglichkeiten seitens der Universität gefragt wurden. Somit sind die Zentralen Befragungen ein wichtiger Baustein des Qualitätsmanagementprozesses in Studium & Lehre an der Universität Freiburg.

Wer bricht das Studium ab?

Die Studieneingangsphase stellt sich bei vielen Studierenden als eine besonders wichtige Phase heraus, die den weiteren Studienverlauf besonders beeinflusst. Bachelorstudierende aus dem 1. und 2. Semester brechen nach der Zentralen Befragung häufiger ihr Studium ab als Bachelorstudierende aus höheren Semestern.

Daher folgt eine Auswahl der Ergebnisse der Zentralen Befragung des WS 17/18, die sich auf die Bachelorabbrecher_innen der ersten beiden Fachsemester (n = 53) konzentriert.

Woran kann es liegen, dass Studierende aus den ersten beiden Semestern das Studium abbrechen?

Zu den Hauptgründen des Studienabbruchs von Bachelorabbrecher_innen aus dem ersten und zweiten Semester zählen die persönlichen Gründe, wie Krankheit oder familiäre Gründe. Ebenfalls spielen die nicht erfüllten Erwartungen an das Studium und die fehlende Orientierung zum Studienbeginn eine Rolle. In diesem Zusammenhang werden ergänzend der fehlende Berufs- und Praxisbezug und der Wunsch nach mehr praktischer Tätigkeit im Curriculum als Grund für die Exmatrikulation in der Studieneingangsphase angegeben.

Sind Studierende, deren Eltern keinen Hochschulabschluss besitzen oder deren Eltern zugewandert sind, häufiger von der Exmatrikulation betroffen?

Foto: Sebastian Bender

Es lassen sich, bezogen auf die hier untersuchte Gruppe, keine Aussagen über den Bildungsabschluss der Eltern auf die Exmatrikulation der Studierenden ableiten. Studierende von Eltern mit einem Hochschulabschluss brechen zu gleichen Teilen ihr Studium ab wie Studierende von Eltern ohne Hochschulabschluss. Auch lassen sich, aufgrund der kleinen Fallzahl, keine Aussagen über Unterschiede bezüglich der Nationalität treffen.

Wie belastet fühlten sich die Studienanfänger_innen im Entscheidungsprozess für den Studienabbruch?

Den Entscheidungsprozess, der zum Abbruch des Studiums führte, empfinden die meisten Studienanfänger_innen der ersten beiden Semestern, als eine hohe Belastung. Bachelorabbrecher_innen aus den höheren Semestern bewerten die Entscheidung jedoch als noch belastender. Trotzdem geben die Bachelorabbrecher_innen im 1. und 2. Fachsemester insgesamt an, mit dem Studium an der Universität Freiburg zufrieden gewesen zu sein.

Was hätte die Universität tun können, um den Studienabbruch zu verhindern?

Foto: Sebastian Bender

Abbrecher_innen in den ersten zwei Semestern nennen eine strukturiertere Studieneingangsphase und bessere Möglichkeiten, sich im Vorfeld über das Studium informieren zu können, als wichtige Einflussfaktoren gegen die Entscheidung zum Abbruch. Ebenso sehen Studierende Potenzial bei jeglichen Beratungs- und Serviceangeboten der Universität Freiburg, das durch mehr Hilfsbereitschaft seitens der Mitarbeitenden und vereinfachte bürokratische Prozesse ausgeschöpft werden könnte. Jedoch fast die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass die Universität nichts hätte tun können, um ihre Entscheidung zu revidieren.

Wo finde ich weitere Informationen zu den Zentralen Befragungen?

Weitere Informationen zum Thema Zentrale Befragungen sowie den ausführlichen Ergebnisbericht der Befragung der Exmatrikulierten finden Sie auf der Homepage www.uni-freiburg.de/go/exma.

 

 

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Viel Prüfungsstoff, Balance zwischen Studium und Job und der Wunsch nach Praxis – Studienabbruch an der Universität Freiburg

Montag, 17. April 2017 | Autor/in: , und 

Im Durchschnitt beenden 23% der Studierenden in Deutschland ihr Studium nicht, in Freiburg waren es 2015 über ein Viertel (26%). Dabei brechen Studierende ihr Studium aus den verschiedensten Gründen ab. Diese finden sich auf persönlicher Ebene als auch auf institutioneller Ebene der Hochschule bzw. des Hochschulsystems (z.B. mangelnde Studieneignung oder -motivation des/der Studierenden, Abbruch als Folge unzureichender Studienbedingungen oder individueller Probleme bei der Studienfinanzierung). Eine Exmatrikuliertenbefragung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) von 2014 beleuchtet diese Gründe genauer. Sie umfasste die Themenbereiche „Zeitpunkt des Abbruchs“ (und betonte dabei die Wichtigkeit der Studieneingangsphase), die „Studienentscheidung und Fachwahl“, die „schulischen Voraussetzungen“, „Studienanforderungen und –bedingungen“, sowie Details zur „finanziellen Lage“, der „Wohnsituation“ und „demografischen Hintergrund“ der Befragten.

 

Die wichtigsten Abbruchgründe an der Universität Freiburg

Ausschlaggebende Abbruchgründe von ehemaligen Studierenden der Universität Freiburg (n=64). Angaben in Prozent. Datenquelle DZHW, eigene Darstellung.

 

Die ausschlaggebenden Abbruchsgründe können sich je nach Fach stark unterscheiden. In der Grafik sind die Angaben aus der DZHW-Studie der Abbrecher_innen der Universität Freiburg (n=64) dargestellt. Es wird deutlich, dass besonders das Themenfeld Praxisbezug/Berufsvorbereitung wichtig ist. Oft wird das Studium als theoretisch und wenig praxisbezogen kritisiert. Weiterhin scheint die Studieneingangsphase bedeutend zu sein, da viele Befragte angeben, den Einstieg in das Studium nicht geschafft zu haben oder mit falschen Erwartungen herangegangen zu sein. Abbrecher_innen beklagen eine Unvereinbarkeit von Studium und Nebenjob oder eine Überforderung durch zu viel Studien- und Prüfungsstoff oder zu hohe Studienanforderungen. Weiterhin spielen individuelle, persönliche Gründe und unzureichende Studienbedingungen eine Rolle.

Diese Gründe finden sich auch in den Antworten aus der Studierendenbefragung 2016 (n=7168) wieder. Hier gibt 1% der Befragten die Absicht, das Studium abzubrechen, an. Die Freitextantworten spiegeln vor allem den Wunsch nach mehr Praxisbezug wieder: „Die Tätigkeiten, die man nach dem Studium offen hat, sind nicht das, was ich machen möchte“ – „Hätte mehr interessante Inhalte und v.a. mehr Praxisbezug erwartet.“ – „Extreme Verschultheit des Studienganges“. Doch auch die Unvereinbarkeit von Nebenjob und Studium wird deutlich („Durch meine Arbeit, um meine Wohnung zu bezahlen, war es mir nicht möglich, meine Prüfungen mit den entsprechenden Noten zu erbringen.“) sowie eine Überforderung durch die Leistungsanforderungen im Studium („Erbringe nicht die erforderlichen Leistungen“).

Allerdings geht aus der Befragung des DZHW auch hervor, dass ein hoher Anteil der Abbrecher_innen wieder studieren würde, oft sogar an derselben Hochschule und das gleiche Fach. Weiterhin bezeichnen 34% der Abbrecher_innen das Studium (trotz Abbruch) als sinnvolle Zeit, im Vergleich zu 73% der ebenfalls befragten Gruppe der Absolvent_innen. Alles in allem sind Absolvent_innen mit ihrer jetzigen Lebenssituation zufriedener (76%), allerdings ist mit 49% der Abbrecher_innen ein hoher Anteil ebenfalls zufrieden.

Wie geht es jetzt weiter?

Da die Teilnehmerzahlen dieser Studie sehr gering waren, ist die Aussagekraft der Ergebnisse beschränkt. Sie zeigen trotzdem interessante Tendenzen auf. Um aber Abbruchsgründe nach Fachsemestern, Fächergruppen und Abschlussarten unterscheiden zu können, muss eine separate Befragung vorgenommen werden. Die Abteilung Lehrentwicklung plant zurzeit eine Exmatrikuliertenbefragung, die im Wintersemester 2017/2018 starten soll. Zweck der Befragung ist die genaue Identifikation von Motiven und Lebensumständen der Studienabbrecher_innen und Studienwechsler_innen an der Uni Freiburg sowie die Analyse der unterschiedlichen Formen und Folgen des Abbruchs um von Seiten der Universität mögliche Ansatzpunkte für weitere und spezifischere Unterstützungsmöglichkeiten zu finden.

Eine detailliertere Analyse der DZHW-Befragung zu den Abbrecher_innen an der Uni Freiburg ist hier zu finden: Bericht Abbrecherbefragung DZHW

Weitere Informationen zu den Zentralen Befragungen der Studierenden und Absolvent_innen finden Sie unter: www.uni-freiburg.de/go/befragungen

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