Studienzufriedenheit – Empirische Untersuchung über Prädiktoren

Mittwoch, 21. Oktober 2015 | Autor/in: , und 

­Felix 2Felix Bittmann ist Absolvent des Bachelorstudiengangs Soziologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und hat in den letzten Monaten erfolgreich seine Bachelorarbeit verfasst. In seiner vorrangig auf quantitative Methoden zurückgreifenden Arbeit hat Herr Bittmann Ergebnisse der Zentralen Studierendenbefragung genutzt, um genauer zu untersuchen, welche Rahmenbedingungen die Zufriedenheit der Studierenden besonders beeinflussen. Für die Impulswerkstatt Lehrqualität hat er die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst:

Wie zufrieden sind Freiburger Studierende mit ihrem Studium und welche Faktoren beeinflussen diese Zufriedenheit am stärksten? In meiner Bachelorarbeit habe ich versucht, diese Fragen zu beantworten und konnte dafür, in Zusammenarbeit mit der Abteilung Lehrentwicklung, die Daten der Studierendenbefragung 2013 genauer analysieren. Auf Basis von mehr als 7000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen ist klar: die Studierendenschaft ist mit ihrer Universität im Großen und Ganzen recht zufrieden. Knapp 80 % aller Studierenden geben an, zufrieden oder sehr zufrieden zu sein, was für die Qualität der Universität zu sprechen scheint. Zudem konnte festgestellt werden, dass die Studienzufriedenheit am deutlichsten durch das Verhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden bestimmt wird und andere Faktoren, wie beispielsweise die Leistungsfähigkeit und Intelligenz der Studierenden, quasi keine Bedeutung für die Studienzufriedenheit haben. Die Zufriedenheit zwischen Frauen und Männern unterscheidet sich nicht. Auch zwischen MigrantInnen und NichtmigrantInnen lassen sich keine signifikanten Unterschiede nachweisen. Die zufriedensten Studierenden finden sich in den Fächern Liberal Arts and Sciences, Sportwissenschaften und angewandten Politikwissenschaften.

Der theoretische Ansatz der Untersuchung basiert auf den Arbeiten des Soziologen Talcott Parsons und dem von ihm entwickelten AGIL-Schema, das ein Modell darstellt, um beliebige Systeme in Untersysteme zu gliedern und so nach strukturfunktionalistischen Merkmalen genauer zu analysieren. Auf diese Weise wurde das Konstrukt „Studienzufriedenheit“ in feinere Analyseeinheiten aufgetrennt, um diese gesondert betrachten zu können. Mit dem Ziel, die Stärke des Einflusses der jeweiligen Subsysteme ausmachen zu können, wurden die Fragen der zugrunde liegenden Befragung nach Plausibilitätsgründen dem passendsten Untersystem zugeordnet. Anschließend wurde eine Faktorenanalyse durchgeführt, um mehrere Fragen auf einige wenige Dimensionen reduzieren zu können. Als Grundlage dieses Vorgehens diente eine Studie über die Zufriedenheit an der Universität Mainz von Cornelia Damrath aus dem Jahr 2006.

Nachdem die vier bedeutendsten Dimensionen (Studienrelevante Werteorientierung, Fach, Studienziele und kognitive Leistungsressourcen) aus den Daten extrahiert wurden, konnten diese für Korrelations- und Regressionsanalysen herangezogen werden. Dabei wurde deutlich, dass diese vier Dimensionen über 40 % der Gesamtvarianz der Studienzufriedenheit erklären konnten, was für die Güte des Modells spricht. Die dabei wichtigsten Faktoren waren die Akademische Gemeinschaft, sprich das Verhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden, der Wissenserwerb, also die Fokussierung der Studierenden auf das Ziel, neues Wissen zu erlangen, sowie dem Wert des Studierens an sich, der misst, wie hoch Studierende das Studierendenleben an sich einschätzen.

Über anschließende Subgruppenanalysen konnte gezeigt werden, dass beispielsweise für GeisteswissenschaftlerInnen die Akademische Gemeinschaft einen wichtigeren Faktor darstellt als für NaturwissenschaftlerInnen, für die der Wissenserwerb deutlicher im Vordergrund zu stehen scheint. Insgesamt erweckt es den Eindruck, als konnten durch die Untersuchung bestimmte Fundamentalzusammenhänge aufgedeckt werden, die geeignet sind eine Basis für weitere Forschungsarbeiten darzustellen.

Wer jetzt Lust bekommen hat, eine Rückmeldung über seine eigene Zufriedenheit abzugeben, hat demnächst wieder Gelegenheit: die nächste Studierendenbefragung findet im Sommersemester 2016 statt. Die komplette Arbeit von Felix Bittmann ist unter folgender Adresse abzurufen: http://www.felix-bittmann.de

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