Interview mit der Prorektorin für Studium und Lehre Prof. Dr. Juliane Besters-Dilger zur Befragung der Studierenden der Universität Freiburg

Mittwoch, 20. April 2016 | Autor/in: , und 

Prorektorin Prof. Dr. Juliane Besters-Dilger

Prorektorin Prof. Dr. Juliane Besters-Dilger

Im Mai 2016 beginnt die zentrale Befragung aller Studierenden der Universität Freiburg.  In dieser Onlinebefragung werden die Studierenden gebeten, Rückmeldung zur Zufriedenheit mit der Lehrqualität sowie den Rahmenbedingungen an der Universität zu geben. Durchgeführt wird die Vollerhebung vom Befragungsteam der Abteilung Lehrentwicklung, die dem Prorektorat für Studium und Lehre unterstellt ist. Vorab haben wir, das Befragungsteam, Prof. Dr. Juliane Besters-Dilger, Prorektorin für Studium und Lehre, einige Fragen zu den Hintergründen und Erwartungen an die Befragung der Studierenden gestellt.

Frau Besters-Dilger, warum ist es wichtig, dass viele Studierende den Fragebogen ausfüllen?

Ich halte die Repräsentativität der Ergebnisse für wichtig. Das heißt: Wenn nur wenige bei der Studierendenbefragung mitmachen, kann man bei ungünstigen Ergebnissen leicht sagen: Da waren nur einzelne unzufrieden, und das sind genau die, die bei der Befragung mitgemacht haben. Wenn aber eine hohe Rücklaufquote erzielt wird, kann diese Argumentation nicht mehr überzeugen. Zudem garantiert nur eine gleichmäßig hohe Rücklaufquote über alle Fakultäten und Fächer hinweg, dass die Auswertung für ein einzelnes Fach überhaupt sinnvoll und aussagekräftig ist. Gerade Aussagen über einzelne Fächer sind wertvoll, solche über die Gesamtuniversität hingegen weniger informativ für die Fakultäten.

Was wird mit den Ergebnissen gemacht?

Die Ergebnisse der Studierendenbefragung 2016 sind auf zwei Ebenen sehr wichtig: Sie können mit den Resultaten der Befragung 2013 verglichen werden und zeigen, ob sich die Lehrsituation (Lehrangebot, Erwerb von Kompetenzen, Betreuung, Ausstattung usw.) in dem betreffenden Fach verbessert oder verschlechtert hat. Das gibt den Fachvertreterinnen und -vertretern Anhaltspunkte, wo es „hakt“ und wo nachgebessert werden muss.
Diese Ergebnisse werden aber auch in den Strategiegesprächen des Rektorats mit den einzelnen Fakultäten aufgegriffen. Hier steht die Frage im Mittelpunkt, ob die Fakultäten bzw. die Fächer sich bemüht haben, Schwächen, die durch die Studierendenbefragung deutlich wurden, zu beheben.
Damit liefert die Befragung den Fachvertretern und dem Rektorat in zweifacher Hinsicht eine Grundlage für kontinuierliche Qualitätsverbesserung.

Welche Möglichkeiten haben Studierende, die Lehrqualität in ihren Fächern zu verbessern?

Möglichkeiten für Studierende, zur Verbesserung der Lehrqualität beizutragen, sehe ich an mindestens drei Stellen:
1.    in der Lehrevaluation, die die Möglichkeit bietet, eine konkrete Lehrveranstaltung zu kritisieren und so zu ihrer Optimierung beizutragen;
2.    durch die Befragung der Studierenden und der Absolventinnen und Absolventen, die den gesamten Studiengang aus zwei verschiedenen Perspektiven in den Blick nehmen;
3.    durch die Mitarbeit in den Gremien, von der Fachschaft bis zum Studierendenrat, von der Studienkommission über den Fakultätsrat bis hin zum Senat.
Eine weitere Möglichkeit sollte man aber ebenfalls intensiv nutzen: die Sprechstunden der Lehrkräfte. Hier kann man am besten Feedback zu inhaltlichen und methodischen Gesichtspunkten einer Lehrveranstaltung geben.

Frau Besters-Dilger, was denken Sie, wie die Universität Freiburg in zehn Jahren aussehen wird?

Ich kann für den Bereich Lehre sprechen. Die Universität Freiburg wird in den nächsten Jahren ein Qualitätsmanagement für Studium und Lehre aufbauen. Dazu gehören Elemente, die bereits vorhanden sind: Lehrevaluation, Befragungen von Studierenden und Absolventinnen und Absolventen, Hochschuldidaktik. Der Vergleich mit anderen Universitäten zeigt aber, dass es noch Nachholbedarf in Bereichen wie Workload-Erhebungen, Überarbeitung der Modulhandbücher und vor allem Folgeprozesse von Evaluationen und Befragungen gibt. Zu einem sinnvollen Qualitätsmanagement gehört meines Erachtens auch die Systemakkreditierung, die es der Universität erlaubt, ihre Studiengänge selbst zu akkreditieren, anstatt damit externe Agenturen zu beauftragen. Der Weg zur Systemakkreditierung ist aber recht mühsam und wird die gesamte Universität, falls wir ihn beschreiten wollen, noch eine ganze Weile beschäftigen.

Wir bedanken uns vielmals für die ausführlichen und offenen Antworten. Wir hoffen, dass diese unsere Studierenden genauso überzeugen wie uns und freuen uns auf eine rege Teilnahme an der Befragung. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der Befragung 2016. Für Rückfragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne per E-Mail befragung@uni-freiburg.de oder unter der Telefonnummer 0761/203-67578 zur Verfügung.

 

 

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Prorektorin für Studium und Lehre Frau Prof. Dr. Juliane Besters-Dilger

Montag, 12. Januar 2015 | Autor/in: und 

Foto: Baschi Bender

Prof. Dr. J. Besters-Dilger (Foto: Baschi Bender)

Frau Professorin Besters-Dilger ist nun seit gut 100 Tagen in ihrem Amt als Prorektorin für Studium und Lehre. In einem kurzen Interview mit ihr erfahren Sie, welche Themen in der Lehre für sie von besonderer Bedeutung sind, welche Probleme sie als Prorektorin angehen will und welchen Stellenwert das „Forschende Lernen“ für sie hat.

 

Frau Professorin Besters-Dilger, seit wann sind Sie an der Uni Freiburg?

Ich habe, von Wien kommend, zum 1. Mai 2007 einen Ruf an das Slavische Seminar der Universität Freiburg angenommen.

Wo möchten Sie in Ihrer 6 Jahre dauernden Amtszeit Schwerpunkte setzen?

Schon in meiner Bewerbung, der Vorstellung vor dem Universitätsrat und vor dem Senat der Universität Freiburg habe ich drei Schwerpunkte genannt: Ich möchte das Blended Learning verstärken, also eine Mischform aus E-Learning und Präsenzphasen, die meines Erachtens für die heutige Studierendengeneration in den ersten Semestern sehr gute Lernerfolge verspricht. Ich möchte zweitens dazu beitragen, dass der gemeinsame „European Campus“ der deutschen, französischen und Schweizer Universitäten am Oberrhein nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehre Realität wird. Und ich möchte das neue Lehramtsstudium fristgerecht und in hoher Qualität umsetzen. Inzwischen sind noch zwei weitere Themen hinzugekommen: Aus der Befragung der Studierenden und AbsolventInnen ergibt sich die Forderung nach einem stärkeren Praxisbezug des Studiums, der in vielen Studiengängen als unzureichend beurteilt wurde. Außerdem ist das Thema „Senkung der Studienabbrecherquote“ ganz aktuell. Dabei geht es nicht darum, Studierende um jeden Preis an der Universität zu halten, sondern dazu beizutragen, dass alle jungen Menschen das für sie passende Ausbildungsangebot finden. Und das muss beileibe nicht an der Universität angesiedelt sein.

Welche Problemfelder sehen Sie aktuell in der Hochschullehre?

Die Studierenden beklagen die starke Verschulung des Studiums, die häufig mit dem Bologna-Prozess, also der Umstellung auf Bachelor und Master in Verbindung gebracht wird. Einen partiellen Ausweg bietet meines Erachtens das so genannte „forschende Lernen“, bei dem Studierende selbst Fragestellungen entwickeln, recherchieren, Material erarbeiten, Ergebnisse formulieren und diese präsentieren.
Ein weiteres Problemfeld ist die zunehmende Heterogenität der Studierenden. Deutsche AbiturientInnen machen nur noch einen Teil der StudienanfängerInnen aus, da die Hochschulen immer mehr Nicht-AbiturientInnen und Personen mit nichtdeutscher Muttersprache aufnehmen. Hier werden die Fächer wahrscheinlich Brückenkurse einrichten müssen.

Was sind Ihre Ziele als Prorektorin für Lehre?

Mein Ziel ist es, dass jede Studentin und jeder Student der Universität Freiburg eine ausgezeichnete, im internationalen, hochkompetitiven Umfeld konkurrenzfähige Ausbildung erhält. Zweitens wünsche ich mir, dass die Universität Freiburg ihre herausragende Position als Ort innovativer Lehre behält und noch ausbaut.

Wie könnte die Lehrentwicklung an der Universität weiter vorangetrieben werden?

Die Universität Freiburg setzt stark auf ein Belohnungssystem, das ich grundsätzlich für erfolgversprechender halte als Kontroll- und Strafmechanismen. An keiner deutschen Universität werden so viele Mittel für Lehrpreise ausgegeben wie in Freiburg. Beispiele sind der Instructional Development Award, der Universitäts-Lehrpreis oder Preise der Hochschuldidaktik. Einen positiven Effekt hat sicher auch der große Stellenwert der Lehre in Berufungsverfahren. Das Lehrkompetenzportfolio ist für uns ein unverzichtbarer Teil der Bewerbungsunterlagen.

Wie möchten Sie die Qualität in Studium und Lehre sichern?

Schon jetzt verfügen wir mit der Akkreditierung und der Evaluation durch Studierende über zwei starke Instrumente zur Qualitätssicherung der Lehre. Ein drittes sind die erstmals durchgeführten zentralen Befragungen von Studierenden, AbsolventInnen und Lehrenden, die ich in Zukunft gerne regelmäßig, etwa alle drei Jahre, organisieren würde. Deren Ergebnisse wurden einhellig als sehr wertvoll bezeichnet. Woran es noch hapert, ist die Umsetzung der daraus resultierenden Konsequenzen.

Was konnten Sie von Studierenden lernen?

Ich habe von meinen Studierenden ungeheuer viel gelernt. Das betrifft nicht nur Anregungen und Verbesserungsvorschläge für die Lehre und Ideen für neue Lehrveranstaltungen, sondern auch neue Fragestellungen für die Forschung. Wissenschaftliche Erkenntnisse, die ganz selbstverständlich scheinen, weil sie zu den Grundlagen des Faches gehören, werden plötzlich fraglich: Sind das wirklich so unverrückbare Axiome, wie man immer glaubt?

Was möchten Sie den Lehrenden mit auf den Weg geben?

Zwei Dinge: Die Lehre, nicht die Forschung, ist der Teil der Tätigkeit an einer Universität, der am stärksten in die Gesellschaft hineinwirkt. Und: Es lohnt sich auch für begeisterte ForscherInnen, sich für die Lehre zu engagieren, denn wir bilden nur dann herausragenden wissenschaftlichen Nachwuchs aus, wenn wir vorher in die Lehre investieren.

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