Viel Prüfungsstoff, Balance zwischen Studium und Job und der Wunsch nach Praxis – Studienabbruch an der Universität Freiburg

Montag, 17. April 2017 | Autor/in: , und 

Im Durchschnitt beenden 23% der Studierenden in Deutschland ihr Studium nicht, in Freiburg waren es 2015 über ein Viertel (26%). Dabei brechen Studierende ihr Studium aus den verschiedensten Gründen ab. Diese finden sich auf persönlicher Ebene als auch auf institutioneller Ebene der Hochschule bzw. des Hochschulsystems (z.B. mangelnde Studieneignung oder -motivation des/der Studierenden, Abbruch als Folge unzureichender Studienbedingungen oder individueller Probleme bei der Studienfinanzierung). Eine Exmatrikuliertenbefragung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) von 2014 beleuchtet diese Gründe genauer. Sie umfasste die Themenbereiche „Zeitpunkt des Abbruchs“ (und betonte dabei die Wichtigkeit der Studieneingangsphase), die „Studienentscheidung und Fachwahl“, die „schulischen Voraussetzungen“, „Studienanforderungen und –bedingungen“, sowie Details zur „finanziellen Lage“, der „Wohnsituation“ und „demografischen Hintergrund“ der Befragten.

 

Die wichtigsten Abbruchgründe an der Universität Freiburg

Ausschlaggebende Abbruchgründe von ehemaligen Studierenden der Universität Freiburg (n=64). Angaben in Prozent. Datenquelle DZHW, eigene Darstellung.

 

Die ausschlaggebenden Abbruchsgründe können sich je nach Fach stark unterscheiden. In der Grafik sind die Angaben aus der DZHW-Studie der Abbrecher_innen der Universität Freiburg (n=64) dargestellt. Es wird deutlich, dass besonders das Themenfeld Praxisbezug/Berufsvorbereitung wichtig ist. Oft wird das Studium als theoretisch und wenig praxisbezogen kritisiert. Weiterhin scheint die Studieneingangsphase bedeutend zu sein, da viele Befragte angeben, den Einstieg in das Studium nicht geschafft zu haben oder mit falschen Erwartungen herangegangen zu sein. Abbrecher_innen beklagen eine Unvereinbarkeit von Studium und Nebenjob oder eine Überforderung durch zu viel Studien- und Prüfungsstoff oder zu hohe Studienanforderungen. Weiterhin spielen individuelle, persönliche Gründe und unzureichende Studienbedingungen eine Rolle.

Diese Gründe finden sich auch in den Antworten aus der Studierendenbefragung 2016 (n=7168) wieder. Hier gibt 1% der Befragten die Absicht, das Studium abzubrechen, an. Die Freitextantworten spiegeln vor allem den Wunsch nach mehr Praxisbezug wieder: „Die Tätigkeiten, die man nach dem Studium offen hat, sind nicht das, was ich machen möchte“ – „Hätte mehr interessante Inhalte und v.a. mehr Praxisbezug erwartet.“ – „Extreme Verschultheit des Studienganges“. Doch auch die Unvereinbarkeit von Nebenjob und Studium wird deutlich („Durch meine Arbeit, um meine Wohnung zu bezahlen, war es mir nicht möglich, meine Prüfungen mit den entsprechenden Noten zu erbringen.“) sowie eine Überforderung durch die Leistungsanforderungen im Studium („Erbringe nicht die erforderlichen Leistungen“).

Allerdings geht aus der Befragung des DZHW auch hervor, dass ein hoher Anteil der Abbrecher_innen wieder studieren würde, oft sogar an derselben Hochschule und das gleiche Fach. Weiterhin bezeichnen 34% der Abbrecher_innen das Studium (trotz Abbruch) als sinnvolle Zeit, im Vergleich zu 73% der ebenfalls befragten Gruppe der Absolvent_innen. Alles in allem sind Absolvent_innen mit ihrer jetzigen Lebenssituation zufriedener (76%), allerdings ist mit 49% der Abbrecher_innen ein hoher Anteil ebenfalls zufrieden.

Wie geht es jetzt weiter?

Da die Teilnehmerzahlen dieser Studie sehr gering waren, ist die Aussagekraft der Ergebnisse beschränkt. Sie zeigen trotzdem interessante Tendenzen auf. Um aber Abbruchsgründe nach Fachsemestern, Fächergruppen und Abschlussarten unterscheiden zu können, muss eine separate Befragung vorgenommen werden. Die Abteilung Lehrentwicklung plant zurzeit eine Exmatrikuliertenbefragung, die im Wintersemester 2017/2018 starten soll. Zweck der Befragung ist die genaue Identifikation von Motiven und Lebensumständen der Studienabbrecher_innen und Studienwechsler_innen an der Uni Freiburg sowie die Analyse der unterschiedlichen Formen und Folgen des Abbruchs um von Seiten der Universität mögliche Ansatzpunkte für weitere und spezifischere Unterstützungsmöglichkeiten zu finden.

Eine detailliertere Analyse der DZHW-Befragung zu den Abbrecher_innen an der Uni Freiburg ist hier zu finden: Bericht Abbrecherbefragung DZHW

Weitere Informationen zu den Zentralen Befragungen der Studierenden und Absolvent_innen finden Sie unter: www.uni-freiburg.de/go/befragungen

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Thema: Werkzeugkasten Lehrevaluation

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2 Kommentare

  1. 1
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