Forum Dialogkultur – Evaluation mal anders

Mittwoch, 16. März 2016 | Autor/in:

Semesterende ist nicht nur Prüfungs- sondern auch Evaluationszeit. Kreuzchen hier, Häkchen dort, und in der letzten Sitzung die Präsentation der Ergebnisse in Form von ein paar Mittelwerten, einem schönen Diagramm und vielleicht ein paar Freitextkommentaren. Evaluationen sind den Lehrenden ohne Frage ein wichtiger Anhaltspunkt. Doch Hand aufs Herz, wer dachte nicht schon mindestens einmal beim Ausfüllen einer solchen Evaluation „Das könnte ich jetzt so oder so beantworten“ und würde am liebsten den eigenen Antworten Erklärungen beifügen?

Genau das dachten sich die Mitarbeiter der Abteilung Lehrentwicklung bei der Konzeption des Pilotprojekts „Freiburger Forum Dialogkultur“, das im WS 2015/2016 an zwei Fakultäten der Universität Freiburg durchgeführt wurde. Als HiWi durfte ich das Projekt in allen Schritten mit begleiten. Wie das Ganze ablief, wird im Folgenden beispielhaft an der Evaluation des Masterstudiengangs „Caritaswissenschaft und Christliche Gesellschaftslehre“ der Theologischen Fakultät erläutert.

„Forum Dialogkultur“ – was ist das?

Das aus dem Innovationsfonds des Studierendenrates finanzierte „Forum Dialogkultur“ orientiert sich an einem Projekt der Goethe-Universität Frankfurt. Es handelt sich hierbei um qualitative Evaluation mittels Gesprächen mit Studiengangsverantwortlichen sowie Studierenden.
Diese wurde unter Anderem im Masterstudiengang „Caritaswissenschaft und Christliche Gesellschaftslehre“ der Theologischen Fakultät durchgeführt. Diesen Studiengang gibt es seit 2006 in seiner aktuellen, modularisierten Form. Mit durchschnittlich weniger als 10 Studierenden pro Semester handelt es sich um einen sehr kleinen Studiengang, weshalb quantitative Evaluationen aus datenschutzrechtlichen Gründen häufig keine Ergebnisse liefern. Somit wurde dieses Projekt von Prof. Dr. Baumann, dem Direktor des Arbeitsbereiches, sehr begrüßt.

Schritt 1: Vorbereitung

Der erste Schritt bestand natürlich darin, sich einen Überblick über den Studiengang „Caritaswissenschaft und Christliche Gesellschaftslehre“ zu schaffen. Informationen fanden sich im Modulhandbuch, der Prüfungsordnung, und der allgemeinen Konzeption des Studiums. Weiteres ergab sich aus Vorgesprächen mit Studiengangsverantwortlichen.  Aus den zusammengetragenen Informationen wurde ein Konzept erstellt, das verschiedene Dimensionen beinhaltete, beispielsweise Betreuungssituation und Rahmenbedingungen, aber auch Workload, Studienverlauf und Lehr- bzw. Lernformen. Aus diesen Dimensionen wurde ein Leitfragebogen entwickelt, welcher zunächst im

Schritt 2: Expertengespräch

zum Einsatz kam. Das Expertengespräch ist ein 60-minütiges, semi-moderiertes Interview, bei dem vom „Experten“, in diesem Falle Prof. Dr. Baumann, zu den Dimensionen und darüber hinaus Stellung genommen wird.

Schritt 3: Gruppengespräch
Foto: Julia Müller

Foto: Julia Müller

Als nächstes folgte ein 90-minütiges Gruppengespräch mit Studierenden. Dieses ist ähnlich aufgebaut, wie das Expertengespräch, es gibt Leitfragen zu den verschiedenen Dimensionen und das Gespräch wird von den Mitarbeitern des Projekts angeleitet. Ziel ist jedoch nicht das sture Abarbeiten klar definierter Fragen, vielmehr sollen die Leitfragen dazu dienen, Diskussionen unter den Studierenden anzuregen. Obgleich das Gespräch für einen Montagabend und zu später Stunde angesetzt war, nahmen die Studierenden ihre Gelegenheit wahr und sprachen offen und gelassen sowohl über Dinge, die sehr gut laufen, als auch über Dinge, für die sie sich Änderungen wünschen würden.

Schritt 4: Auswertung und Analyse

Sowohl Experten- als auch Gruppengespräch wurden mit einem Audioaufnahmegerät aufgezeichnet und im nächsten Schritt transkribiert (wobei die Gesprächsteilnehmer anonymisiert wurden). Die Inhalte wurden strukturiert, kategorisiert, und zusammengefasst, bis schließlich die Quintessenzen des Expertengesprächs denen des Gruppengesprächs gegenübergestellt werden konnten. Aus dieser Gegenüberstellung heraus wurde ein Zwischenbericht verfasst, den alle Beteiligten zur Vorbereitung auf das

Schritt 5: Abschlussgespräch

erhielten. Im Abschlussgespräch, dem wie der Name schon vermuten lässt letzten Schritt, kamen nun alle, Studierende sowie Lehrende, zusammen. Nach einer kurz zusammenfassenden Präsentation der Ergebnisse durch die Projektmitarbeiter gab es nun noch einmal die Möglichkeit, Brennpunkte ganz offen miteinander zu diskutieren, Verbesserungsvorschläge einzubringen und eigene Standpunkte zu erklären. Lehrende wie Studierende nahmen dies mit reger Beteiligung wahr, sodass noch einmal viele Themen zur Sprache kamen.

Vorteile dieser Methode

Der große Pluspunkt dieser Evaluationsmethode besteht darin, dass sie eine Plattform für einen aktiven Austausch bietet. Klar können Studierende sich auch in ihrer Freizeit über ihr Studium austauschen – oft wird dies jedoch nicht an Lehrende weitergeleitet. Ebenso besteht theoretisch für Lehrende stets das Potential, sich zusammenzusetzen und kritische Betrachtungen anzustellen – ich könnte mir allerdings gut vorstellen, dass dies in der Praxis oftmals zwischen dringlicheren Themen untergeht. Daher bietet das Projekt „Freiburger Forum Dialogkultur“ die Möglichkeit, sich ein paar Stunden Zeit zu nehmen, und sich aktiv mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Es bietet sowohl den Studierenden im Gruppengespräch die Möglichkeit, sich frei zu äußern, da hier keine Lehrenden anwesend sind; es bietet genauso den Lehrenden die Möglichkeit, im Abschlussgespräch oftmals sehr simple, obgleich auch nicht unmittelbar durchschaubare Gründe für gewisse Strukturen und Entscheidungen darzulegen. Die abschließend direkte Kommunikation aller Parteien basierend auf der Grundlage des Zwischenberichts ist zweifelsohne eine effektivere Auseinandersetzung mit den Themen, als ein anfängliches Gruppengespräch es jemals hätte sein können. Jeder hat bereits eine Vorstellung von den Fragen und Wünschen der anderen und kann so gezielt darauf eingehen.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass diese Art von Evaluation sehr aufwändig ist, es sich für die Beteiligten meines Erachtens jedoch lohnt. Sie stellt vielleicht keine äquivalente Alternative zur klassischen Fragebogen-Evaluation dar, da, vor allem in größeren Studiengängen, nur vereinzelte Meinungen erfasst werden, ich halte sie jedoch für eine hilfreiche Ergänzung.

Diese Bewertung des Projekts „Freiburger Forum Dialogkultur“ deckt sich auch mit der Einschätzung des Wertes des Projekts durch den Studiengangsverantwortlichen und Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Baumann, der folgendes betont: „Die Evaluation bot uns eine willkommene Gelegenheit einer externen Auswertung in qualitativer Form unseres Studienganges. Wir danken dem Team des Pilotprojekts „Freiburger Forum Dialogkultur“ für die intensive und professionelle Erhebung sowie Ausarbeitung der Ergebnisse. Aus dem Abschlussgespräch gingen einige Anregungen hervor, an deren Umsetzung wir bereits arbeiten.“

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