Zum Fest der Liebe…

Mittwoch, 23. Dezember 2015 | Autor/in: und 

Liebe Liebe,

hier sitze ich nun und warte auf dich. Die Sonne scheint, die Vögel singen, und der Frühling zeigt sich von einer seiner schönsten Seite. Meinst du nicht, es wäre der perfekte Moment, um um die Ecke zu huschen? Siehst du nicht, wie erwartungsvoll ich bin? Nervös tippe ich mit meinen Fingerspitzen auf den kühlen Untergrund und hektisch wandert mein Augenpaar hin und her. Ich befürchte für einen Moment unaufmerksam zu sein und dich zu verpassen. Gib dich endlich zu erkennen, zeig mir dein Gesicht! Jaja, ich weiß, du möchtest nicht, dass man auf dich wartet und dass man nach dir sucht. Du willst den Überraschungsmoment, du willst einschlagen wie eine Bombe, ohne Vorwarnung! Doch meine Geduld ist bald am Ende! Die Liebe ist langmütig, und lange warte ich bereits auf dich! Meinst du nicht, es ist Zeit? Wer weiß, was du alles verpasst! Liebe Liebe, gib dir einen Ruck!

Ich würde mich über eine baldige Antwort freuen, nein: antworte endlich!!

(Katharina Ketterer)

BriefkastenFür ihre Lehrveranstaltung „Liebeskonzeptionen in der deutschsprachigen Literatur vom 18. Jahrhundert bis heute“ hat Frau Prof. Dr. Weertje Willms ein Konzept entwickelt, das sich auf drei Ebenen entfaltet und für das sie verschiedene außeruniversitäre Kooperationspartner gewinnen konnte:

Zunächst wurde das Thema „Liebeskonzeptionen in der Literatur“ wissenschaftlich bearbeitet. Frau Willms analysierte und interpretierte mit ihren Studierenden in textnahen und offenen Diskussionen ausgewählte Werke zum Thema. Mit einführenden historischen Kontextualisierungen und theoretischen Konzepten vermittelte sie literaturgeschichtliche Zusammenhänge und machte die Texte zugänglich. Begonnen wurde mit dem Klassiker „Miss Sara Sampson“ von Lessing, den Abschluss bildete „Das Blütenstaubzimmer“ von Zoë Jenny. Im zweiten Schritt verfassten die Studierenden zusammen mit Senioren des Altenstifts Augustinum Freiburg in einem dreitägigen Schreibworkshop unter Anleitung zweier professioneller AutorInnen selber Texte zum Thema „Liebe“. Dadurch erhielten sie neue Perspektiven auf literarische Texte, durch die ihr Verständnis von Formen, Schreibweisen und literaturgeschichtlichen Zusammenhängen auf besondere Weise geschult und ihre Kreativität gefördert wurden. Drittens und abschließend wurden die Texte von SchauspielerInnen des Theaters im Marienbad szenisch umgesetzt und in Form von zwei öffentlichen Abendveranstaltungen aufgeführt („Briefe an die Liebe“ im Augustinum und im Literaturbüro). So bekamen die Studierenden einen weiteren Zugang zur Literatur, indem sie die Veränderungen nachvollziehen konnten, denen die Texte durch die Inszenierung unterliegen. Im Anschluss an die zweite Veranstaltung fand ein „Werkstattgespräch“ mit allen Beteiligten statt, bei dem der Entstehungsprozess der Inszenierung und die Verbindung zwischen allen drei Ebenen reflektiert wurden.

Neben dem besonderen Lernerfolg war es nicht zuletzt eine sehr beglückende Erfahrung für die Studierenden, selber Texte zu produzieren und diese auf einer Bühne präsentiert zu bekommen. Mit ihrem besonderen didaktischen Konzept gelang es Frau Willms, ihren Studierenden neue Zugänge zur Literatur zu eröffnen und sie nachhaltig zu begeistern. In einer Reflexion zum Seminar fasst eine Studentin ihre Erfahrungen so zusammen: „Sprache fasziniert, verbindet und berührt. Gestern habe ich gezweifelt, heute bin ich enthusiastisch, und morgen werden ich Sprache und Literatur neu entdecken.“

In einer kleinen Anthologie hat Frau Willms von jeder Kursteilnehmerin/jedem Kursteilnehmer einen Teil der in der Schreibwerkstatt entstandenen Texte zusammengestellt, aus denen wir einige Beispiele präsentieren.

Erinnerung.

Ich erinnere mich, als wäre alles Vergangene Traum. Manchmal, sagst du, muss ich kurz ganz scharf nachdenken, ob das jetzt real ist, ob es wirklich sein kann. Soll ich dich wieder kneifen flüstere ich und zwicke dich leicht in den Hals. Ich glaube, sagst du leise lachend, du kannst gar nicht kneifen. Deshalb höre ich nicht auf zu träumen.

(Clara Braune)

Liebe Liebe,

wer sagt eigentlich,
dass du lieb bist?
Du bisschen Liebe –
Herzen brechend,
Nerven kitzelnd,
den Kopf verdrehend
und die Gliedmaßen auch,
hetzt du mich von Wolke sieben
bis in den Keller.
Ach übrigens, meine Liebe,
ich hätte gerne meine Kontaktlinsen wieder,
durch deine rosaroten Gläser
kann ich nicht klar sehen.
Und spar dir doch bitte deine Schmetterlinge,
die mit den Flugzeugen um die Wette fliegen,
du liebes Bisschen!
Und trotzdem schreibt man
Liebe!
fast wie
Lebe!

Das ist alles. Alles Liebe.

(Sonja Müller)

 

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