„Vom Wissen zum Handeln“ konkret – Wie E.T. zum world traveler wird

Freitag, 13. November 2015 | Autor/in:

Quelle: www.flickr.com

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Hochmotiviert und begeistert vom Vortrag des vorherigen Abends, haben sich 10 Lehrende der Universität Freiburg mit Prof. Dr. Jeroen van Merriёnboer in das Abenteuer ‚Das four component instructional design (4C/ID) model zur Förderung komplexen Lernens‘ gestürzt. Dass E.T. während des Seminars zu Besuch kommen wird und von den Teilnehmenden zum world traveler ausgebildet werden möchte, das hatte niemand erwartet.

Nach der Einführung der vier Instructional Design Komponenten (learning task, supportive information, procedural information und part-task-practice) überraschte Prof. van Merriёnboer mit der Aufgabe eine Lernumgebung zu gestalten, die es E.T. ermöglicht zum world traveler zu werden. Hintergrund: E.T. war auf die Erde zurückgekommen, um nun die gesamte Erde zu erforschen und nicht bloß einen amerikanischen Vorort, wie bei seinem letzten Erden-Besuch. Zufälligerweise landete E.T. im Rektorat der Universität Freiburg. Nun hieß es für die Teilnehmenden hands-on, um die vier Instructional Design Komponenten mit Leben zu füllen.

Learning task. Backbone jeder 4C/ID Lernumgebung sind authentische und ganzheitliche Lernaufgaben. Konkret bedeutet dies, dass Lernaufgaben der Dreh- und Angelpunkt jeder Lernumgebung sind, mit denen die drei anderen Komponenten verbunden sein müssen. Was könnten ganzheitliche und authentische Aufgaben eines world travelers sein? Ganz einfach: Reisen. Da Lernaufgaben immer von einfach zu komplex angeordnet sein sollten, startete E.T. ganz simpel: Eine Reise vom Rektorat zum Hauptbahnhof in Freiburg. Alleine wollten die Teilnehmenden ihn aber doch nicht loslaufen lassen und auch das 4C/ID Model sieht zu Beginn viel Unterstützung und Anleitung vor, die nach und nach abnimmt. Daher wollten sie ihn auf dem Weg begleiten.

Supportive information. Prof. van Merriёnboer wies darauf hin, dass bei jeder Lernumgebung unterstützende Informationen über die zu erlernenden Inhalte wichtig seien. Daher sollte in unserem Fall E.T. noch einige Hinweise über Freiburg erhalten bevor er seine erste Reise antrete. Letztlich entschieden sich die Teilnehmenden für einen Stadtplan von Freiburg und erklärten ihm wie sich typischerweise in Freiburg auf der Straße benommen und gekleidet wird. Jetzt konnte E.T. losgehen!

Procedural Information. Während des Ausführens einer Lernaufgabe, insbesondere für routine-mäßige Aspekte, sind prozedurale Informationen wichtig. Deshalb wurde E.T. bei der kleinen Reise auf die Verkehrsregeln für Fußgänger hingewiesen und es wurden ihm just-in-time information wie „Halt, die Ampel ist rot!“ oder „Schaue links-rechts-links, bevor du über die Straße läufst.“ gegeben.

Part-task-practice. Das Üben von Teilaufgaben ist vor allem sinnvoll, wenn langfristig ein hoher Grad an Automatisierung erforderlich ist. Dennoch sollte der Zusammenhang der Teilaufgabe mit der gesamten authentischen Lernaufgabe hergestellt bleiben. Bei ET zeigte sich, dass er Schwierigkeiten hatte, die Sicherheit vor dem Überqueren der Straße zu prüfen. Da dies aber eine sehr wichtig Voraussetzung ist, um in Freiburg sicher zu reisen, bekam E.T. hierfür einen separaten Übungsbereich in einer ruhigen Seitenstraße. Dadurch entwickelten sich automatisierte Routinen (links-rechts-links-Schauen), sodass E.T. dann in der Lage war, sicher über die Straße zu gehen.

Nachdem die erste Lernaufgabe gemeistert war, ging die Reise vom Hauptbahnhof zur neuen Universitätsbibliothek. Doch diesmal war weniger Unterstützung nötig, sodass die Teilnehmenden einige Schritte hinter E.T. gingen. Bei der anschließenden Reise von der UB zurück zum Rektorat brauchte E.T. noch weniger Unterstützung: lediglich ein Smart Phone, sodass er seine Lehrer/innen im Notfall kontaktieren konnte, ansonsten reiste er alleine. Auch diese Lernaufgabe meisterte er mit Bravour.
Als nächste komplexere Lernaufgabe sollte E.T. mit dem Bus auf den Schauinsland reisen (wieder mit viel Begleitung und Unterstützung zu Beginn, die nach und nach weniger werden sollte). Die supportive information beinhaltete eine Landkarte des Schauinsland und einen kurzen Vortag „Öffentlicher Nahverkehr im Breisgau“. Allerdings war E.T. von seiner ersten Reise doch sehr müde, sodass die Lernaufgaben auf den nächsten Tag verschoben wurden.

Fazit. Der Workshop verdeutlichte sehr eindrücklich wie wichtig die Integration von Lernaufgaben in die Lehre ist. Zum einen macht die Einbindung von Lernaufgaben Spaß, noch entscheidender ist aber, dass die Verwendung von ganzheitlichen, authentischen und variierenden Lernaufgaben (kombiniert mit unterstützenden und prozeduralen Informationen sowie dem Üben von Teilaufgaben) das Erlernen von Kompetenzen, den Transfer und damit nachhaltiges Lernen fördert.
Und falls Sie in Zukunft E.T. in Freiburg sehen, seien Sie unbesorgt – E.T. weiß nicht nur wie man reist, er kann es auch!

Für mehr Informationen zum 4C/ID Model siehe hier oder besuchen Sie den nächsten Workshop von Prof. Dr. Jeroen van Merriёnboer im März 2016.  Nähere Informationen dazu im Workshop-Programm der Abteilung Hochschuldidaktik ab dem 16.11.2015.

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