„Nothing ever happens?“ – „Let´s talk about it!“

Dienstag, 8. September 2015 | Autor/in:

Bilder-58906-56892-original

Foto: Joachim Hirschfeld

Ein häufig geäußerter und nicht in allen Fällen gänzlich unbegründeter Verdacht gegenüber Evaluationsmaßnahmen ist, dass in ihrem Zuge zwar eine große Menge an Datenmaterial gesammelt werde, mit den Ergebnissen jedoch zumeist wenig passiere. Nach Abschluss der Zentralen Befragungen verschiedener universitärer Gruppen (Absolvent_innen, Lehrende, Studierende) sowie durch den Zentralen Evaluationsservice (ZES) und das Business-Intelligence-System für die Lehre (BI-Lehre) stehen den Fakultäten und Fächern eine Vielzahl an quantitativ gewonnenen empirischen Daten zur Situation von Studium und Lehre zur Verfügung. Doch wie können die Ergebnisse zentral durchgeführter Evaluationsmaßnahmen in den einzelnen Fachbereichen und Studiengängen dazu genutzt werden, Probleme zu identifizieren und Verbesserungen im Bereich Studium und Lehre auf den Weg zu bringen? Einen Beitrag zur Beantwortung dieser Frage stellt das Forum Dialogkultur dar.

Das Freiburger Forum Dialogkultur ist ein Pilotprojekt der Abteilung Lehrentwicklung mit einjähriger Laufzeit, das aus dem Projektwettbewerb „Innovatives Studium“ gefördert wird. Im Rahmen des Projekts soll ein Verfahren sondiert werden, das einen Dialog zwischen den einzelnen Akteuren innerhalb der Fachbereiche im Hinblick auf Sicherung und Verbesserung der Qualität von Studium und Lehre initiiert. Insbesondere sollen hierbei die Studierenden nachhaltig in die Qualitätssicherungsprozesse der Fakultäten eingebunden werden. Die Idee der Methode ist es, die zentral gewonnenen, quantitativen Evaluationsergebnisse in einem gesprächsbasierten Mixed Methods Free 3qualitativen Verfahren für die Studiengangsentwicklung fruchtbar zu machen. Methodisch sollen Verfahren der Dialogischen Evaluation Anwendung finden. Das theoretische Fundament des geplanten Vorgehens sind Methoden der qualitativen Sozialforschung, insbesondere die dokumentarische Evaluationsforschung, wie sie vorrangig von Ralf Bohnsack entwickelt wurde. Ein wichtiger Orientierungspunkt für das Vorgehen bei der qualitativen Evaluation ist außerdem das Modell formativer Studiengangsevaluation der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Es handelt sich bei dem dialogischen Evaluationsverfahren um einen Methodenmix, in dessen Setting qualitative und quantitative Elemente zusammengeführt werden. Die vorgestellte Evaluationsmethode ist zudem ein sehr flexibles Verfahren, dass spezifisch auf den jeweiligen Untersuchungsgegenstand und das jeweilige Erkenntnisinteresse zugeschnitten werden kann.

Grundsätzlich umfasst der Evaluationsprozess die im untenstehenden Schaubild dargestellten Phasen. Am Beginn des Evaluationsprozesses steht ein 60 bis 90 minütiges, leitfadengestütztes Gruppengespräch mit Studierenden des zu untersuchenden Fachbereichs oder Moduls. Je nach Fragestellung können auch ehemalige Studierende Teil der Gesprächsrunde sein. Der nächste Schritt im dialogischen Evaluationsprozess ist ein Expert_innengespräch mit Studiengangs- oder Fachbereichsverantwortlichen zur Situation im Studiengang. In dieses Gespräch sollen bereits Inhalte der Gruppendiskussion mit Studierenden und Ergebnisse der quantitativen Evaluationsmaßnahmen einfließen. An die beiden Gespräche schließt sich eine analytische Phase an, in welcher die Gesprächsinhalte transkribiert, analysiert und mit den Ergebnissen der quantitativen Evaluationsmaßnahmen kontrastiert werden sollen.111111 Schließlich werden Zwischenberichte angefertigt und allen am Evolutionsprozess beteiligten Akteur_innen zur Verfügung gestellt. Sowohl die Transkription des Interviewmaterials, als auch dessen Analyse und die Berichtserstellung sind als Unterstützungsleistung für die Fakultäten konzipiert. Die genannten Schritte werden vom Projektteam der Abteilung Lehrentwicklung durchgeführt und bedeuten keine Mehrarbeit für die teilnehmenden Fachbereiche. Die Letzte Phase des Evaluationsprozesses beinhaltet eine moderierte Abschlussdiskussion mit allen Beteiligten. Grundlage dieser gemeinsamen Ergebnisdiskussion sind die genannten Zwischenberichte. Ausgehend von gemeinsamen Erkenntnissen auf Grundlage der Evaluationsergebnisse können im Zuge der Abschlussdiskussion gemeinsam Stärken und Schwächen des Studienganges analysiert werden. Im Anschluss daran können gemeinsam Handlungsmöglichkeiten sondiert und Maßnahmen vereinbart werden, die zur Verbesserung und Qualitätsentwicklung im eigenen Lehr- und Lernumfeld beitragen.

Ziel des Pilotprojekts ist es, einen Austausch über die Qualität von Studium und Lehre zwischen allen Akteur_innen innerhalb eines Studienganges, Fachbereiches oder Studienmoduls zu initiieren und die gegenseitige positive Wahrnehmung und Wertschätzung aller am Studiengang Beteiligten zu fördern. Bei einer Implementierung als Teil eines regelmäßigen Evaluationszyklus, kann das skizzierte Projekt, im Wechselspiel mit den im dreijährigen Turnus geplanten Zentralen Befragungen und unter Berücksichtigung der aggregierten Ergebnisse der zentral durchgeführten Lehrveranstaltungsevaluation, auch langfristig zu einer umfassenden Evaluationskultur innerhalb der Fakultäten beitragen. Ziel ist ein Verständnis von Evaluation zu etablieren, in dem Evaluationsmaßnahmen kein Selbstzweck, sondern Teil einer stetigen, alle universitären Akteure umfassenden Qualitätskultur und -entwicklung sind. Nur eine solche Qualitätskultur und eine hohe Identifikation aller Akteur_innen mit dem eigenen Fachbereich und der Universität Freiburg als Gesamtinstitution, können die Grundlage einer nachhaltigen Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität von Studium und Lehre bilden.

Innerhalb des eng gesteckten zeitlichen wie finanziellen Rahmens des geplanten Piloten, soll jeweils ein Fachbereich in zwei Fakultäten berücksichtigt werden. Die Teilnahme am Projekt ist für die Fakultäten bzw. Fächer freiwillig. Interessierte Studiendekan_innen, Studiengangkoordinator_innen, Lehrende und alle anderen interessierten Vertreter_innen der Fakultäten können sich, gerne per Telefon oder E-Mail, direkt beim Projektverantwortlichen melden.

Kontakt:

Oliver Hafner, M.A. Abteilung Lehrentwicklung E-Mail: Oliver.Hafner@zv.uni-freiburg.de Telefon: 203 – 67576, Projekthomepage

Tags »

Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0
Thema: News & Ausschreibungen, Werkzeugkasten Lehrevaluation

Diesen Beitrag kommentieren.

Kommentar abgeben