Prorektorin für Studium und Lehre Frau Prof. Dr. Juliane Besters-Dilger

Montag, 12. Januar 2015 | Autor/in: und 

Foto: Baschi Bender

Prof. Dr. J. Besters-Dilger (Foto: Baschi Bender)

Frau Professorin Besters-Dilger ist nun seit gut 100 Tagen in ihrem Amt als Prorektorin für Studium und Lehre. In einem kurzen Interview mit ihr erfahren Sie, welche Themen in der Lehre für sie von besonderer Bedeutung sind, welche Probleme sie als Prorektorin angehen will und welchen Stellenwert das „Forschende Lernen“ für sie hat.

 

Frau Professorin Besters-Dilger, seit wann sind Sie an der Uni Freiburg?

Ich habe, von Wien kommend, zum 1. Mai 2007 einen Ruf an das Slavische Seminar der Universität Freiburg angenommen.

Wo möchten Sie in Ihrer 6 Jahre dauernden Amtszeit Schwerpunkte setzen?

Schon in meiner Bewerbung, der Vorstellung vor dem Universitätsrat und vor dem Senat der Universität Freiburg habe ich drei Schwerpunkte genannt: Ich möchte das Blended Learning verstärken, also eine Mischform aus E-Learning und Präsenzphasen, die meines Erachtens für die heutige Studierendengeneration in den ersten Semestern sehr gute Lernerfolge verspricht. Ich möchte zweitens dazu beitragen, dass der gemeinsame „European Campus“ der deutschen, französischen und Schweizer Universitäten am Oberrhein nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehre Realität wird. Und ich möchte das neue Lehramtsstudium fristgerecht und in hoher Qualität umsetzen. Inzwischen sind noch zwei weitere Themen hinzugekommen: Aus der Befragung der Studierenden und AbsolventInnen ergibt sich die Forderung nach einem stärkeren Praxisbezug des Studiums, der in vielen Studiengängen als unzureichend beurteilt wurde. Außerdem ist das Thema „Senkung der Studienabbrecherquote“ ganz aktuell. Dabei geht es nicht darum, Studierende um jeden Preis an der Universität zu halten, sondern dazu beizutragen, dass alle jungen Menschen das für sie passende Ausbildungsangebot finden. Und das muss beileibe nicht an der Universität angesiedelt sein.

Welche Problemfelder sehen Sie aktuell in der Hochschullehre?

Die Studierenden beklagen die starke Verschulung des Studiums, die häufig mit dem Bologna-Prozess, also der Umstellung auf Bachelor und Master in Verbindung gebracht wird. Einen partiellen Ausweg bietet meines Erachtens das so genannte „forschende Lernen“, bei dem Studierende selbst Fragestellungen entwickeln, recherchieren, Material erarbeiten, Ergebnisse formulieren und diese präsentieren.
Ein weiteres Problemfeld ist die zunehmende Heterogenität der Studierenden. Deutsche AbiturientInnen machen nur noch einen Teil der StudienanfängerInnen aus, da die Hochschulen immer mehr Nicht-AbiturientInnen und Personen mit nichtdeutscher Muttersprache aufnehmen. Hier werden die Fächer wahrscheinlich Brückenkurse einrichten müssen.

Was sind Ihre Ziele als Prorektorin für Lehre?

Mein Ziel ist es, dass jede Studentin und jeder Student der Universität Freiburg eine ausgezeichnete, im internationalen, hochkompetitiven Umfeld konkurrenzfähige Ausbildung erhält. Zweitens wünsche ich mir, dass die Universität Freiburg ihre herausragende Position als Ort innovativer Lehre behält und noch ausbaut.

Wie könnte die Lehrentwicklung an der Universität weiter vorangetrieben werden?

Die Universität Freiburg setzt stark auf ein Belohnungssystem, das ich grundsätzlich für erfolgversprechender halte als Kontroll- und Strafmechanismen. An keiner deutschen Universität werden so viele Mittel für Lehrpreise ausgegeben wie in Freiburg. Beispiele sind der Instructional Development Award, der Universitäts-Lehrpreis oder Preise der Hochschuldidaktik. Einen positiven Effekt hat sicher auch der große Stellenwert der Lehre in Berufungsverfahren. Das Lehrkompetenzportfolio ist für uns ein unverzichtbarer Teil der Bewerbungsunterlagen.

Wie möchten Sie die Qualität in Studium und Lehre sichern?

Schon jetzt verfügen wir mit der Akkreditierung und der Evaluation durch Studierende über zwei starke Instrumente zur Qualitätssicherung der Lehre. Ein drittes sind die erstmals durchgeführten zentralen Befragungen von Studierenden, AbsolventInnen und Lehrenden, die ich in Zukunft gerne regelmäßig, etwa alle drei Jahre, organisieren würde. Deren Ergebnisse wurden einhellig als sehr wertvoll bezeichnet. Woran es noch hapert, ist die Umsetzung der daraus resultierenden Konsequenzen.

Was konnten Sie von Studierenden lernen?

Ich habe von meinen Studierenden ungeheuer viel gelernt. Das betrifft nicht nur Anregungen und Verbesserungsvorschläge für die Lehre und Ideen für neue Lehrveranstaltungen, sondern auch neue Fragestellungen für die Forschung. Wissenschaftliche Erkenntnisse, die ganz selbstverständlich scheinen, weil sie zu den Grundlagen des Faches gehören, werden plötzlich fraglich: Sind das wirklich so unverrückbare Axiome, wie man immer glaubt?

Was möchten Sie den Lehrenden mit auf den Weg geben?

Zwei Dinge: Die Lehre, nicht die Forschung, ist der Teil der Tätigkeit an einer Universität, der am stärksten in die Gesellschaft hineinwirkt. Und: Es lohnt sich auch für begeisterte ForscherInnen, sich für die Lehre zu engagieren, denn wir bilden nur dann herausragenden wissenschaftlichen Nachwuchs aus, wenn wir vorher in die Lehre investieren.

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