Neurologie interprofessionell (LongStI – Teil 3)

Mittwoch, 5. November 2014 | Autor/in:

Moderne Lehre in der Humanmedizin sollte patientenzentriert und kompetenzorientiert sein, aber auch verschiedene Prinzipien wie z.B. Interprofessionalität vermitteln. Im Fach Neurologie spiegelt die komplexe alltägliche und interprofessionelle Versorgung von Patienten mit der akuten Erkrankung Schlaganfall und der chronischen Erkrankung Morbus Parkinson diese Konzepte sehr gut wider, so dass diese Erkrankungen eine ideale inhaltliche Basis für die Entwicklung neuer Lehrformate darstellen.

Foto: Rüdiger Buhl

Foto: Rüdiger Buhl

Im Rahmen des „LongStI“-Projektes wurden insgesamt 4 neue Seminare á 90 Minuten entwickelt: „Der Schlaganfall-Patient“ (Teil 1 und 2) und „Der Parkinson-Patient“ (Teil 1 und 2). Die Patientenzentrierung erfolgte in beiden Teilen mit Hilfe von integrierten Fallbeispielen. Durch die Darstellung der krankheitsspezifischen Stadien und damit verbundenen Probleme sollten den Studierenden neue Blickwinkel eröffnet werden. Durch die zusätzliche Vorstellung „echter“ Patienten im zweiten Teil, die sehr persönliche Schilderungen ihrer Erkrankung vermittelten und sich für Fragen der Studierenden zur Verfügung stellten, sollte neben einer Wiederholung der theoretischen Inhalte auch ein besseres Verständnis für die betroffenen Patienten und deren Belange gefördert werden. Interprofessionalität sollte durch die aktive Einbindung hochspezialisierter Pflegekräfte („Stroke-“ und „Parkinson-Nurses“) erreicht werden und eine realitätsnahe und modellhafte Darstellung der Vorteile und kritischen Punkte einer interprofessionellen Versorgung an zwei sehr unterschiedlichen Erkrankungen ermöglichen. Eine kompetenz-orientierte Ausbildung sollte neben der inhaltlichen Vermittlung von kompetenzbasierten Lernzielen auch durch eine explizite Darstellung der unterschiedlichen ärztlichen Rollen erfolgen.
Die Seminare wurden erstmals im Wintersemester 2013/14 abgehalten und erreichten sowohl in den direkt nach Abschluss durchgeführten ausführlicheren Evaluationen wie auch in der offiziellen Semesterabschlussevaluation des Studiendekanats sehr gute Gesamt-Bewertungen. Erfreulicherweise wurden auch die uns besonders wichtigen Punkte wie „besseres Verständnis für die Gefühle und Probleme der Patienten mit den Erkrankungen Schlaganfall und Morbus Parkinson“ und „Verdeutlichung der verschiedenen ärztlichen Rollen“ sehr gut evaluiert. Der im Freiburger Medizinstudium erstmalige Einsatz von Gesundheits- und Krankenpflegern wurde ebenfalls als sehr hilfreich für das Verständnis von interprofessioneller Zusammenarbeit bewertet. Für die neue Rolle als Dozentinnen und Dozenten für Studierende der Humanmedizin konnten langjährig erfahrene und als Stroke- bzw. Parkinson-Nurse spezialisierte Pflegekräfte gewonnen werden. „Ein wichtiger und viel versprechender Schritt zur Vorbereitung der Studierenden auf den klinischen Alltag. Die Komplexität einer guten Patientenbetreuung kann hier sehr gut vermittelt werden“ findet Sabine Ahrendt (Parkinson Nurse). „Eine interessante Aufgabe, auch als Ansatz, im Alltag immer wieder feststellbare hierarchische Strukturen – die der Effizienz der Arbeit am Patienten hinderlich sind – frühzeitig aufzubrechen und das Miteinander zu fördern“ ergänzt Peter Dannen (Stroke-Nurse).
Zusammengefasst zeigen die neu konzipierten Seminare eine Möglichkeit auf, wie verschiedene Konzepte wie Patientenzentrierung, Interprofessionalität und Kompetenzorientierung in die alltägliche Lehre integriert und praxisnah umgesetzt werden können.

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