Instructional Development Award Preisträger PD Dr. Björn Spittau

Mittwoch, 3. September 2014 | Autor/in: und 

Dr. Björn Spittau und Prof. Dr. Kerstin Krieglstein bieten Medizinstudierenden durch ihr IDA-Projekt die Möglichkeit, sich schon in einer frühen Studienphase mit dem Transfer ihres theoretischen Wissens für die spätere Anwendung in der Klinik auseinanderzusetzen. Schließlich besteht ein großer Unterschied zwischen den hübschen, bunten Zeichnungen in den Lehrbüchern und radiologischen Daten aus angewandten bildgebenden Verfahren (z.B. Röntgenbilder, Daten von Computertomographie und Magnetresonanztomographie). Letztere richtig „lesen“ und interpretieren zu können, ist für Ärzte jedoch unerlässlich. Im Interview mit Dr. Spittau erfahren Sie, wie es zu dem Projekt „Radiologie im Präparierkurs – E-Learning-basierte angewandte Anatomie für Klinik und Praxis“ kam, welche Probleme er in der Hochschullehre sieht und welche Vorbilder der IDA-Preisträger im Bereich der Lehre hat.

IDA-Projekt
Quelle: Flickr, Tim Reckmann

Quelle: Flickr, Tim Reckmann

Herr Spittau, was hat Sie zu der Projektidee inspiriert?
Die Idee entwickelte sich über einen langen Zeitraum. In den Kursen und Seminaren habe ich immer wieder radiologisches Bildmaterial eingesetzt, um anatomische Strukturen verständlich zu machen. Das hat den Studierenden immer sehr viel Spass gemacht und ihnen auch gezeigt, wie wichtig die Anatomie für die Klinik ist. Das Problem war allerdings, dass viele der Studierenden große Probleme hatten, ihr anatomisches Wissen auf diese Art der Darstellung von Strukturen zu übertragen. Da lag es nah, ein Konzept zu entwickeln, Anatomie und Radiologie miteinander zu verbinden. Allerdings fehlten bisher vor allem die Zeit und die Ressourcen zur Umsetzung.

Welches Team steht hinter Ihnen?

  • Prof. Dr. Kerstin Krieglstein
  • Dr. Nicole Wöhrle
  • Peter Schulz


Was erhoffen Sie sich auf lange Sicht von Ihrem Projekt? 
Ich hoffe, dass unser IDA-Projekt langfristig zum festen Bestandteil der anatomsichen Lehre wird und die Verbindung von Vorklinik und Klinik weiter verstärkt. Ich hoffe außerdem, dass insbesondere Lagebeziehungen von Organen zueinander, im Sinne der topographischen Anatomie, durch unser Projekt besser verstanden werden. Dieses Verständnis ist eine fundamentale Grundlage der klinischen Fächer, insbesondere der operativen Fachrichtungen, für die Diagnostik und Therapie.

Hochschullehre

Welche Herausforderungen sehen Sie in der Hochschullehre?
Ein großes Problem in der Entwicklung der Hochschullehre sehe ich in der Tatsache, dass primär die wissenschaftlichen Leistungen honoriert werden. Das kann auf Dauer dazu führen, dass die Lehre „vernachlässigt“ wird und in einem Mindestmaß an Aufwand betrieben wird. Das sollte im Interesse von Studierenden und Dozenten nicht passieren. Die Universität Freiburg geht da mit der Vergabe der „Instructional Development Awards“, einer exzellenten Lehrevaluation und der damit gekoppelten Vergabe von Lehrbonusmitteln einen hervorragenden Weg, die Lehrentwicklung zu fördern und voranzutreiben.

Wodurch zeichnet sich für Sie gute Hochschullehre aus?
Die gute Hochschullehre zeichnet sich für mich dadurch aus, dass sie Lerninhalte anwendungsbezogen und praxisnah vermittelt. Übertragen auf die Anatomie bedeutet dies, dass ich anatomisches Wissen in dem Zusammenhang unterrichte, in dem das Wissen von den Studierenden später wieder gebraucht wird. Daher versuche ich stets die Fakten der Anatomie im klinischen Kontext zu vermitteln. Das macht nicht nur den Studierenden und mir mehr Spass, sondern ist auch aus lernphysiologischer Sicht am sinnvollsten. Der heutige Stand der Technik ermöglicht es uns, neue moderne Lehrmethoden in die Vorlesungen und Kurse zu integrieren. Auch diese Art der Weiterentwicklung von Lehrmethoden und die Anpassung an die aktuelle Technik gehört für mich zur guten Hochschullehre.

Persönliches

Warum setzen Sie sich für die Lehrentwicklung ein?
Ich denke, dass eine qualitativ hochwertige Lehre zusammen mit den wissenschaftlichen Leistungen zu den wichtigsten Qualitätsmerkmalen eines Institutes gehört. Daher halte ich es für wichtig, neben sehr guter wissenschaftlicher Forschung auch eine entsprechend exzellente Lehre anzubieten. Ich möchte die Studierenden nicht nur auf ihre bestehenden Prüfungen und Examina vorbereiten, sondern ich will, dass die Studierenden anatomisches Wissen im Hinblick auf ihre spätere klinische Tätigkeit erwerben. Zudem hoffe ich, auch eine Begeisterung für das Fach Anatomie bei den Studierenden zu wecken und zeigen zu können, dass die Anatomie zu Unrecht den Ruf eines eingestaubten und veralteten Faches hat. Ich sehe die gute Lehre auch als eine Möglichkeit, das Interesse der Studierenden zu wecken eine Doktorarbeit in der Anatomie anzustreben oder eventuell sogar nach dem Studium selbst in der Anatomie tätig zu werden.

Welche Vorbilder haben Sie im Bereich der Lehre?
Im Lehrbereich habe ich zwei große Vorbilder. Da wäre zum einen Félix Vicq d´Azyr (1748-1794), ein französischer Arzt und Anatom, der schon vor knapp 250 Jahren eine Reform der medizinischen Ausbildung in Frankreich vorschlug und sich dafür einsetzte, dass theoretische Fächer mit vielen praktischen Übungen kombiniert werden sollten. Sein Motto: „Peu lire, beaucoup voir et beaucoup faire!“ (Wenig lesen, viel sehen und viel machen) gilt bis heute und ist wesentliche Grundlage jedes modernen medizinischen Curriculums. Zum anderen möchte ich hier Prof. Dr. med. László Füzesi nennen. Während meiner Studien- und PJ-Zeit in Göttingen war er es, der mich für das Fach Pathologie begeistern konnte. Er war in der Lage, auch die kompliziertesten Zusammenhänge der Pathologie einfach, anschaulich und vor allem einprägsam zu erklären. Diese Art der Wissensvermittlung habe ich bei ihm gelernt und sie ist ein integraler Bestandteil meiner Lehrphilosophie geworden.

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Thema: IDA-Projekte, News & Ausschreibungen

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