Interview mit Toni Bünemann: Weiterbildungskonzepte der Uni Freiburg

Mittwoch, 30. Juli 2014 | Autor/in: und 

Toni Bünemann ist Leiterin des Fachbereichs Wissenschaftliche Weiterbildung der Freiburger Akademie für Universitäre Weiterbildung (FRAUW). Der Fachbereich unterstützt die Weiterbildungsangebote der Fakultäten und Einrichtungen auf administrativer Seite und übernahm während der vom Ministerium für Wissenschaft und Forschung geförderten Entwicklungsphase für die berufsbegleitenden MasterOnline Studiengänge die Koordination und Kommunikation mit dem Ministerium. Im Interview nennt Frau Bünemann Erfolgskriterien für Online-Weiterbildungskonzepte und erklärt das Baukastenprinzip des wissenschaftlichen Weiterbildungsangebots der Universität Freiburg. Wer schon mit dem Gedanken gespielt hat, die eigenen Lehrthemen für die Weiterbildung zugänglich zu machen, bekommt hier erste Antworten!

Frau Bünemann, was sind die wichtigsten Erfolgskriterien für ein gelungenes Online-Studienkonzept?
Am wichtigsten ist, dass alle Beteiligten teilnehmerorientiert denken und handeln. In der wissenschaftlichen Weiterbildung haben wir es mit hohen Ansprüchen seitens der Teilnehmenden zu tun. Für etablierte Zahnärzte spielt bei ihrer Weiterbildung beispielsweise nicht nur das inhaltliche und didaktische Niveau eine Rolle, sondern auch der Service, das Catering und die Räumlichkeiten. Neben guter Betreuung und Fachkompetenz haben sich aber vor allem der Einsatz und das Charisma der jeweiligen wissenschaftlichen Leitung als Erfolgsfaktor herausgestellt. Wenn die Leitung als Fachpersönlichkeit auf Tagungen Präsenz zeigt und den Studiengang der Öffentlichkeit vorstellt, profitiert das Ansehen des Angebots. Ebenfalls wichtig ist ein gutes Team, das den Studiengang koordiniert und durchführt. Ich schätze auch eine gewisse Offenheit für den kreativen Umgang mit E-Learning und die Bereitschaft zur didaktischen Innovation als erfolgskritisch ein.

Die MasterOnline Studiengänge sind nur ein Teil des Angebots der wissenschaftlichen Weiterbildung. Warum braucht die Uni Freiburg noch andere Weiterbildungsformate? 

Fotograf: Joachim Hirschfeld

Laut Landeshochschulgesetz besteht die Universität nicht nur aus Lehre und Forschung, sondern hat außerdem den Auftrag der Weiterbildung, was durch die Novelle des Landeshochschulgesetzes 2013 untermauert wurde. Mit unserem Weiterbildungsangebot möchten wir die gesellschaftlichen Anforderungen erfüllen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Es ist beispielsweise möglich sich durch eine Spezialisierung an der Uni Freiburg für Führungsaufgaben zu qualifizieren. Durch die demographische Entwicklung und die Heraufsetzung des Rentenalters rechnen wir zunehmend mit älteren Zielgruppen. Wer ein berufsbegleitendes Modul besucht, kann bei entsprechender beruflicher Qualifizierung auch ohne akademischen Hintergrund teilnehmen. Gerade auch für diese Zielgruppe verfolgen wir zunehmend den Baukastengedanken, der durch das Projekt „Freiräume für wissenschaftliche Weiterbildung“ dazugekommen ist: Unser Ziel ist ein vielseitiges Angebot von Modulen, die untereinander kombinierbar sind und entsprechend dem Förderprogramm des Bundesministerium für Bildung und Forschung einen „Aufstieg durch Bildung“ ermöglicht. Kann man mit einer so flexiblen Weiterbildung einen anerkannten Abschluss machen? Teilnehmer eines MasterOnline Studiengangs (dunkelblau) erwerben einen regulären universitären Masterabschluss. Für unsere anderen Angebote erhält man keinen akademischen Grad, sondern anerkannte Weiterbildungsabschlüsse, wie das „Diploma of Advanced Studies“ (dunkelgrün) oder das „Certificate of Advanced Studies“ (hellgrün). Diese in der Schweiz eingeführten Weiterbildungsabschlüsse bieten wir in Kooperation mit der Swissuni an.

Grafik_Baukasten

Woher kommen die Inhalte für die Weiterbildungsangebote und wer unterrichtet die Teilnehmer?
Die Ziele und das Konzept der Angebote kommen von der jeweiligen wissenschaftlichen Leitung oder einem Team an einer Fakultät. Um ein Zertifikat der Uni Freiburg vergeben zu können, müssen außerdem mind. 50% der inhaltlichen Beiträge bzw. der Dozierenden aus der Uni kommen. Für spezielle Themen oder Praxisbeispiele werden aber auch externe Dozentinnen und Dozenten hinzugeholt, die Teile von Studienbriefen schreiben oder Präsenzphasen mitgestalten. Einige Module bieten wir in Kooperation mit der Hochschule Furtwangen oder den Freiburger Fraunhofer Instituten an.

Setzen diese Angebote auch auf Online-Lernen, wie es bei den MasterOnline Studiengängen der Fall ist?
80-90% der Angebote arbeiten mit Blended Learning, also einer Kombination aus Online-Lernen und wenigen Präsenzterminen. Es gibt aber auch Ausnahmen, die ausschließlich Online stattfinden oder die in Präsenz vor Ort stattfinden.

Wie entstehen neue Weiterbildungsangebote?
Ziel des Projekts „Freiräume für wissenschaftliche Weiterbildung“ ist, dass wir Themen aus dem Masterangebot der Universität nehmen und auf neue Zielgruppen anpassen, wie z.B. Personen, die nach der Elternzeit wieder in den Arbeitsmarkt zurückkehren möchten, die den Quereinstieg planen oder einen ausländischen akademischen Abschluss haben. Um bei Bedarf diesen Zielgruppen den Einstieg zu erleichtern, bieten wir zur Vorbereitung Brückenkurse an. Das Ziel des MWK-geförderten Projekts „Denkanstoß – Weiterbildung modular“ im Verbund mit der Hochschule Furtwangen ist es, zum Thema „Interdisziplinäre Gesundheitsförderung“ von einzelnen Modulen schrittweise zum Master zu führen und auch ein „Medizinisches Online Propädeutikum“ für Nicht-Mediziner zu entwickeln. Wir ebnen die Wege, helfen bei der Formulierung von Förderanträgen und bieten Handreichungen und Beratung, aber die Initiative für neue Angebote muss von den Fächern und Forschungsbereichen selbst kommen. Wir freuen uns immer über neue Themen! Melden Sie sich, wenn Sie einen wissenschaftlichen Weiterbildungsbedarf erkennen und ein praxis- und berufsrelevantes Spezialgebiet haben, das Sie mit uns und auch mithilfe der Abteilung Hochschuldidaktik und der Servicestelle E-Learning in einen Weiterbildungskurs übersetzen möchten!

Mehr Informationen zum Weiterbildungsangebot: http://www.offenehochschule.uni-freiburg.de/ und http://www.weiterbildung.uni-freiburg.de

Alle bisherigen Beiträge der Reihe “MasterOnline” ansehen

Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0
Thema: News & Ausschreibungen

Diesen Beitrag kommentieren.

Ein Kommentar

  1. […] …Studiengängen der Fall ist? 80-90% der Angebote arbeiten mit Blended Learning, also einer Kombination aus Online-Lernen und wenigen Präsenzterminen. Es gibt aber auch Ausnahmen, die ausschließlich Online… Originalartikel lesen […]

Kommentar abgeben