Endlich: Es gibt die QoLe für die Verbesserung des Lehramtsstudiums

Dienstag, 29. Juli 2014 | Autor/in:

Eigentlich hätte sie bereits im Herbst 2013 – also vor einem Jahr – veröffentlicht werden sollen, die Ausschreibung zur „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ (QoLe). Dieses Programm beruht auf einer gemeinsamen Vereinbarung von Bund und Ländern aus dem April 2013: Die Länder verpflichten sich in Zukunft die Lehramtsabschlüsse der anderen Bundesländer voll anzuerkennen und im Gegenzug macht der Bund über zehn Jahre 500 Mio. Euro locker, damit die Hochschulen die (Aus-)Bildung von angehenden Lehrer/innen qualitativ verbessern.

Nun ist es ein Jahr später, aber immerhin ist die Förderbekanntmachung jetzt da und alle lehramtsführenden Hochschulen können bis zum 12. November 2014 ihre Anträge einreichen.
[EDIT #1: Die Förderbekanntmachung ist über den Bundesanzeiger unter dem Suchbegriff „Qualitätsoffensive“ zu finden. Es existiert offenbar kein Permalink dorthin]
[EDIT #2: Da die Anträge über das Landesministerium eingereicht werden müssen, ist die faktische Einreichungsfrist in BaWü der 15. Oktober, also recht bald]

Effekt des Föderalismus: Wettbewerb UND Proporz

BMBF_QoLeDer Bewerbungsprozess ist dabei recht gewöhnungsbedürftig, denn der Föderalismus hat zweifelsohne seine guten Seiten, bei solchen Bund-Länder-Programmen führt er allerdings zu recht skurrilen Konstruktionen: So ist die Qualitätsoffensive Lehrerbildung grundsätzlich wettbewerblich orientiert. Das bedeutet, dass die Hochschulen entweder einzeln oder im Verbund Anträge im Rahmen des Förderprogramms stellen können, die dann von einer Expertenkommission bewilligt oder abgelehnt werden. Um wie viel Geld sich jede Hochschule bewerben darf, ist nicht geregelt. Wohl aber steht in der Bund-Länder-Vereinbarung aus dem April 2013, welcher Anteil der Gesamtsumme nach einem komplexen Schlüssel welchem Bundesland zusteht. Schöpft ein Bundesland die Mittel nicht aus, können anderen Länder profitieren, gibt es in einem Bundesland aber zu hohen Bedarf, besteht die Gefahr, dass einige Anträge aus diesem Grund – und nicht aus sachlichen Erwägungen – nicht berücksichtigt werden könnten. Interessanterweise hat es diese Regelung nicht in die Förderbekanntmachung geschafft, ob sie dennoch gilt? Vielleicht finden wir es ja noch raus…

Es handelt sich ohnehin nur begrenzt um einen echten Wettbewerb, weil potentiell alle Bewerber/innen gewinnen können. Denn die Ausschreibung kann so interpretiert werden, dass es in erster Linie gerade nicht darum geht, noch nie da gewesene, innovative Projekte zu fördern. Die Förderwürdigkeit wird im Gegenteil dadurch bestimmt, ob das Konzept für die jeweilige Hochschule bzw. den beantragenden Hochschulverbund plausibel erscheint und gegenüber der Ausgangslage eine klare Verbesserung erwarten lässt – keine vereinzelten Leuchttürme also, sondern eine möglichst gut ausgeleuchtete Lehrerbildungslandschaft bundesweit.

Gleiche Ziele bei ungleichen Voraussetzungen

Vor dem Hintergrund der sehr unterschiedlichen Voraussetzung im Bereich des Lehramts ist so eine individuell ausgerichtete Fördermaßnahme kaum verkehrt: Baden-Württemberg mit den in der Lehrerbildung sehr starken Pädagogischen Hochschulen (die in anderen Bundesländern schon seit Jahrzehnten wieder eingestampft wurden) besitzt ganz andere Entwicklungsmöglichkeiten und Handlungsbedarfe als andere Bundesländer. Für alle scheint es aber augenfällig, dass die Lehramtsausbildung verbesserungswürdig ist – warum sollte man sonst ein halbe Milliarde in einen ganz spezifischen Zweig der Hochschulausbildung stecken? Woran dies genau liegen könnte, darüber müssen sich nun alle Hochschulen Gedanken machen, denn eine datengestützte und evidenzbasierte Stärken-Schwächen-Analyse der aktuellen Lehrerbildung ist Voraussetzung für eine Antragstellung. Aus dieser Analyse sollen dann solche Maßnahmen abgeleitet werden, die die erkannten Defizite wirksam beheben.

In welchem Spektrum diese auszugleichenden Defizite zu suchen sind, darauf gibt das Programm mit seinen Kernzielen bereits selbst eine Antwort. Diese sind – neben der gegenseitigen Anerkennung der Studienleistungen und Abschlüsse durch die Länder:

  • die Profilierung und Optimierung der Strukturen der Lehrerbildung an den Hochschulen,
  • die Qualitätsverbesserung des Praxisbezugs in der Lehrerbildung,
  • die Verbesserung der professionsbezogenen Beratung und Begleitung der Studierenden in der Lehrerbildung,
  • die Fortentwicklung der Lehrerbildung in Bezug auf die Anforderungen der Heterogenität und Inklusion sowie
  • die Fortentwicklung der Fachlichkeit, Didaktik und Bildungswissenschaften.
 Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann

Wie an vielen, vielen anderen Hochschulen, die seit langem auf die Ausschreibung warten, geht nun auch bei uns die Arbeit so richtig los. Bereits entwickelte Konzepte und zahlreiche Vorarbeiten gilt es nun abschließend zu diskutieren und dann in eine Antragsform zu gießen. Dass diese Phase in die Sommerpause fällt, wird den wenigsten wirklich gefallen, zu viele Menschen sind erfahrungsgemäß an solchen Anträgen beteiligt und die ohnehin schwierige Abstimmung in großen Gruppen wird durch die Ferienzeit nicht gerade vereinfacht. Aber es wird schon gehen. Schließlich ist das Lehramt bereits jetzt ein sehr zentrales Element vieler Fächer der Universität Freiburg und der PH ja sowieso. Und zu verbessern gibt es fraglos auch einiges. Und so werden die möglichen Millionen aus der Qualitätsoffensive zu einem Angebot, das man nicht ablehnen kann.

Hoffen wir also, dass unser Konzept einer Kooperation mit der PH im Bereich des Lehramts die Jury überzeugen wird und wir die auf Landesebene angestrebte Umstellung des Lehramts auf Bachelor/Master durch Mittel aus der Qualitätsoffensive des Bundes unterfüttern und damit die Chance einer echten, qualitativen Studienreform nutzen können.

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Thema: News & Ausschreibungen

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