Im Praxistest: Helfen Tutorate mit Lösungsbeispielen gegen studentische Aufschieberitis?

Montag, 23. Juni 2014 | Autor/in:

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Tutorate als Lehrveranstaltungen von Studierenden für Studierende sind aus der akademischen Lehre kaum wegzudenken. Hannah Köpper ist langjährige Tutorin in Statistikvorlesungen und hat ein Tutoratsformat für uns getestet, das im Rahmen eines IDA-Projekts entwickelt wurde.

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„Da gibt es keine Anwesenheitspflicht“, „das fällt nicht auf, wenn ich nicht da bin“ oder „das arbeite ich irgendwann schon noch nach“ – sind Tutorate freiwillige Veranstaltungen, die Anwesenheit wird nicht regelmäßig kontrolliert oder ist nur für einzelne Sitzungen oder Referate erforderlich, dann zeigt sich schnell: Nur wenige TeilnehmerInnen sind motiviert, konsequent an den Sitzungen teilzunehmen. Erst wenn die Klausur oder Prüfung näher rückt, steigt mit der nahenden „Bedrohung“ die Teilnehmerzahl im Tutorat. Meistens in der letzten Sitzung vor dem Termin. Der nachzuholende Stoff ist dann aber schon zu einem schier unbewältigbaren Berg aufgetürmt. Trotzdem wird so lange aufgeschoben, bis es nicht mehr geht. Das hat verständlicherweise negative Auswirkungen auf das Lernen, die Noten ,aber auch auf das individuelle Wohlbefinden. Darauf verweist auch das IDA-Projekt Blackbox Selbststudium.

Die Prokrastination des/der Einzelnen hat dann nicht nur individuelle Folgen, sondern bedeuten auch für den Tutor/die Tutorin eine Herausforderung. Dieser/diese steht in solchen Fällen vielen Fragen gegenüber, die eigentlich in den ersten Sitzungen hätten beantwortet werden können – wäre der/die TeilnehmerIn in den Sitzungen erschienen. Es fehlt schlicht die Zeit, innerhalb einer einzelnen Sitzung den Stoff des gesamten Semesters noch einmal zu wiederholen. 

Hilfestellungen für die TeilnehmerInnen können regelmäßige Aufgaben, Skripte oder Zusatztreffen für Last-Minute-Fragen sein. Gegen Prokrastination hilft Motivation. Für den Lernerfolg positiv gestaltete Sitzungen, die motivieren und bestätigen, statt die Lust am Thema zu nehmen, unterstützen dabei, dran zu bleiben und sich regelmäßig mit dem Stoff zu beschäftigen, statt ihn aufzuschieben. Einer der Blogbeiträge zum genannten IDA-Projekt verweist dabei beispielsweise auf eine interessante und erfolgreiche Strategie. So hat sich gezeigt, dass die TeilnehmerInnen von Tutoraten, in denen mithilfe von Lösungsbeispielen gelernt wurde, regelmäßiger und motivierter teilnahmen und so erfolgreicher lernten. Diese Strategie hat sich auch für meine Tutorate bestätigt. Die Rückmeldung und das Lernergebnis in Veranstaltungen, in denen ich mit Lösungsbeispielen und Skripten gearbeitet habe, waren durchweg positiv. Die TeilnehmerInnen konnten sich dann bei einer neuen Aufgabe, die nach dem gleichen Prinzip zu lösen war, an einem zuvor erklärten Beispiel orientieren und die einzelnen Schritte an einem Skript nachvollziehen. Während der Bearbeitung konnten Fragen gestellt werden und es war möglich bei einzelnen Problemen zu helfen. Dadurch war auch genug Zeit sich mit dem Stoff auseinanderzusetzen und den Gedankengang hinter der Lösung und Aufgabe zu verstehen. Die TeilnehmerInnen waren motivierter, aufmerksamer und regelmäßiger anwesend. Der Einsatz von Lösungsbeispielen hat ein nachhaltigeres Lernen unterstützt.

Für Tutorate, in denen gerade komplexe Zusammenhänge und Aufgaben Gegenstand der Sitzungen sind, bietet die Arbeit mit Beispielen daher eine gute Möglichkeit für ein problem- und beispielorientiertes Arbeiten, das für mehr „Durchblick“ sorgt.

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