Auftaktveranstaltung Freiburg Legal Clinics

Mittwoch, 25. Juni 2014 | Autor/in:

Mit einer rundum gelungenen Auftaktveranstaltung am 5. Juni 2014 öffnete die neue studentische Rechtsberatung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg offiziell ihre Tore. Begleitend zu der klassischen universitären Ausbildung in der Rechtswissenschaft eröffnen die Freiburg Legal Clinics, ins Leben gerufen von Herrn Prof. Dr. Boris P. Paal, M.Jur. (Oxford), Studiendekan und einer der beiden Direktoren des Instituts für Medien- und Informationsrecht, nunmehr die Möglichkeit für Studierende, ihr theoretisches Studium mit Praxiserfahrung zu ergänzen.

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Vor dem mit interessierten Studierenden reichlich gefüllten Hörsaal stellte zunächst Herr Prof. Paal mit großer persönlicher Begeisterung das Konzept der Legal Clinics vor. Inspiriert von der US-amerikanischen Rechtsausbildung und ermöglicht durch die Novellierung des Rechtsdienstleistungsgesetzes, trägt nunmehr die Freiburger Juristische Fakultät die Empfehlung des Wissenschaftsrats und den Wunsch der Studierenden nach verstärktem Praxisbezug im Jurastudium gezielt Rechnung. Das mit dem Instructional Development Award ausgezeichnete Projekt ist strukturell unterteilt in die Ausbildung durch die juristische Fakultät und die Rechtsberatung im Rahmen des Vereins Pro Bono Studentische Rechtsberatung Freiburg e.V. Zwei zentrale Aspekte wurden im Laufe des Vortrags hervorgehoben und verdeutlicht: Zum einen fügt sich die Ausbildung in das reguläre Studium ein und stellt somit eine für die Studierenden gut zu bewältigende Zusatzbelastung dar. Weiterhin überwiegen die bei der tatsächlichen Rechtsberatung gesammelten Erfahrungen und deren Wertschöpfung für die juristische Erfahrung den hierfür erforderlichen Arbeitsaufwand deutlich. Doch nicht nur die Vorteile für Studierende, sondern auch die erheblichen karitativen Wirkungen der unentgeltlichen Rechtsberatung treten ebenso klar hervor wie die positive Wirkung verstärkter Vernetzung von Universität und Anwaltschaft mit den Bürgern. 

legalclinics2Anschließend übernahm Herr Dr. Michael Krenzler, Präsident der Rechtsanwaltskammer Freiburg und Vizepräsident der Bundesrechtsanwaltskammer, das Rednerpult. Er ermutigte die Studierenden, den Schritt zur Rechtsberatung zu wagen und sprach von der besonderen Relevanz des „Anwaltsbezugs“ des Studiums, die sich unter anderem anhand der Tatsache verdeutlichen lasse, dass durchschnittlich 80 Prozent der Jurastudierenden nach Abschluss ihres Studiums den Anwaltsberuf ergreifen werden. Ein Anwalt jedoch gewinne einen Fall vielfach nicht im Rechtlichen, sondern gerade im Tatsächlichen. Ausschlaggebend sei folglich, den Sachverhalt durch gezielte Fragen ermitteln. Diese essentielle Kompetenz werde im Rahmen des regulären Studiums nur bedingt vermittelt, da den Studierenden stets ein fertiger Sachverhalt vorgegeben wird – und sei damit ein wichtiger positiver Lernaspekt der studentischen Rechtsberatung.

legalclinics3Frau Dr. Barbara Mayer von der Kanzlei Friedrich Graf von Westphalen und Partner sorgte mit ihrer humorvollen Kritik an der Begrifflichkeit Legal Clinics für Erheiterung – die Juristerei sei doch schließlich „keine chronische Krankheit“. Sie begrüßte ebenso die Entwicklung hin zu verstärktem Praxisbezug und betonte die Komplexität der „Minifälle“, mit denen sich die engagierten Studierenden zukünftig befassen werden – diese seien zwar weniger lukrativ als Fälle mit hohem Streitwert und daher für Anwälte vielfach nicht kostendeckend bearbeitbar, häufig aber hinsichtlich der rechtlichen Problematik mit den „großen“ Fällen durchaus auf eine Ebene zu stellen.

 

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Thema: IDA-Projekte, News & Ausschreibungen

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