Tutorate im Fokus – Der Tutor als Ansprechpartner

Mittwoch, 16. April 2014 | Autor/in:

Banner_Tutorate

Tutorate als Lehrveranstaltungen von Studierenden für Studierende sind aus der akademischen Lehre kaum wegzudenken. Hannah Köpper ist langjährige Tutorin in Statistikvorlesungen und gewährt uns Einblicke in ihre Erfahrungen mit dieser besonderen Lehrform und der Rolle des Tutors.

Tutor – das Wort kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und bezeichnete diejenigen, die als Vormund und Beschützer von Personen auftraten, welche als handlungsunfähig definiert worden waren. Von dieser Bedeutung sind Tutorinnen und Tutoren heute weit entfernt. Sie übernehmen die Aufgabe, für andere Studierende BegleiterInnen im Lernprozess und AnsprechpartnerInnen zu sein.

In den Tutoraten „stehen nicht Leistung und Benotung im Vordergrund, sondern das gemeinsame Üben und Erlernen von wissenschaftlichem Arbeiten ausgehend von dem jeweiligen Wissensstand der Studierenden“.1

So beschreibt die Arbeitsgruppe „Qualitätssicherung Tutorate“ des Historischen Seminars und Seminars für Alte Geschichte die Veranstaltungen.

Tutorate sind Zusatzveranstaltungen zu Vorlesungen im Grundstudium und bieten die Möglichkeit die Themen und Texte der Vorlesungen zu diskutieren, zu üben und zu vertiefen. Meist sind TutorInnen selbst noch Studierende und arbeiten als studentische Hilfskräfte an der Universität. Ich habe in meinem dritten Fachsemester das erste Tutorat übernommen. Bei meiner ersten Sitzung hatte ich unglaubliches Lampenfieber. Das habe ich aber immer noch bei jeder ersten Sitzung eines neuen Tutorats – wenn auch nicht mehr so sehr – und schätze das persönlich als positiv und dazugehörig ein, da es wichtig ist, sich auf die von Semester zu Semester wechselnden TeilnehmerInnen einzulassen, auf ihre Erfahrungen, Fragen, Diskussionen und Meinungen. Ein Tutorat zu übernehmen, bedeutet für mich nicht, nur für zwei Stunden pro Woche in der Sitzung für die TeilnehmerInnen präsent zu sein, den Stoff ohne Kompromisse „herunterzurattern“ und nebenbei vielleicht noch zwei bis drei Stunden in der Woche für die Vor- und Nachbereitung aufzuwenden. Als Tutorin ist es mir wichtig, auch außerhalb der regelmäßigen Zeiten Ansprechpartnerin zu sein und im Austausch mit den TeilnehmerInnen aber auch den DozentInnen zu stehen – für tutoratsbezogene Fragestellungen und Probleme aber auch bei anderen Fragen, bei denen ich mit meiner Erfahrung helfen kann, da der Tutor/die Tutorin meist die erste Ansprechperson für die TeilnehmerInnen ist. Aus diesem Grund bin ich mir auch der großen Verantwortung bewusst, die ich mit einem Tutorat übernehme. Ein Tutorat endet für mich persönlich nicht mit der Vorlesungszeit, sondern geht auch darüber hinaus, wenn beispielsweise für Nachholklausuren gelernt wird oder themenbezogene Fragestellungen auch mehrere Semester später auftauchen.

Wichtig ist es aber diese Verantwortung auch mit Flexibilität zu verbinden. Jede Gruppe ist anders, jeder Teilnehmer/jede Teilnehmerin verdient es, dass ich als Tutorin individuell auf ihre Fragen und Probleme eingehe. Ein Tutor/eine Tutorin sollte sich bemühen, dass Jede und Jeder den Stoff versteht, in die Thematik einsteigen kann und die Prüfungen oder Hausarbeiten mit einem guten Gefühl schreibt. Und das auf einer Ebene, die Spaß machen und Interesse am Thema und Diskussionen wecken soll. Jedes Tutorat sollte so gestalten werden, dass die TeilnehmerInnen – aber auch ich als Tutorin – gerne kommen und die Sitzung nicht zur lästigen, abzusitzenden Zusatzveranstaltung verkommt. Tutorate sind meiner Erfahrung nach nichts Einseitiges, keine Veranstaltungen aus denen nur die TeilnehmerInnen etwas mitnehmen – oder im schlimmsten Fall Nichts –, sondern ein Austausch, eine gegenseitige Erfahrung, von der ein Tutor/eine Tutorin mindestens genauso profitieren kann. Ein Tutorat bietet für Tutoren und Teilnehmende die Möglichkeit sich neuen Herausforderungen zu stellen, thematisch tiefer einzutauchen und neue Blickwinkel und Ansichten zu erfahren.

Arbeitsgruppe „Qualitätssicherung Tutorate“ Historisches Seminar und Seminar für Alte Geschichte Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (o.D.): ProTutorat. Qualitätssicherung der Tutorate im Fach Geschichte. Ein Booklet für Dozierende und TutorInnen, S.16, o.O.

Tags » «

Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0
Thema: News & Ausschreibungen

Diesen Beitrag kommentieren.

Kommentar abgeben