Blackbox Selbststudium: Setzen geeigneter Lernziele

Mittwoch, 23. April 2014 | Autor/in: , und 

Beitragsreihe_Selbststudium

Irrationale Prokrastination (d.h. das Aufschieben von wichtigen Aufgaben) im universitären Kontext wirkt sich häufig negativ auf den Lernprozess, den Lernerfolg und das Wohlbefinden aus. Im Projekt Blackbox Selbststudium konnten wir dynamische Zusammenhänge zwischen Prokrastination, Misserfolgserleben und geringer Kompetenzwahrnehmung aufdecken (Wäschle, Allgaier, Lachner, Fink, & Nückles, 2014). Im Projekt „’Morgen, morgen, nur nicht heute…!‘ Konstruktive Modulgestaltung als Mittel zur Verminderung von Prokrastinationsverhalten und Prüfungsstress“ (IDA 2012) war es unser Ziel, leicht umsetzbare Interventionsmöglichkeiten abzuleiten und zu evaluieren. Dabei wurden sowohl Interventionen beleuchtet, die bei den Lernenden ansetzen als auch solche, die Veränderungen in der Lehre beinhalteten. In dieser Beitragsreihe stellen wir die verschiedenen Möglichkeiten überblicksartig dar.

Sogenannte metakognitive Lernstrategien erlauben es Studierenden, ihren eigenen Lernprozess zu planen, zu überwachen und zu bewerten. So lassen sich Konsequenzen ableiten, die zu Verminderung unerwünschten Verhaltens und zur Festigung lernförderlichen Verhaltens führen. (Für mehr Informationen siehe auch unseren früheren Blogbeitrag). Eine zentrale metakognitive Lernstrategie ist das Setzen sinnvoller und konkreter Lernziele (Zimmerman, 2002).
Lernziele beschreiben die gewünschten Ergebnisse eines Lernprozesses vor dem Lernprozess. Im Lernprozess selbst übernehmen sie dann ganz unterschiedliche Funktionen: Sie motivieren, sie dienen als Wegweiser für die Planung des Lernprozesses einschließlich der Auswahl passender Lernstrategien und sie sind der Maßstab für die Bewertung, inwiefern man erfolgreich war. Aus diesen Überlegungen ergeben sich verschiedene Anforderungen an ein gutes Lernziel (Locke & Latham, 2002):

  • Ein Lernziel sollte die Relevanz des Gelernten verdeutlichen.
  • Ein Lernziel sollte herausfordernd aber erreichbar sein.
  • Ein Grobziel (z.B. Erfolgreiches Bestehen der Klausur am Semesterende) sollte in proximale (zeitnah zu erreichende) Teilziele zerlegt werden.
  • Ein Lernziel ist spezifisch (konkret, eindeutig und überprüfbar). Als Formulierungshilfe lässt sich folgende Tabelle verwenden:

Lernziele

Welche Effekte hat das Setzen von Lernzielen auf die Prokrastination? In unserem ersten IDA-Projekt zeigte sich, dass Studierende, die sich persönlich bedeutsame (relevante) und spezifische Lernziele setzten, insgesamt mehr Lernstrategien einsetzten, erfolgreicher waren und in Folge dessen weniger prokrastinierten (Wäschle et al., 2014). Aus diesem Grund wurden im zweiten Projekt Studierende gezielt darin geschult, sich geeignete Lernziele zu setzen und dazu passende Lernstrategien auszuwählen, mit denen diese Ziele erreicht werden können. Im Vergleich mit Studierenden, die nicht geschult wurden, prokrastinierten die in der Zielsetzung geschulten Studierenden deutlich weniger.
Eine Möglichkeit für Dozierende, diese Erkenntnisse in der Lehre zu berücksichtigen, ist der Moment (am Anfang des Semesters oder auch am Anfang jeder Sitzung), in dem den Studierenden die geplanten Lehrziele einer Veranstaltung präsentiert werden. An dieser Stelle ist es sinnvoll, den Studierenden zu verdeutlichen, wie aus den groben Lehrzielen spezifische, motivierende Lernziele gemacht werden können. Die schlussendliche Umsetzung sollte dann selbstreguliert erfolgen, da für Studierende individuell unterschiedliche Ziele als persönlich bedeutsam wahrgenommen werden und verschiedene Schwierigkeitsstufen empfehlenswert sind.

In weiteren Artikeln dieser Beitragsreihe werden wir folgende Aspekte betrachten:

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Thema: IDA-Projekte

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