Instructional Development Award Preisträger Prof. Dr. Stefan Rotter

Mittwoch, 5. März 2014 | Autor/in: und 

IDA-Preis_JK_kleinEin neuer interdisziplinärer Ausbildungspfad für die Neurowissenschaften innerhalb des Biologiestudiums – für diese Idee erhielten Dr. Janina Kirsch und Prof. Dr. Stefan Rotter den Instructional Development Award.

Vergangenen Mittwoch haben sie ihr Projekt beschrieben; jetzt erfahren wir mehr über die Hintergründe, Erfahrungen und die Preisträger selbst.

IDA-Projekt

Welche Rückmeldungen zum Projekt haben Sie bereits von Kollegen und Studierenden bekommen?
Studierende: “War extrem anstrengend, aber ich bin sehr froh, dass ich durchgehalten habe”, “Der Kurs hat mir total Spaß gemacht – kann ich bei Ihnen eine Master-Arbeit schreiben?”, Kollege: “Kannst Du mir nicht ein paar von Deinen Studenten schicken? Die haben’s drauf!”

Was hat Sie zu der Projektidee inspiriert?
Bei der Erforschung des Gehirns spielen quantitative Methoden und mathematische Modellierung naturgemäß eine besonders wichtige Rolle. In der Ausbildung der Biologie-Studenten kamen diese Aspekte allerdings bislang etwas zu kurz, so dass sachgerechte Datenanalyse und Computersimulation nicht unbedingt zum Repertoire unserer Neurobiologen gerechnet werden konnten. Moderne Hirnforschung setzt das aber zunehmend als selbstverständlich voraus – daher diese Initiative zusammen mit Frau Janina Kirsch. 

Was erhoffen Sie sich auf lange Sicht von Ihrem Projekt?
Eine Generation von Neurowissenschaftlern, die Mathematik und Computer als nützliches Werkzeug für ihre Forschung (und nicht als Folterinstrument) sehen und dieses auch in ihrer Arbeit einsetzen.

Woran merken Sie, dass sich durch das Projekt bereits etwas verändert hat?
Die Nachfrage nach Kursen, Praktika und Forschungsprojekten steigt langsam aber stetig an. Manchmal kommen Studierende sogar extra nach Freiburg, um die hier angebotene Ausbildung in den Neurowissenschaften mitzunehmen.

Persönliches

Warum setzen Sie sich für die Lehrentwicklung ein? 
Ich persönlich habe von meinen (guten) Lehrern an Schule und Universität sehr profitiert. Letztendlich haben sie mich motiviert, immer mehr wissen zu wollen und schließlich auch dazu gebracht Forscher zu werden. Heute finde ich es aufregend zu beobachten, wie meine Erklärungen ankommen, und welches Eigenleben sie in den kreativen Köpfen meiner Studenten entfalten.

Was mögen Sie an der Lehre?
Einige wichtige Aspekte meiner Forschung haben sich deswegen entwickelt, weil ich mich irgendwann für eine Vorlesung mit vermeintlich “ganz einfachen” Dingen beschäftigen musste. Inzwischen mag ich es sehr, einen Schritt zurückzutreten und das scheinbar Selbstverständliche zu sezieren oder sogar in Frage zu stellen. Lehre und Forschung kann ich gar nicht so richtig voneinander trennen – sie kommen ja aus demselben Hirn.

Was begeistert Sie an Ihrem Fachbereich?
Wir dürfen Forschung machen, die nicht an den traditionellen Grenzen der Disziplin stehen bleibt, oder sogar daran scheitert. Das bedeutet auch, dass die Fähigkeit zu kommunizieren plötzlich forschungsrelevant wird. Diese Kombination ist etwas ganz Besonderes.

Hochschullehre

Wodurch zeichnet sich für Sie gute Hochschullehre aus?
(1) Qualität, (2) Geduld, (3) Motivation. Als Student muss man sehr viel investieren, und wer investiert nicht am liebsten in Dinge, die ihren Wert lange behalten oder sogar steigern? Ich meine auch, dass Geduld (von Lehrern und Lernenden) ein wichtiger, aber von allen unterschätzter Faktor ist. Lernen ist nun mal ein ziemlich langsamer Prozess, ich selbst war immer einer der langsamsten im Begreifen. Und schließlich weiß jeder Fussballtrainer: Erfolg hat nur, wer jeden einzelnen Spieler im Team für die gemeinsame Sache begeistern kann.

Welche Herausforderungen sehen Sie in der Hochschullehre?
Neue Medien und Internet verändern die Art und Weise, wie mit Lehrmaterialien umgegangen wird, zum Guten und zum Schlechten. Das Lesen von Büchern ist ziemlich aus der Mode gekommen, Video-Aufzeichnungen sind dagegen der Renner. Darauf müssen wir uns einstellen und damit umgehen lernen.

Wie könnte die Lehrentwicklung an der Universität weiter vorangetrieben werden?
Die Fakultäten könnten und sollten mehr und besser zusammenarbeiten. Die Fächer, die sie vertreten, stellen ja meistens sehr sinnvolle Einheiten dar. Ich finde allerdings, wir sollten diese eher als Kreativbaukasten, und nicht als Betonstrukturen interpretieren – auch und gerade bei der Lehre.

Welche Idee für die Lehre hatten Sie, die Sie nie umsetzen konnten?
Ein didaktisch durchdachtes Lehrbuch zu schreiben, das einen in die Materie “hineinzieht”, und das Neurobio und Mathe sinnvoll zusammenbringt. Vielleicht aus Trotz, wo das Bücherlesen doch ganz aus der Mode gekommen ist…

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Thema: IDA-Projekte

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