Instructional Development Award Preisträger Schreurs-Morét, Hubert und Gebert – Teil 1

Montag, 13. Januar 2014 | Autor/in: , , und 

Vor Kurzem haben uns die IDA Preisträger Prof. Dr. Anna Schreurs-Morét, Prof. Dr. Hans W. Hubert und Prof. Dr. Bent Gebert einen ersten Einblick in ihr Projekt „Wissen im Prozess – Kollaborativ erstellte Online-Publikationen von Studierenden“ ermöglicht (Blogbeitrag). In einem zweiteiligen Interview lassen uns die Professoren jetzt an der Entstehung der Projektidee Anteil haben und erzählen von persönlichen Überzeugungen und Erfahrungen in der Lehre (Teil 2).

Was hat Sie zu der Projektidee inspiriert?

uni'lernen-2012_Mediae_WikiAnna Schreurs-Morét: Eigene erste Erfahrungen mit einem Wiki in einer Übung: Begeisterung über die hohe Motivation und die deutlich gesteigerten Leistungen, Verzweiflung über Manches, das dabei nicht so rund lief. Und dann – in einem Artikel im uni’lernen-Magazin (s. links) – der Hinweis auf Bent Gebert mit seinem ähnlichen, aber sehr viel avancierteren Projekt. Wir konnten uns zunächst über unsere Erfahrungen austauschen und gerieten dann schnell in das Fahrwasser der Antragstellung zu einem ausgeweiteten Projekt …

Bent Gebert: In Vorgesprächen stellten Anna Schreurs-Morét und ich fest, dass wir trotz unterschiedlicher Fachdisziplinen gemeinsame Ziele verfolgen: Wir suchten in kunstgeschichtlichen und literaturwissenschaftlichen Seminarveranstaltungen kooperatives Lernen, Forschen und Schreiben zu stimulieren, indem wir mit den Teilnehmern/innen Wiki-Artikel erarbeiteten und diskutierten. Wir hatten ähnliche Erfahrungen gesammelt und bemerkt, welche Leistungsanreize und Leistungssteigerungen diese Pilotveranstaltungen freisetzten. Ähnlich hatten wir aber auch die Herausforderungen erlebt, die mit den technischen Anforderungen der Wiki-Arbeit, der didaktischen Planung von forschenden Lernprozessen und natürlich der wissenschaftlichen Qualitätssicherung von kollaborativem Wissen verbunden sind. Der Erfolg der Probeversuche ermutigte uns, hier weiter zu gehen. Daraus erwuchs der Wunsch, ein gemeinsames Lehrmodell zu entwickeln, das über Fächergrenzen hinaus attraktiv ist, wenn prozessuale Wissenskonstruktionen gefragt sind! Als Hans Hubert vorschlug, dieses Modell in weiteren Lehrveranstaltungen zu erproben, war unser Trio perfekt!

Hans W. Hubert: Das Gespräch mit meinen Kollegen Schreurs-Morét und Gebert. Sie haben mich von den besonderen Möglichkeiten und Vorteilen eines Wikis „Kollaboratives Schreiben“ überzeugt. Vor allem fand ich faszinierend, dass die Studierenden dem Seminarthema viel besser folgen, über das gesamte Semester in das Seminar involviert bleiben und daher entsprechend engagierter sind. Das schlägt sich natürlich auch in besseren Leistungen nieder.

Welches Team steht hinter Ihnen?

Schreurs-Morét: Wir sind eine recht umfangreiche Arbeitsgruppe: 3 Projektleiter (Gebert, Hubert, Schreurs-Morét), 1 Mitarbeiterin vom Hochschulrechenzentrum (Barbara Müller), 2 Hiwis (Undine Remmes in Freiburg, Nico Kunkel in Konstanz), und dazu kommt die ausgezeichnete Unterstützung generell vom Freiburger HRZ, vor allem dort von Marko Glaubitz, und als Krönung engagierte und kluge Studierende, die das neue Angebot – mit allen Tücken der Experimentierphase – mit Enthusiasmus aufnehmen.

Woran merken Sie, dass sich durch das Projekt bereits etwas verändert hat?

Schreurs-Morét: An den Prüfungsleistungen nach dem ersten durchgeführten Seminar: die Leichtigkeit, mit der die Studierenden das Gelernte auf hohem theoretischen Niveau anwenden konnten und mit den kunstliterarischen Schlüsselbegriffen in einer Weise argumentierten, dass Leon Battista Alberti, Leonardo und Giorgio Vasari ihre Freude daran gehabt hätten, hat mich sehr beeindruckt.

Gebert: Viele Teilnehmer/innen waren bereit, freiwillig ein Mehrfaches des geforderten Artikelumfangs zu schreiben und erreichten wesentlich höhere qualitative Leistungen – Vergleichbares habe ich bei traditionelleren Lehr- und Prüfungsformen noch nicht erlebt.

Welche Rückmeldungen zum Projekt haben Sie bereits von Kollegen und Studierenden bekommen?

Gebert: Viele Studierende schätzen an der Lehrform, dass ihre Arbeit von allen Teilnehmern/innen aufmerksam verfolgt und gewürdigt wird – und dies dank Online-Öffentlichkeit auch über das Ende der Lehrveranstaltung hinaus. Aus verschiedenen Fachzusammenhängen haben uns Kollegen, die mit ähnlichen Seminarkonzepten experimentieren, auf unsere Erfahrungen angesprochen.

Was erhoffen Sie sich auf lange Sicht von Ihrem Projekt?

Hubert: Dass es sich bewährt und von Kollegen und anderen Fächern übernommen werden kann und dort erfolgreich zum Einsatz kommt.

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Thema: IDA-Projekte

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