„Faszination Wissenschaft“ – Forschungsdesign und Forschungspolitik für Bachelorstudierende

Montag, 14. Oktober 2013 | Autor/in:

Ist ein Bachelor-Studium überhaupt eine wissenschaftliche Ausbildung? Wie kann man bei dem Vorwurf der Verschulung der Studiengänge Studierenden selbstständiges Lernen ermöglichen? Und wie soll man bei der Überreglementierung vieler Studiengänge die allerorts geforderte Inter- und Transdisziplinarität erreichen? Mit dem Projekt „Faszination Wissenschaft“ gibt es neben dem IndiTrack ein weiteres Angebot des University College Freiburg, das Möglichkeiten auslotet, diese Probleme zu lösen.

Felix Günther vom Uni-Radio echoFM hat Werner Schäfke gefragt, was es mit „Faszination Wissenschaft“ auf sich hat:

Im vergangenen Semester fand das Pilotseminar des neuen Moduls „Faszination Wissenschaft“ des University College Freiburg statt. In den Projektseminaren dieses Moduls entwickeln Studierende verschiedener Fächer in Kleingruppen gemeinsam disziplinenübergreifende Forschungsprojekte und erhalten einen Überblick über die Förderlandschaft und die Wissenschaftspolitik in Deutschland sowie auch in der EU. Da Praxisnähe ein großes Anliegen von „Faszination Wissenschaft“ ist, setzen die Studierenden ihr neu erworbenes Wissen in wissenschaftlichem Projektdesign und Forschungsförderung ein, um für ihre selbst konzipierten Forschungsprojekte Beschreibungen in Form von Drittmittelanträgen zu formulieren.

Das Modul richtet sich an Bachelorstudierende aller Studiengänge ab einschließlich dem 3. Fachsemester und bringt somit Studierende schon im Grundstudium in Kontakt mit der praktischen Arbeit als WissenschaftlerIn oder WissenschaftsmanagerIn. Das Ziel ist es nicht nur, Studierenden dieses spannende Berufsfeld möglichst früh aufzuzeigen; gleichzeitig sollen Studierende an dem Punkt im Studium, an dem sie beginnen, sich mit ihrer Disziplin zu identifizieren, für die Arbeit über Fächergrenzen hinweg begeistert werden.

Disziplinenübergreifend studieren
Die Themen der einzelnen Seminare umfassen möglichst breit angelegte Themenfelder von gesellschaftlicher Relevanz. In Wintersemester 2013/14 sind dies „Landschaft und Lebensqualität“ (angeboten von Dr. Claudia Bieling, Lehrstuhl für Landespflege), „Verwandtschaft, Abstammung, Familie“ (Marco Tomaszewski, M. A., Historisches Seminar) sowie „Leistungskultur“ (Dr. Ulrike Pirker, Englisches Seminar). Die vergangene Pilotveranstaltung hatte „Krankheit und Gesundheit“ zum Thema.

Der disziplinenübergreifende Charakter der Fragestellung fand ihren Niederschlag in den Projekten, die die Teilnehmenden des vergangenen Semesters entwickelten. Germanistische, soziologische und sportwissenschaftliche Erkenntnisinteressen und Analyse-Methoden wurden kombiniert in Projektdesigns zu „Burnout-Erkrankung bei Studierenden an deutschen Hochschulen als Ausbruch aus medial transportierten Rollenerwartungen“, „Fremd- und Selbstzuweisung von Krankheit in Arbeit und Beruf“ und „Gesundheitsbewusstsein an der Uni Freiburg„.

Folie 1 Folie 1 Poster Gruppe 1

 

 

 

 

 

 

 

 

Selbstständig Forschen lernen
Die Teilnehmenden wurden der Lehrstrategie des Forschenden Lernens folgend „ins kalte Wasser gestoßen“ und entwickelten begleitet von wöchentlichen Sprechstunden ihre Forschungsfragen nicht nur eigenständig, sondern waren auch bei der Wahl passender Methoden auf ihr eigenes, in den jeweiligen Kleingruppen vertretenes Fachwissen angewiesen.

Die Strategie des Forschenden Lernens zielt darauf ab, die von den Studierenden zuvor im Studium im Rahmen von Einführungskursen erlernten methodischen Grundlagen in einen Zusammenhang zu authentischen wissen-
schaftlichen Problemen zu bringen, was dem Erlernten größere Sinnhaftigkeit verleihen soll. Damit wird das Problem angegangen, dass wissenschaftliche Methoden und die dazugehörigen Erkenntnisinteressen eines Fachs in den disziplinären Curricula zuweilen voneinander getrennt werden und Sinn und Bedeutung der zu erlernenden Methoden den Studierenden zunächst also unklar sind.

In den kommenden Semestern wird es weitere Ausschreibungen des UCF geben, um Lehrende der Universität Freiburg als Teaching Fellows zu gewinnen, um Projektseminare in diesem Modul anzubieten. Im Rahmen der Förderung durch den Innovations- und Qualitätsfonds des Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, sind diese Fellowships mit 3.000 € dotiert, die in Form von Drittmitteln vergeben werden.

Doch die Vergabe dieser Fellowships dient nicht nur dazu, Lehrende für das Projekt „Faszination Wissenschaft“ zu gewinnen, sondern auch der Stärkung der bereits an den Fakultäten bestehenden Bestreben, Lehre stärker forschungsorientiert zu gestalten.

Gerade in Bezug auf die Frage des (über)betreuten Lernens bieten Lehrformen wie die Projektseminare von „Faszination Wissenschaft“ meiner Meinung nach eine Möglichkeit, Studierenden eine Gelegenheit zu selbstständigem wissenschaftlichen Arbeiten zu geben unter der Maxime „so wenig Steuerung wie möglich, aber so viel Hilfe wie nötig“.

Verwenden Sie in Ihrem Fach vergleichbare Lehrformen? Meinen Sie, dass diese Form des Unterrichts geeignet ist, um bei der Lösung der angesprochenen Probleme zu helfen? Oder sehen Sie vielleicht konkrete Hindernisse, in ihren Disziplinen vergleichbare Wege zu gehen?

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Thema: IndiTrack, News & Ausschreibungen

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