IndiTrack Projekt: Interdisziplinarität in Beruf und Institution

Donnerstag, 12. September 2013 | Autor/in: , und 

Kategorie_IndiTrack2Im Sommersemester beschäftigten sich die IndiTracker – Studierende des interdisziplinären Studienjahres – nicht nur theoretisch mit unterschiedlichen Disziplinen, sondern haben zudem interdisziplinäre Projekte konzipiert und durchgeführt. Dabei sollten sie wissenschaftliche Inhalte für ausgewählte Zielgruppen aufbereiten und Interdisziplinarität erfahrbar machen. Die hier vorgestellten Projektideen und -ergebnisse möchten Anregungen für die Beschäftigung mit Interdisziplinarität in der Lehre geben.

oeko-institut1Im Rahmen der begleitenden Veranstaltung „Präsentation und Reflektion“ des Interdisciplinary Track („IndiTrack“) besuchte ein IndiTrack-Team aus Studierenden und Koordinatoren das Öko-Institut im Freiburger Stadtteil Vauban. Ziel der Exkursion war es, die theoretische Arbeit zum Thema Interdisziplinarität durch praktische Bezüge zu erweitern. Durch Besuchen einer interdisziplinär arbeitenden Institution sollte die Relevanz von Interdisziplinarität in der Arbeitswelt erfahrbar gemacht werden. Das Öko-Institut Freiburg entstand aus der Anti-Atom-Bewegung und ist mittlerweile über 30 Jahre alt. Neben Freiburg gibt es Standorte in Berlin und Darmstadt. In den verschiedenen Instituten werden Themen wie die Gefahr von Nukleartechnik, Klima, Konsumentenverhalten, Energiekonzepte oder Umweltrecht behandelt. Von den 140 Mitarbeitern sind ca. 100 Wissenschaftler. 40 Mitarbeiter arbeiten in Freiburg und setzen sich aus verschiedensten Disziplinbereichen, wie Ingenieurswesen, Chemie, Biologie, Jura, Soziologie und Politikwissenschaft zusammen. Charakteristisch sind die projektbezogene und interdisziplinäre Arbeitsweise und die große Vielfalt an Auftraggebern. Hierzu zählen neben dem Bundesumweltamt und EU-Arbeitsgruppen auch verschiedene Firmen und NGOs.

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Prof. Dr. Dirk Bunke

Prof. Dr. Dirk Bunke (Forschungsschwerpunkt: Chemikalien) und Dr. Corinna Fischer (Forschungsschwerpunkt: Nachhaltiger Konsum und Produkte) erklärten sich freundlicherweise bereit, mit uns über die Arbeit am Öko-Institut und ihre Erfahrungen mit dem Thema Interdisziplinarität im Arbeitsalltag zu sprechen. Unser zentrales Anliegen war es zu erfahren, welche Rolle Interdisziplinarität bei der Zusammenarbeit am Öko-Institut tatsächlich spielt und wie genau diese abläuft.

 

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Dr. Corinna Fischer

Corinna Fischer beschrieb die Kommunikation über die Disziplinen hinweg als weniger kompliziert, wie man vermuten würde. Über die Projektarbeiten am Öko-Institut bestehe ein gemeinsames Fachwissen. Außerdem bediene man sich oftmals einer Alltagssprache anstelle der eigenen Fachsprache und ermögliche damit eine disziplinübergreifende Kommunikation. Durch die Alltagssprache vereinfacht sich gleichzeitig der Zugang zur Öffentlichkeit, die mit Inhalten, die speziell fachlich dargestellt würden, nichts anfangen könnten. So werden beispielsweise Youtube-Videos als „Klimaschutz-Einkaufshilfen“ entwickelt. Durch das problemorientierte Arbeiten am Öko-Institut stehe meist nicht die Theorie im Vordergrund, sondern Methoden, die selbst entwickelt wurden und damit allen Beteiligten bekannt sind. Das heißt, dass die Problematik der unterschiedlichen Arbeitsmethoden in unterschiedlichen Disziplinen nicht so sehr zum Vorschein kommt. All diese Komponenten führen laut Corinna Fischer dazu, dass die genauen fachlichen Hintergründe der am Projekt beteiligten Kollegen oft keine Rolle spielen bzw. den Gesprächspartnern in der Arbeitssituation gar nicht bewusst sind.

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Wie auch Frau Fischer, nimmt Dirk Bunke die interdisziplinäre Kommunikation positiv wahr. Er sieht dabei gleichzeitig eine Entwicklung innerhalb des Institutes. Früher gab es mehr „spezialisierte Fachexperten“, zu denen auch er als Chemiker gehört – heute arbeiten nur noch wenige reine Chemiker am Öko-Institut. Als Beispielprojekt nennt er die Kohärenzanalyse, in der untersucht wird, welche Auswirkungen ein Energiekonzept im Haushaltsbereich aus Sicht der einzelnen Disziplinen hat. Hier ist die Kommunikation zwischen den verschiedenen Bereichen absolut notwendig. Gleichzeitig spielt auch die gesellschaftliche Auswirkung eine Rolle, weshalb er sich bei der Projektbearbeitung von seiner Fachorientierung lösen muss, und dann beispielsweise eine Verbraucherperspektive einnimmt.

Durch die Exkursion an das Öko-Institut und den Kontakt zu den beteiligten Wissenschaftlern konnte unser Ziel erreicht werden, einen Einblick in die tatsächliche und praktische interdisziplinäre Arbeitsweise zu gewinnen. Vielen Dank nochmals an Corinna Fischer und Dirk Bunke für die tolle Betreuung und die spannenden Eindrücke.

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Unsere Fragen an die Wissenschaftler

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Struktur eines Projektablaufs am Öko-Institut

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Thema: IndiTrack

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