„Alle Kochen nur mit Wasser“ – Eindrücke von der Programmkonferenz zum „Qualitätspakt Lehre“

Mittwoch, 7. August 2013 | Autor/in:

Mitbringsel_V2

Als ich den obigen Satz hörte, war ich mir nicht ganz sicher, ob ich erleichtert, oder eher frustriert sein sollte. Gesagt hat ihn Prof. Dr. Klaus Diepold, Vizepräsident für Diversity and Talent Management der TU München anlässlich der ersten Programmtagung zum Qualitätspakt Lehre am 4./5. Juli 2013 in Berlin. Aus dem Bund-Länder-Programm werden derzeit weit über hundert Hochschulen in ganz Deutschland finanziell für Maßnahmen zur Verbesserung von Studium und Lehre gefördert.

QPL_KonferenzWas Diepold mit dem Satz sagen wollte: In den Präsentationen der Praxisbeispiele der Hochschulen wurde klar, dass die einzelnen Projekte zwar sehr erfolgreich sein mögen und Studium und Lehre vor Ort substantiell verbessern. Allerdings seien viele der Programme nicht notwendigerweise innovativ oder gar einzigartig. Damit begann er seinen Bericht über eines von vier thematischen Foren, die am ersten Tag der Tagung stattgefunden hatten. Dieses spezielle Forum stand unter dem thematischen Schwerpunkt der Übergänge zwischen Schule, Hochschule und Beruf. Es behandelte daher vor allem Praxisbeispiele im Bereich von Vorskursen und Propädeutika, aber auch zum Umgang einer immer heterogeneren Studierendenschaft. Als Stichworte mögen hier die vielzitierten „bildungsfernen Elternhäuser“, die Internationalisierung oder auch Studierende ohne Abitur als Hochschulzugangsberechtigung (z.B. über Meisterprüfung) genügen. 

Diepolds Einschätzung kann ich persönlich im Großen und Ganzen zustimmen, da ich selbst zwei der vier Workshops zu diesem Thema besucht hatte: Ob Mathe-Vorkurse für Ingenieurs-Studiengänge oder Coaching für Studienanfänger, die ohne Abi, aber dafür mit jeder Menge Berufserfahrung an die Hochschulen kommen – ohne Frage tolle Angebote für viele Studierende, die sonst zu Studienbeginn unter die Räder kommen könnten. Oft vielleicht weniger wegen der fachlichen Inhalte, sondern auf Grund der – im eigentlichen Sinne des Wortes – doch sehr eigenartigen Strukturen und Prozesse an Hochschulen.

Also Erleichterung oder Frustration? Von beidem ein bisschen. Erleichterung aber, weil ich unsere Projekte im QPL immernoch für ziemlich innovativ halte: Das University College als interdisziplinäres Lehr-Lern-Labor oder der Überlast-Fonds Money Follows Students mit dem wir ganz gezielt zusätzliche Tutorate oder Lehrveranstaltungen finanzieren können, wenn es eng wird. Erleichterung auch, weil ich bei anderen Dingen dachte: „Ja, das machen wir auch“, oder zumindest: „Das würden wir auch machen, wenn wir das Geld dafür hätten“.

Insofern also etwas Frust, weil einmal wieder klar wurde, dass Geld wie immer im Bildungsbereich eine besondere Rolle spielt: All diese Projekte wurden mit Mitteln aus dem Qualitätspakt Lehre finanziert. Natürlich befristet, aber immerhin auf 5 Jahre, mit der Möglichkeit auf einen Verlängerung um weitere 5 Jahre. Allerdings wird weder der Bedarf an solchen Angeboten sinken, noch die Hochschulen aus anderen Quellen Geld erhalten, um diese auf Dauer angelegten Prozesse selbst zu finanzieren. Und so fasste auch Prof. Diepold sehr treffend zusammen, was in meinen Augen auch für die Uni Freiburg gilt: Ohne die Mittel aus dem Qualitätspakt hätte viel Gutes gar nicht erst begonnen werden können – aber durch die begrenzte Laufzeit ist es nur eine Frage der Zeit, wann wir es wieder einstampfen müssen oder die Ressourcen an anderer Stelle einsparen müssen.

Eine ganz andere Frage ist aber, ob man nach Ende des Einzelkämpfer-Magisters und Durchbeiß-Diploms früherer Zeiten mit solchen „Verhätschelungsprogrammen“, die auch noch auf eh schon verschultere Bachelor-Programme treffen, den Bogen der Fürsorge gegenüber den Studierenden nicht schon überspannt: Quasi „die Universität als Fortsetzung der Schule in anderen Räumen“. Diese Frage möchten wir in unserem zweiten Teil der Mitbringsels mit Ihnen diskutieren!

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Thema: Mitbringsel

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Ein Kommentar

  1. […] Solche Tagungen sind erfahrungsgemäß nicht nur hervorragende Orte, um sich zu Vernetzen, sondern eben auch um den eigenen Blick zu weiten und die Perspektiven anderer Hochschulen aufzunehmen. Nur so kommt man heraus aus der viel zu schnell einsetzenden Betriebsblindheit auf Grund der vor Ort vorhandenen Traditionen und Restriktionen, die man (vielleicht oft vorschnell) als unüberwindbar empfindet. Andererseits stellt man immer wieder fest, dass auch die anderen Hochschulen bei ihren prämierten Konzepten alle nur mit Wasser kochen. […]

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