Was machen unsere Absolventinnen und Absolventen?

Mittwoch, 17. April 2013 | Autor/in:

Mitbringsel_V2

Anfang März lud das International Centre for Higher Education Research Kassel (INCHER Kassel) zur alljährlichen Tagung ein. Hauptsächlich geht es bei dieser Tagung um das Kooperationsprojekt Absolventenstudien (KOAB Projekt), an dem mittlerweile 72 Hochschulen in Deutschland beteiligt sind. Die Universität Freiburg hat 2012 ebenfalls im Rahmen dieses Projektes ihre Absolventinnen und Absolventen zu den Themen Berufsverbleib und der retrospektiven Bewertung des Studiums befragt.

Neben allgemeinen Vorträgen zur Bildungsforschung wurden auch Gesamtergebnisse des KOAB Projektes und spezielle Auswertungsmöglichkeiten anderer Hochschulen präsentiert.

Bildungsforschung und vielfältige Tätigkeitsbereiche
Es war eine Freude Ulrich Teichler zu 50 Jahren Bildungsforschung referieren zu hören. Seiner Meinung nach bewegt sich die hochschulpolitische Debatte zwischen zwei Katastrophenszenarios: Entweder wird ein Fachkräftemangel beklagt oder die Rede über das „akademische Proletariat“ kommt auf. Einerseits werden zu wenige, andererseits zu viele AkademikerInnen ausgemacht. Wie steht es dann um die strukturelle Verbindung zwischen Studium und Arbeitsmarkt? Teichlers Ansicht nach kann nicht von einer „engen strukturellen Passung“ gesprochen werden, da sich beide Bereiche in stetigem Wandel befinden und die Frage ungeklärt ist inwiefern die Hochschule hier Steuerungsmöglichkeiten besitzt. Als Ursache des Wandels in der Bildungspolitik nennt Teichler die Umstrukturierungen durch die Bologna-Reformen, Ursache des Wandels des Arbeitsmarktes den Rückgang an „klassischen Berufsverläufen“ und die damit einhergehende vertikale Ausdifferenzierung, bzw. Vervielfältigung von Tätigkeitsbereichen (sprich: Wenn Absolventinnen und Absolventen keine klassischen Berufe mehr finden, dann „erfinden“ sie entweder selbst welche oder gehen in andere Bereiche). Meiner Meinung nach gibt es einen Zusammenhang von Studium und Arbeitsmarkt, der bei klassischeren Berufen (Medizinstudium = Arzt/ Ärztin) auf der Hand liegt und bei „vielfältigen Tätigkeitsbereichen“ eben vor allem in den nichtlinearen Berufsverläufen (z.B. Selbständigkeit) zu erforschen wäre.

Gesamtergebnisse des KOAB Projektes: Generation Praktikum – gilt nicht für AkademikerInnen
Herr Schomburg stellte Ergebnisse der Panelbefragung (Längsschnittbetrachtung) des KOAB Projektes vor. Seit 2007 sammelt das INCHER zusammen mit den Hochschulen Befragungsdaten. Über die Zeit betrachtet zeigt sich, dass die „Generation Praktikum“ bei HochschulabsolventInnen ein Randphänomen ist: Nur 4% der AkademikerInnen machen ein Praktikum.

Auch interessant fand ich, dass 86% der Bachelor AbsolventInnen im Anschluss an ihr Studium einen Master machen. Man könnte sagen, dass das super ist, dann gibt es keine große Hürde in Masterstudiengänge zu gelangen. Doch dieser Befund zeigt auch, dass Bachelorabschlüsse nach der Bologna-Richtlinie nicht als berufsvorbereitende Abschlüsse genutzt werden! Vor allem an Universitäten wird der Bachelorabschluss von ProfessorInnen und AbsolventInnen selbst  als eine Art Zwischenprüfung gewertet. Zur Umstrukturierung der Curricula zu Bachelor- und Masterstudiengängen summiert Schomburg „alter Wein in neuen Schläuchen“ und dass grundsätzliche Überlegung fällig sind, ob wir tatsächlich so auf dem Bologna-Weg und der Bachelorgestaltung weitergehen wollen.

Die Ergebnisse zeigen auch deutlich, dass AkademikerInnen in Deutschland eine privilegierte Gruppe sind, im Durchschnitt haben AkademikerInnen nur vier Monate nach Abschluss eine Erwerbsarbeit.

Auswertungsmöglichkeiten anderer Hochschulen der Befragung von Absolventinnen und Absolventen
Andere HochschulvertreterInnen stellten den Umgang mit den Befragungsergebnissen an ihrer Hochschule vor. Die Spannbreite der Berichtsstruktur und Gremienarbeit ist breit. Neben klassischen quantitativen Berichten einerseits und qualitativen Freitextauswertungen andererseits beschäftigen sich zahlreiche Fach- Insituts- und VerwaltungsvertreterInnen mit den Ergebnissen. Besonderer Fokus liegt  derzeit bei Analysen zu Genderfragen und zum Bildungshintergrund.

Somit ende ich hier mit meiner Tagungsbeschreibung mit der Frage, ob Sie eher fachspezifische Berichte von derartigen Befragungen erwarten, oder eher thematisch gegliederte?

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Thema: Mitbringsel

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