NetzFundstück: Lehrevaluation kritisch hinterfragt

Mittwoch, 3. April 2013 | Autor/in:

Eine lesenswerte Sicht auf das Thema Lehrevaluation bietet Gabi Reinmann (Professorin für Lehren und Lernen mit Medien) in ihrem Weblog „E-Denkarium„. Sie fragt sich, woher ihr gespaltenes Verhältnis zur Lehrevaluation kommt und denkt darüber nach, wo klassische Lehrevaluation vielleicht zu kurz greift:

„Praktisch relevant ist die Frage, was BEIDE Seiten tun können, damit Lehre keine Aneinanderreihung von Frusterlebnissen ist, sondern (a) Lernprozesse bei den Studierenden bewirkt, die davon entsprechend profitieren, und (b) den Lehrenden darin unterstützt, das eigene Lehr- und Forschungsgebiet weiter und tiefer zu durchdringen. Was am Ende herauskommt, ist ein Gemeinschaftsprodukt. Klassische Evaluationen aber betrachten gar nicht dieses Gemeinschaftsprodukt, sondern fragen danach, was Studierende im Prozess einer Veranstaltung wahrgenommen haben und wie sie das bewerten. Das ist wichtig, aber nur ein Puzzleteil! Und es für die Lehrqualität wirkungslos, wenn es ein Puzzleteil bleibt.“

Wie wichtig sind diese „Gemeinschaftsprodukte“ für die Lehrqualität? Vor kurzem habe ich Prof. Kenkmann (Geologie) zu seinem Lehrprojekt „Screening Earth – A Student (Re)Search Project“ interviewt und beim Lesen über das „Gemeinschaftsprodukt“ musste ich wieder an eine seiner Antworten denken. Auf die Frage „Worin sehen Sie den Mehrwert des Kurses?“ sagte er: „Ich finde das reizvolle an diesem Kurs, dass er einerseits für die Studierenden nützlich ist, auf der anderen Seite ist es auch ein Mehrgewinn für die Forschung. Es ist also gewissermaßen eine Win-Win-Situation.“ Ich bin sicher, dass eine solche Win-Win-Situation eine große Motivation für Lehrende ist. Und im Fall von Prof. Kenkmann belegt der Landeslehrpreis, den er für den Kurs erhalten hat, dass die Lehrqualität ganz sicher nicht darunter leidet, wenn Wissenschaftler ihre Forschung in die Lehre einfließen lassen. (Ideen für die Verbindung von Forschung und Lehre können Sie sich übrigens neuerdings auf der Internetseite der Abteilung Hochschuldidaktik holen.)

Aber um wieder auf das Thema Lehrevaluation zurück zu kommen: Mich würde sehr interessieren, ob Sie gleicher Ansicht sind wie Prof. Reinmann? Greift Lehrevaluation normalerweise zu kurz? Und was halten Sie von ihrem Vorschlag einer „gemeinsamen Reflexion der Lehre“?

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3 Kommentare

  1. 1
    Maria Galda 

    „Dass Lehrveranstaltungsevaluation ein Thema nicht nur für Lehrende, sondern auch für Studierende ist, dürfte nicht weiter verwundern. Studierende haben in diesem Kontext weit mehr als nur die Funktion der Ankreuzenden inne. Sie sind nicht nur Empfänger/innen der Lehrinhalte, sondern in einer spezifischen Weise Akteure des gemeinsamen Lehr- und Lernprozesses, weshalb die subjektive Wahrnehmung der Lehrveranstaltung wichtig und notwendig für die gemeinsame Kommunikation über Lehrqualität ist.“ Dieses „Eigen-Zitat“(siehe der Beitrag vom 18.5.2012) passt ganz gut zu dem, was Professorin Reimann sagt. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass Lehre in der Verantwortung beider Bteiligten-Gruppen, Lehrende und Studierende, liegt. Leider wird in der Lehrveranstaltungsevaluation häufig die Konsum-Perspektive der Studierenden verstärkt. Meiner Ansicht nach sollten die Fragebögen oder das gemeinsame Reflexionsgespräch in der Lehr-/Lerngruppe verstärkt auf den Aspekt der gemeinsamen Verantwortung abzielen. Also die Frage: was habe ich, als Studentin/ Student, eigentlich dafür getan, dass diese Lehrveranstaltung gewinnbringend für alle ist.

  2. Die Frage ist auch, ob Studierende von Anfang an ein Bewusstsein dafür haben, dass sie ebenfalls Verantwortung für das Gelingen der Lehrveranstaltung haben. Von der Schule ist man ja eher die Konsum-Haltung gewohnt.
    Ich kann mir aber gut vorstellen, dass Lehrveranstaltungen, die so konzipiert sind, dass sie auch für die Lehre/Forschung des Lehrenden gewinnbringend sein können, den Studierenden die Perspektive für diese Zusammenhänge öffnen: Dass Lehrende auch von Studierenden profitieren können und sich das wiederum positiv auf die Lehre auswirkt.
    Gibt es jemanden, der diese Erfahrungen schon einmal gemacht hat?

  3. 3
    Dominique Schirmer 

    Auch ich bin in Sachen Fragenbogen-Lehrevaluation sehr (und zunehmend) gespalten und diskutiere zusätzlich in allen Lehrveranstaltungen mit den Studierenden über die Veranstaltung. Da gebe ich auch immer ein Feedback an die Studierenden. Unsere sehr engagierte Fachschaft in der Soziologie hat übrigens ihre eigenen Evaluationsgruppen, die Anregungen an die Lehrenden gibt – das finde ich sehr nützlich!
    Zur Frage profitieren (ganz schnell): Ich habe oft das Gefühl, von meiner Lehre zu profitieren, „sogar“ von Einführungsvorlesungen. Dafür braucht es aber immer engagierte Studierende mit ihren eigenen Fragen und Interessen (die wir glücklicherweise haben) und Raum, in dem sie das entfalten können.

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