Instructional Development Award Preisträger Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck

Freitag, 5. April 2013 | Autor/in: und 

Drei verschiedene Varianten erprobte Professor Hochbruck in seinem Projekt „Kombination von Lehrveranstaltungen der universitären Lehrerausbildung für Studierende am Englischen Seminar mit Fortbildungen für Lehrende an Gymnasien“ bei dem Versuch, adäquate Veranstaltungsformate zu finden. Wie gelingt es am Besten, die Lehrer mit neuen fachwissenschaftlichen Erkenntnissen in Kontakt zu bringen und gleichzeitig die Studierenden am fachdidaktisch-pädagogischen Wissen der Lehrenden teilhaben zu lassen?

Persönliches

Sitz des Englischen Seminars – Kollegiengebäude IV

Herr Hochbruck, was mögen Sie an der Lehre?
Keine Sitzung ist genau wie die andere – es ist immer eine dramatische und theatrikale Situation, in der alle Beteiligten ihre Rollen spielen; mal mehr, mal weniger gut. Gelungene Seminarsitzungen, eine erfolgreiche Sprechstundenberatung oder ein inspiriertes Referat von Studierenden beflügeln mich den ganzen Tag.

Was konnten Sie schon von Studierenden lernen?
Dass jede und jeder Einzelne von ihnen den Aufwand wert ist, sich ihnen mit vollem Einsatz zuzuwenden, und dass man ihnen ruhig etwas zutrauen kann und sollte. Eine meiner begabtesten Studentinnen ist noch vor ihrem Examen zur American Literature Association nach San Francisco geflogen und hat dort einen Vortrag über ihr Forschungsgebiet gehalten.

Welche Vorbilder haben Sie im Bereich der Lehre?
Meinen Doktorvater Paul Goetsch und Heinz Klingenberg, beides Emeriti dieser Universität und mitreissende Lehrer, und Harold Bronk jr. von der University of Massachusetts in Boston, der mir gezeigt hat, dass ein Hochschullehrer zunächst einmal auch einfach ein Mensch und eine Person ist und dass man keine künstliche Facade aufbauen muss.

Hochschullehre

Wodurch zeichnet sich für Sie gute Hochschullehre aus?
Motivation müssen die Studierenden selbst mitbringen, aber stimulieren muss ich. Wege weisen. Ermutigen. Unterstützen. Und mich letztlich überflüssig machen.

Welche Problemfelder sehen Sie in der Hochschullehre?
Die administrative Seite, besonders die Prüfungsverwaltung, hat sich etwa im Lehramt verfünffacht, ohne dass es irgendeinen praktischen Vorteil davon gäbe. Außerdem haben wir jetzt strenge Abgabefristen – wenn ich will, dass meine Studierenden das Schreiben echter und gut recherchierter Hausarbeiten lernen, habe ich bei drei Haupt- oder Masterseminaren hinterher gleichzeitig bis zu 75 Hausarbeiten auf dem Tisch liegen, die ich dann innerhalb von zwei Wochen lesen muss. Oder aber ich führe ein amerikanischen System mit mehreren kurzen, sekundärmaterialfreien Arbeiten ein – das Ergebnis ist ein grässliches Zeug. Ich war gerade für ein Semester an der University of Oregon. Das Niveau der Hausarbeiten war erschreckend.

Wie könnte die Lehrentwicklung an der Universität weiter vorangetrieben werden?
Indem man zum Beispiel die völlig überflüssige Modularisierung der Lehramtsstudiengänge zurücknimmt und gleichzeitig mehr Projektarbeit in diese Studiengänge integriert, bei der praktische Bezüge geübt werden, vorzugsweise in Zusammenarbeit mit Lehrenden der weiterführenden Schulen.

IDA-Projekt

Warum setzen Sie sich für die Lehrentwicklung ein?
Ich habe in den letzten dreißig Jahren schon große Fortschritte im Bereich der Hochschuldidaktik gesehen; da passiert etwas, das ist spannend. Vor allem interessieren mich aber die Schnittflächen von Schule und Hochschule – wir brauchen die Bestgeeigneten, Bestmotivierten, Bestausgebildeten und Bestabgesicherten – im Sinne von Resilienz – eines Jahrgangs als Lehrer.

Was hat Sie zu der Projektidee inspiriert?
Die Erkenntnis, dass ein einmal verbeamteter Lehrer schlimmstenfalls dreißig Jahre lang mit seinen Folien und Vorlesungsmitschriften aus dem Studium den Lehrapparat an einer Schule verstopfen kann. Glücklicherweise gibt es aber auch viele in den Schulen, die sagen: Wenn wir mehr Zeit hätten, würden wir liebend gerne mal wieder an der Uni ein Seminar belegen; Ihr macht da jetzt so spannende Sachen. Daher kam die Idee, gemeinsame Seminarformen zu entwerfen, bei denen Lehrende weiterführender Schulen und unsere Studierenden aufeinander treffen und aus den wechselseitigen Fähigkeiten und Interessen Synergien entstehen können.

Was erhoffen Sie sich auf lange Sicht von Ihrem Projekt?
Langfristig hoffe ich, dass alle Lehrenden an Schulen die Möglichkeit erhalten, sagen wir alle fünf Jahre ein Fortbildungssemester mit reduziertem Deputat zu beantragen, in dem wir sie dann fachwissenschaftlich auf den neuesten Stand bringen können.

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Thema: IDA-Projekte

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