Instructional Development Award Preisträgerin Prof. Dr. Petra Ratka-Krüger

Montag, 11. März 2013 | Autor/in: und 

Warum nicht die „Produkte“ eines Weiterbildungsstudiengangs für die grundständige Lehre nutzen?

Durch diese Idee entstand das IDA-Projekt „Parocase“ in der Zahnmedizin. Erfahren Sie hier mehr über das Projekt und die IDA-Preisträgerin Prof. Dr. Petra Ratka-Krüger. Übermorgen erwartet Sie in der Impulswerkstatt ein Videointerview mit der Preisträgerin, in der sie die verwendeten Lehrszenarien näher beleuchtet.

IDA-Projekt

Was hat Sie zu der Projektidee inspiriert?
Der Anteil des Fachgebietes Parodontologie am gesamten zahnmedizinischen Studium ist, ungeachtet der hohen Prävalenz von Parodontalerkrankungen in Deutschland, noch immer gering. Nur ca. drei Prozent der vorgesehenen Semesterwochenstunden entfallen auf die Parodontolgie. Zur Vorbereitung auf die spätere zahnärztliche Praxis ist es daher wünschenswert, das in der grundständigen Lehre vermittelte Wissen zu ergänzen. Als ein geeignetes Mittel hierzu, hat sich die Auseinandersetzung mit konkreten, systematisch dokumentierten Patientenfällen erwiesen, die den Universitätskliniken jedoch meist nur in begrenzter Zahl zur Verfügung stehen.
Auf der anderen Seite werden gut dokumentierte Patientenfälle im Rahmen des Freiburger Postgraduiertenstudienganges Master Online Parodontologie und periimplantäre Therapie regelmäßig “produziert“. Eine Prüfungsleistung innerhalb des Studienganges ist nämlich die ausführliche, leitliniengerechte Dokumentation eigener Patientenfälle aus der Praxis. Diese für die parodontologische Ausbildung zukünftiger Zahnärzte zu nutzen war der Gedanke, der letztendlich die Projektidee inspiriert hat. Durch den Brückenschlag zwischen der Postgraduierten-Weiterbildung und dem zahnmedizinischen Grundstudium profitieren Zahnmedizinstudenten von der Weiterbildungsaktivität ihrer niedergelassenen Kollegen.

Welches Team steht hinter Ihnen?
Team_Parocase

  • Milena Isailov MSc. (links): Technische Koordinatorin des Studienganges MasterOnline Parodontologie & Periimplantäre Therapie, Technische Koordination und Projektkoordination „Parocase“
  • Dr. Julia Blank (mitte): Fachliche Koordination Projekt „Parocase“
  • Zahnärztin Kristina Holst (rechts): Fachliche Koordination Projekt „Parocase“

Was erhoffen Sie sich auf lange Sicht von Ihrem Projekt?
Zum einen soll den Studierenden eine Möglichkeit gegeben werden, das im Präsenz-unterricht erworbene Wissen anhand von Beispielfällen zu verfestigen. Hierzu dient die interaktive web-basierte Bearbeitung von Patientenfällen sowie der Fallpool, in dem exemplarisch über die Therapie verschiedener Krankheitsbilder berichtet wird.
Ein weiteres Ziel des Projektes ist es, den Studierenden über das reine Fachwissen hinaus Fertigkeiten zu vermitteln, die sie in die Lage versetzten neue Sachverhalte zu erschließen und selbstständig an die benötigten Hintergrundinformationen zu gelangen. Hierzu werden Patientenfälle im Präsenzunterricht eingesetzt, die nach dem Konzept des problemorientierten Lernens aufgebreitet wurden.

Hochschullehre

Welche Herausforderungen sehen Sie in der Hochschullehre?
Die Herausforderung ist meines Erachtens auf die Bedürfnisse und veränderte Lernstrukturen der Generation „Y“ einzugehen. Dabei sollte ein guter Mix aus klassischen Präsenzveranstaltungen und interaktiven e-learning Modulen gewählt werden. Eine Herausforderung in meinem Fachbereich ist auch der große Ansturm von Studierenden, der durch den doppelten Abitursjahrgang entstanden ist. Auch aus diesem Grund müssen Alternativen zum klassischen Frontalunterricht gefunden werden.

Welchen Aspekt guter Hochschullehre finden Sie besonders wichtig?
Das problembasierte Lernen (PBL) anhand von Patientenfällen ist für die Lehre in der Zahnmedizin ein wichtiger Aspekt. Die Studierenden sollten im Rahmen eines handlungsorientierten Unterrichtses selbstbestimmt, praxisbezogen und entdeckend Lernen. Hierfür sind natürlich die Patientenfälle aus der realen Praxissituation optimal geeignet. Auch werden Komponenten der Lernform E-Learning zur Unterstützung der präsenzgebundenen Lehre immer größere Bedeutung und Anwendung finden. Lernen wird mit Hilfe der technischen Medien mobiler und dadurch auch effektiver umsetzbar sein.

Persönliches

Was begeistert Sie an Ihrem Fachbereich?
Das Fachgebiet Parodontologie ist sehr umfassend und stellt die Basis für alle anderen zahnmedizinischen Fachrichtungen dar. Nur wenn das Parodont gesund ist, kann auch weitergehend behandelt werden, das heißt erst dann können Kronen und Brücken oder wenn notwendig auch Implantate gesetzt werden und kieferorthopädische Behandlungen durchgeführt werden.
Auch haben Parodontologie und Allgemeinmedizin fachlich sehr viele Überschneidungen, was das Fachgebiet sehr interessant macht. Dies gilt einerseits für viele Risikofaktoren, die sowohl für die Parodontitis als auch für Allgemeinerkrankungen gelten. Andererseits gibt es in den letzten Jahren neue Erkenntnisse zu Assoziationen der Parodontitis mit systemischen Erkrankungen wie solchen des Herz-Kreislaufsystems, Diabetes etc.
Nicht zuletzt ist das Therapiespektrum sehr vielseitig. So können Parodontalerkrankungen zum größten Teil nichtchirurgisch behandelt werden, bei schweren Erkrankungsformen stehen aber auch chirurgische Therapiemöglichkeiten zur Wahl.

Warum setzen Sie sich für die Lehrentwicklung ein?
Der Anspruch an die universitäre Lehre ist -nicht erst seit der Bologna-Reform- kontinuierlich gestiegen. Jedoch fehlen für die Umsetzung innovativer Lehrkonzepte häufig personelle und finanzielle Mittel. So ist es im Universitätsalltag oft schwierig, die gewünschte Weiterentwicklung der Lehre voranzutreiben. Doch gerade dies sollte geschehen, wenn man die Patientenversorgung auch in Zukunft (egal ob in niedergelassener Praxis oder an den Kliniken) auf dem neuesten Stand der medizinischen Versorgung und auf hohem Niveau halten will – zum Wohle der Patienten.

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Thema: IDA-Projekte

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