Blickwechsel gefragt: Vom Sehen zum Schreiben

Mittwoch, 6. März 2013 | Autor/in:

Das Motto des neuen Lehrprojekts lautet „Beschreiben – Verstehen – Vermitteln“. Wie soll die Archäologische Sammlung der Uni Freiburg zukünftig in der Lehre eingesetzt werden?
Sammlehr_350Die bislang überwiegend mündlich durchgeführte Beschreibung von Originalen und Abgüssen wird durch eine Schreibwerkstatt ergänzt, in der die Studierenden verschiedene Stadien eines Schreibprozesses durchlaufen müssen, an dessen Ende sie wissenschaftliche Katalogtexte, pädagogisch ausgerichtete Führungsblätter bzw. Kurzbeschreibungen im Internet oder aber einprägsame Objektbeschriftungen für das Museum geschrieben haben werden. Die Studierenden werden die Erfahrung machen, dass sich die eigene Wahrnehmung und – damit verbunden – Deutung archäologischer Befunde im Zuge einer wiederholten Überarbeitung der eigenen Texte erkennbar verändern. Ergänzend dazu werden sie ihre neuen Erfahrungen im Rahmen von Führungen, Objektpräsentationen und Ausstellungen einsetzen.

Was ist das Ziel des von der Mercator Stiftung geförderten Lehrprojekts?
Es geht um eine systematische Intensivierung des Seh- und Beschreibungsprozesses archäologischer Objekte und seine strukturierte Integration in BA- und MA-Studiengänge. Jede wissenschaftliche Beschreibung als Übersetzung visueller Wahrnehmung in Sprache muss das jeweilige Erkenntnisinteresse reflektieren und zugleich um größtmögliche Anschaulichkeit bemüht sein. Als komplementärer Bestandteil tritt das Verstehen durch Vermittlung hinzu, das in verschiedenen Situationen der Veröffentlichung erprobt werden wird.

Welche Fähigkeiten sollen den Studierenden damit vermittelt werden?
Schreiben_200Das Hinterfragen der eigenen Beschreibung von Objekten und der getroffenen Wortwahl führt zum Einen zu größerer Sensibilität im Ausdruck. Der Wortschatz und Formulierungsreichtum wird wachsen. Auf der anderen Seite fördert dieser Prozess ein anderes Zuhören. Wissenschaftlicher Austausch und Diskussion finden vielfach mündlich statt und verlangen in wachsendem Maße das Erkennen von Argumentationsstrategien, das Reflektieren von Methoden und Problematisieren von scheinbar selbstverständlichen Fragestellungen. Ich bin zuversichtlich, dass die Studierenden auf diese Weise ihre eigenen Perspektiven schrittweise leichter ausfindig machen und damit wissenschaftlich selbständig werden.

In welche Bachelor- und Masterstudiengänge wird die Auseinandersetzung mit der Sammlung integriert?
Die Archäologische Sammlung wird künftig als fester Bestandteil in das Curriculum des Bachelor-Studienganges Archäologische Wissenschaften/Vertiefung Klassische Archäologie und des Master-Studienganges Archäologische Wissenschaften/Fachrichtung Klassische Archäologie integriert sein.

Eignet sich ein solches Lehrkonzept  auch für andere Fächer?
Grundsätzlich halte ich die Übertragung in alle Disziplinen für möglich, die wesentlich die Analyse und Interpretation von Objekten und Bildern verfolgen (also nicht in erster Linie textbasiert und sprachanalytisch arbeiten). Dazu zählen aus meiner Sicht alle Archäologien sowie Bildwissenschaften, aber etwa auch die Ethnologie und z.B. jene Sammlungen, die nicht-sprachliche Zeugnisse beherbergen und untersuchen.

Mehr Informationen zu dem von der Mercator-Stiftung ausgezeichneten Konzept.

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