Kreativität trainieren: DesignLab-Kurs am IMTEK

Mittwoch, 10. Oktober 2012 | Autor/in:

Fotograf: Kunz

Im DesignLab-Kurs am Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK) bilden wir junge Menschen zu kreativen Erfindern und smarten Unternehmern aus. In Fünfer-Teams entwickeln die Studierenden innerhalb von zwei Semestern Produkte wie Erdmagnetfeld-NMR-Geräte oder Rasterkraftmikroskope – angefangen bei der Produktidee bis hin zum funktionierenden Prototyp.

Es sind verschiedene Lösungs-wege möglich, nur der finanzielle Rahmen (€ 200 pro Team) und die zu Verfügung stehenden Fertigungsmöglichkeiten bilden Rahmenbedingungen.

Mit diesem Kurs, der 2011 mit dem Universitätslehrpreis ausgezeichnet wurde, möchten wir den Studierenden ein motivierendes Umfeld bieten, in dem die eigene Kreativität genutzt und freidenkend neue Lösungen gefunden werden können. 

Weitere Ziele sind:

  • Verknüpfung von Wissen aus verschiedenen Fächern
  • Anwendung des Wissens unter realitätsnahen Bedingungen
  • Förderung „lebensrelevanter Skills“: Organisationstalent, Teamarbeit, Strategiebildung, Menschenkenntnis

Welche Rahmenbedingungen sind für den Kurs notwendig?

Erstens brauchen wir natürlich eine adäquate Betreuung. In der Regel sind wir 9 Betreuer mit mikrosystemtechnischem Hintergrund für ca. 100 Studierende.
Zweitens brauchen wir die Möglichkeit zu fabrizieren. Dies ist wichtig, aber sicherheitstechnisch und logistisch ist es eine Herausforderung für fast 100 Studierende in einem kleinen Labor Arbeitsfläche zur Verfügung zu stellen. Meine Leute sind damit ganz gut beschäftigt.

Was kostet der einjährige Kurs?

  • Pro Team € 200 für Sachausgaben und Fertigungsprozesse. Klingt nach zu wenig und es ist tatsächlich sehr knapp, um einen komplexen Gegenstand herzustellen, inklusive Designiterationen. Bei ca. 100 Teilnehmern belaufen sich die Kosten auf € 4000.
  • Ausgaben für 8 Übungsassistenten für 2 Semester. Unsere Betreuer brauchen mindestens einen Masterabschluss in Mikrosystemtechnik oder Physik, wobei ich auch einige promovierte Mitarbeiter einplane.
  • Investitionen für Gerätschaft. Bis jetzt haben wir ca. € 100’000 in Geräte investiert, womit wir uns auf niedrigem Niveau befinden.

Was muss bei der Planung des DesignLab-Kurs beachtet werden?

  • Planung der Durchführbarkeit des Projekts
  • Prototypenbau und Test
  • Detailplanung des Semesters
  • Einschätzung der benötigten Ressourcen
  • Ablaufpläne und Betreuungspläne

Welche Rollen und Aufgaben gibt es in den Studierendenteams?

Jedes Team besteht aus fünf Mitgliedern:
1. Projektleitung: Koordination der Teamarbeit
2. Graphische und CAD Designarbeiten
3. Industrielles Design: Ergonomie, Fabrizierbarkeit
4. Technologie: Verstehen der Herstellungsprozesse
5. Produktengineering: Recycling (Produktlebzeit) und Geschäftsprozessplanung
Alle gemeinsam bauen den Prototypen auf.

Wie wird der Fortschritt verfolgt?

Fotograf: Kunz

Unser Innovationskonzept ist ein bisschen an das von Architekten angelegt – als Doktorand an der ETH habe ich zugeschaut, wie es dort gemacht wird. Wir machen sogenannte Design Reviews: Alle 4 Wochen müssen die Teams eine 5-minütige Powerpoint Präsentation halten, um Stand, Herausforderungen und geplante Schritte zu dokumentieren. Sie erhalten dann von uns als Betreuerteam 5 Minuten lang Feedback.

Durch diese Design Reviews werden die Teams immer wieder etwas zurück in die Spur gebracht. Wir haben alle Projekte zusammengefasst gesehen, wissen wo die allgemeinen und spezifischen Probleme sind, und können unsere Teams besser einschätzen. Anschließend können wir den Problemfällen gezielt helfen voran zu kommen und logistischen Problemen vorbeugen. Die Studierenden, wiederum, haben die Möglichkeit, von unserer Erfahrung zu profitieren, aber auch das eigene Projekt als Ganzes zu sehen und einzuschätzen. Eine Art Wahrheitskommission!

Für welche Inhalte eignet sich ein solches Konzept?

Wissenschaft und Kreativität sind unzertrennlich. Ob wir schreiben, herleiten oder realisieren, wir müssen auch die Kreativität trainieren, um bessere Wissenschaftler zu werden. Daher lässt sich das Konzept wirklich überall ausprobieren. Man verzichtet dann vielleicht auf den Laserplotter, aber strukturell ist es wahrscheinlich ähnlich.

Weitere Informationen zum DesignLab:

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Thema: News & Ausschreibungen

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