IDA-Projekt: Erste elektronische Pilotklausuren an der Uni Freiburg geschrieben

Mittwoch, 26. September 2012 | Autor/in: und 

An der Uni Freiburg wurden im Sommersemester im Rahmen des IDA-Projektes „E-Klausuren“ die ersten elektronischen Prüfungen geschrieben. Mit besonders großer Spannung wurde dabei die erste elektronische „Massenklausur“ mit etwa 250 Teilnehmenden erwartet.

In Zusammenarbeit mit der Firma IQuL wurde am 08.08.12 im Audimax der Uni Freiburg die erste elektronische Massenklausur mit 254 angemeldeten Studierenden geschrieben. Dazu wurde im Audimax eine mobile Prüfungsumgebung aufgebaut und der Raum entsprechend mit Server, W-LAN-Hotspots und Laptops bestückt. Im Vorfeld wurden bereits im Juli erste kleinere Pilotklausuren mit der universitätseigenen Infrastruktur auf dem Prüfungssystem ILIAS statt. Auch dank der Erfahrungen mit dem an technischen Hürden gescheiterten ersten Pilotversuch ist die Prüfungsumgebung seit Ende Juli zuverlässig einsetzbar. Am Deutschen Seminar wurden daraufhin bereits drei Klausuren durchgeführt, so dass weitere 53 Studierende erfolgreich auf elektronischem Wege geprüft werden konnten. Ein zusätzlicher kleiner Projekterfolg entstand, da einer der Teilnehmenden auf Grund eines Handicaps eine Spezialtastatur benötigte, die auch in der Prüfungsumgebung einwandfrei funktionierte. Die Ergebnisse der Prüfungen konnten jeweils bereits wenige Tage nach der Klausur bekannt gegeben werden.

Insgesamt konnten in dieser ersten Projektphase sehr viele Eindrücke zu den Vor- und Nachteilen von E-Klausuren gewonnen werden. Dazu wurden die teilnehmenden Dozierenden befragt, Gespräche mit Universitäten geführt, die ebenfalls E-Klausuren durchführen und natürlich die Studierenden um ein Feedback gebeten. Letzteres war durch die Umfrage-Tools der Prüfungsplattformen problem- und vor allem papierlos im direkten Anschluss an die E-Klausuren als Online-Evaluation möglich.

Positive Reaktionen

Von Dozierenden-Seite gab es bisher fast ausschließlich positive Reaktionen. Hervorgehoben wurde dabei nicht nur die Lesbarkeit der studentischen Freitextantworten, die in den letzten Jahren bei handschriftlichen Klausuren anscheinend sehr nachgelassen hat. Auch die Möglichkeit des Einsatzes neuer Frageformen und die automatische Korrektur z. B. von Lückentexten und bei MultipleChoice-Fragen werden als angenehm empfunden. Eine Erleichterung bei der Erstellung der Klausuren wurde allerdings (noch) nicht gesehen, da die Entwicklung guter MC-Fragen mehr Zeit benötigen, als die einer „traditionellen“ offenen Klausurfrage.
Auch die Reaktionen der Studierenden auf diese „neue“ Art der Klausur waren zum großen Teil positiv. Es wurden unter anderem die Formatierungs- und Korrekturmöglichkeiten gelobt und die Aussicht hervorgehoben, endlich zeitnah die Prüfungsergebnisse zu erfahren.

Vorbehalte

Einige Studierende äußerten die Sorge, dass in Klausuren in Zukunft möglicherweise nur noch automatisch auswertbares Wissen abgefragt würde. Bei Freitext-Aufgaben könne man wenigstens zeigen, dass die Aufgabe grundsätzlich verstanden wurde und so zumindest Teilpunkte ergattern. Die Einführung in die Prüfungsplattform sahen einige der Teilnehmenden als umständlich an, sagten aber gleichzeitig, dass dies vermutlich Gewöhnungssache sei.

Überblick über einige Vor- und Nachteile von E-Klausuren

Überblick über einige Vor- und Nachteile von E-Klausuren (bitte klicken sie auf das Bild um es zu vergrößern)

Vor allem auf die Vorbehalte gegenüber elektronischen Klausuren soll im weiteren Verlauf des Projektes verstärkt eingegangen werden.

Workshop geplant – Pilotfächer gesucht

Anfang Februar 2013 sollen die ersten Ergebnisse des Projektes auf einem E-Klausuren-Workshop an der Uni Freiburg präsentiert und diskutiert werden. Dort wird es auch die Möglichkeit geben, sich mit Mitarbeitern anderer Unis auszutauschen, die bereits E-Klausuren durchführen.
Parallel dazu werden die nächsten Pilot-E-Klausuren zum Ende des Wintersemesters stattfinden. Neben Fächern wie Zahnmedizin, Geologie oder VWL wird dabei voraussichtlich auch eine Klausur zu „Geräteturnen“ geschrieben. Spannend dürfte hier die Herausforderung werden, hochauflösendes Bildmaterial und Videoanalysen von Bewegungsabläufen in die Klausur einzubeziehen. Diese Möglichkeiten eröffnen ein enormes Potential von E-Klausuren gegenüber Papierklausuren.
Sollten Sie Interesse haben, sich mit einer E-Klausur im Wintersemester noch am Pilotprojekt zu beteiligen, wenden Sie sich bitte an Sven Slotosch vom Team der Servicestelle e-Learning, um mögliche Termine abzusprechen und weitere Informationen zum Thema zu erhalten. Allgemeine Informationen zum Projekt selbst finden Sie auch im Blogbeitrag E-Prüfungen an der Uni Freiburg – eine Alternative zu den etablierten Prüfungsverfahren?

Sven Slotosch
Servicestelle E-Learning im Rechenzentrum
sven.slotosch@rz.uni-freiburg.de
Tel: 0761 – 203 – 4697

Fragen oder Diskussionsbeiträge zu den E-Klausuren können gerne als Kommentar abgegeben werden.

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Thema: IDA-Projekte, News & Ausschreibungen

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Ein Kommentar

  1. Das klingt sehr vielversprechend! Insbesondere der Hinweis auf den Einsatz der Spezialtastatur bringt mich jedoch zur Frage, was für andere Möglichkeiten des Nachteilsausgleichs bei Handicaps die Systeme unterstützen: Ist es zum Beispiel möglich, dass eine Person zusätzliche Zeit zum Bearbeiten erhält? Und sind die Anzeigensysteme prizipiell barrierefrei konzipiert (Vergrößerung der Schrift, Kontrastumkehr, sich den Text vorlesen lassen, usw.)?

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