POL: Viel Aufwand, aber nichts gelernt?

Donnerstag, 9. August 2012 | Autor/in: , und 

Hier geht es weiter mit den Erfahrungen zu Problemorientiertem Lernen in der Medizin (bisherige Beiträge der Reihe).

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Verschiedene Informationsquellen bewerten, richtig zitieren lernen

„Im Großen und Ganzen ist das POL Seminar eine gute Sache, weil ich dadurch lerne, Datenbanken zu benutzen.“

Ein wichtiges Ziel unseres Projekts im Hinblick auf das Selbststudium war es, dass die Studierenden selbständig nach wissenschaftlicher Literatur suchen und sich dabei mit verschiedenen Quellen von Information kritisch auseinandersetzen. Insgesamt ist dies im Lauf des Projekts immer besser gelungen. Gerade am Anfang war die Tendenz der Studierenden noch groß, Instrumente wie Google oder Wikipedia weitgehend unkritisch zu benutzen, zumal manchem die in wissenschaftlichen Datenbanken gefundenen Informationen als „zu spezifisch“ erschien. Hier ist offensichtlich noch eine weitere Auseinandersetzung mit der Qualität und dem Charakter wissenschaftlicher Erkenntnisse notwendig.

Mehr gelernt als man selbst glaubt?

„Zwar hat man in POL einige interessante und wichtige statistische Dinge/Messwerte kennengelernt, allerdings stehen der zeitliche Aufwand und die entsprechenden Ziele/Erfolge nicht in einem positiven Verhältnis zueinander.“

Im Hinblick auf den Lernerfolg konnten wir einen interessanten Effekt beobachten: Obwohl nach Meinung aller beteiligten Tutoren und Dozenten, die Studierenden sehr viel gelernt haben (was sich z.B. an der zunehmenden Sicherheit im Umgang mit wissenschaftlichen Studien ablesen ließ), meinten viele Studierende, sie hätten wenig gelernt. Dieser Eindruck entstand insbesondere im Vergleich zu einer gegen Ende des Semesters angebotenen ergänzenden Vorlesung. Hier war aus Sicht der Studierenden die Relevanz der Inhalte besser erkennbar, da diese in direktem Bezug zu einer Klausur standen. Die Studierenden meinten, hier in kürzerer Zeit mehr gelernt zu haben. Sollte sich diese Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der Studierenden und dem tatsächlichen Lernfortschritt bestätigen, so wäre das ein interessanter Hinweis darauf, dass die Selbsteinschätzung von Lernerfolg neben dem tatsächlichen Kompetenzzuwachs auch von Kontextfaktoren beeinflusst wird (z.B. der wahrgenommenen Struktur des Lernvorgangs).

Insgesamt bestärken uns die bisherigen Erfahrungen, das Projekt fortzusetzen. Die Studierenden haben sich nicht nur inhaltlich mit Grundfragen wissenschaftlicher Methodik auseinandergesetzt, sondern durch das problemorientierte Lernen ganz praktisch erste wissenschaftliche Kompetenzen erworben, z.B. eine spezifische Fragestellung zu formulieren, eigenständig zu recherchieren, Abstimmungsprozesse im Team zu lernen, Argumentieren, Ergebnisse präsentieren, Transfer leisten usw.

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Thema: IDA-Projekte

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