Problemorientiertes Lernen: Prozessphasen

Donnerstag, 26. Juli 2012 | Autor/in:

Was können Lehrende tun, um Studierende im Aufbau und der Weiterentwicklung von Wissen und Kompetenzen zu fördern? Eine Möglichkeit, das individuelle und kooperative Lernen zu fördern, ist das didaktische Konzept des Problemorientierten Lernens (Hintergrund von POL). In meist acht Phasen mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen unterteilt, wird ein Prozess beschrieben, um Studierende im aktiven Lernen anzuregen und zu unterstützen.

 POL-Phasen
  1. Ausgehend von einer gegebenen Fallbeschreibung sollte zunächst das Vorwissen der Studierenden aktiviert sowie unbekannte Begriffe und Verständnisschwierigkeiten geklärt werden.
  2. Wesentlicher Schritt ist, ausgehend von der Fallbeschreibung, das Problem in der Arbeitsgruppe genauer zu erfassen und zu definieren.
  3. Vor dem Hintergrund der Problemdefinition findet eine Analyse des Falles statt. In der Phase werden von allen Gruppenmitgliedern Fragen aufgeworfen und Hypothesen generiert, die zur Problemlösung beitragen (können).
  4. Die gebildeten Erklärungsmöglichkeiten werden in einem weiteren Schritt gemeinsam systematisiert, geordnet und bewertet, somit eine Struktur des Problems gebildet.
  5. Wichtiger Bestanteil des Problemorientierten Lernens ist die Formulierung von Lernzielen vor dem Hintergrund der Fragestellungen. Sie strukturieren den Weg der nächsten Phasen vor und bilden einen Orientierungsrahmen, so zu sagen den Wegweiser für das weitere Vorgehen zur Problembearbeitung.
  6. In der Regel wird der Schritt der Informationsgewinnung zur Problemlösung und Wissenserweiterung individuell gestaltet. So übernehmen alle Mitglieder der Gruppe die Aufgabe, Informationen, Quellen, Hinweise etc. zu recherchieren, aufzuarbeiten und die Ergebnisse für die anderen Gruppenmitglieder vorzubereiten. Hier wird das bislang kollaborative zu einem kooperativen Arbeiten. Studierende können zwar Aufgaben arbeitsteilig nachgehen, übernehmen damit aber immer auch Verantwortung für den gemeinsamen Lernprozess/-erfolg.
  7. Nach der individuellen Phase wird in einem nächsten Schritt das gewonnene Wissen in der Gruppe geteilt, zusammengefasst und vor allem hinsichtlich der Klärung der Fragestellung und Lösung des Problems angewendet.
  8. Als (Zwischen-) Abschluss des Problemorientierten Lernens ist es sinnvoll, eine Phase der Reflexion und Bewertung zu integrieren. Diese Rückmeldung sollte sich auf verschiedene Aspekte beziehen. Zum einen auf den Inhalt und das Ziel, ob mit den erarbeiteten Informationen die Problemstellung zufriedenstellend gelöst werden konnte. (Daraus kann sich ggf. auch ergeben, dass Schritte des Prozesses nochmals durchlaufen werden.) Zum anderen aber auch Feedback zum Prozess und zur Zusammenarbeit, woraus Studierende wichtige Hinweise für das weitere (kooperative/kollaborative/individuelle) Lernen ziehen können.

Problemorientiertes Lernen hat aus didaktischer Perspektive viele Potentiale, denn nicht nur (meta-) kognitive, sondern auch motivationale Aspekte des Lernens werden gefördert.
In den nächsten Wochen werden in der Impulswerkstatt Lehrqualität Beispiele vorgestellt, wie Problemorientiertes Lernen in der Lehre umgesetzt werden kann.

Diesen und den gestrigen Beitrag (POL-Hintergrund) als PDF herunterladen.


Literaturhinweis: Hawelka, B. (2007). Problemorientiertes Lehren und Lernen. In Hawelka, B.; Hammerl, M. & Gruber, H. (Hg.). Förderung von Kompetenzen in der Hochschullehre. Theoretische Konzepte und ihre Implementation in der Praxis. Kröning: Asanger, S. 45-58.

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