Was nicht funktioniert…

Montag, 11. Juni 2012 | Autor/in:

Im Laufe des Mal- und Bastelkurses habe ich auch ein paar Methoden ausprobiert, die sich leider als nicht praktikabel herausgestellt haben. Darüber hinaus stelle ich auch immer wieder fest, dass traditionelle Methoden der Interaktion irgendwie nicht richtig funktionieren. Diese möchte ich hier auch nochmal vorstellen und bitte um ein Feedback dazu. Haben Sie ähnliches erlebt? Wie gehen Sie damit um?
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Handout

Handouts von studentischen Referenten werden von den Studierenden in meinen Kursen stets gut angenommen:

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Ein Instrument zur Wiederholung, mit dem ich experimentiert habe, ist das Erstellen eines Handouts. Leider hat das nie so richtig gut funktioniert. Ich habe ausprobiert, ob es sinnvoll ist, dass die Referenten im Anschluss an ihr Thema ein Handout austeilen, das die Studierenden dann zur Wiederholung benutzen sollen, aber das wurde nicht angenommen, weil die Studierenden meinten, dass sie zur Wiederholung eher in das Skript schauen würden. Grundsätzlich halte ich es nicht für notwendig, dass sich die Studierenden auf die einzelnen Kurstage vorbereiten. Ich bin der Meinung, dass dies den Kurstagen ein wenig die Spannung nimmt und die Referenten dann eine harte Zeit haben etwas zu vermitteln, was eh alle schon wissen. In einem Jahr habe ich allerdings die Rückmeldung bekommen, dass sich die Studierenden sehr gerne vorbereiten möchten, weil doch relativ viele Fachbegriffe vorkommen, die man nicht so schnell behalten kann und sie haben den Wunsch geäußert, dass sie vielleicht vorab ein Handout bekommen, das nur die wichtigsten Sachen zusammenfasst. Dies habe ich dann im darauffolgenden Jahr machen lassen, aber auch hier meinten die Studierenden, dass ihnen das Handout vorab nicht wirklich etwas genutzt hat, weil sie es sich meist eh nicht angesehen haben. Dann habe ich die Handouts ganz weggelassen, bin aber noch immer auf der Suche nach einem Instrument, mit dem die Studierenden sich zwar vorbereiten können, aber nicht den ganzen Stoff schon vorher gehört haben. Daher würde mich interessieren, ob Sie überhaupt mit Handouts arbeiten, wie genau Sie diese einsetzen, wie diese strukturiert sind und welche Ziele damit genau erreicht werden können?

Wie kann ich die richtigen Fragen stellen?

Die Studierenden in meinen Kursen machen immer mit, wenn ich oder studentische Referenten Fragen stellen:

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In meinen Lehrveranstaltungen versuche ich, die Studierenden mit einzubinden und den Lehrstoff nicht einfach „an der Tafel“ zu erläutern. Wie man es aus dem Schulunterricht kennt, ist eine Vorgehensweise, dass man eine Frage an die Gruppe stellt und erwartet, dass sich die Studierenden melden und sagen, was sie dazu wissen oder ihnen dazu einfällt. Häufig stelle ich aber fest, dass die Studierenden, obwohl sie die Antwort oder wenigstens eine Antwort wissen, einfach nicht mitmachen. Eine solche Situation macht dann den Unterricht etwas zäh. Gerade die referierenden Studierenden stellen sehr häufig eine Frage an das Auditorium und erhalten dann meist keine Antworten. Das ist für sie natürlich immer etwas frustrierend und nach einigen gescheiterten Anläufen erläutern sie die Inhalte direkt selber, was natürlich etwas langweilig ist. Ich sage ihnen dann meist: „Nehmt einfach jemanden dran, wenn sich keiner meldet.“, aber das trauen sie sich oft nicht, weil sie ihre Kommilitonen nicht bloßstellen möchten. Mich würde daher interessieren, ob Sie diese Erfahrung auch schon gemacht haben und wie Sie damit umgehen?

Online-Diskussion

Inhaltliche Online-Diskussionen haben in meinen Kursen bisher gut funktioniert:

Abstimmungsergebnisse

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Im 3. Jahr des Kurses hatte ich die Idee, das Online-Diskussionsforum von „CampusOnline“ der Ruhr-Universität Bochum für den Kurs zu nutzen. Wir wollten erreichen, dass die Studierenden sich über die im Kurs gelernten Inhalte im Rahmen des Selbststudiums austauschen, Fragen aufwerfen, sich etwas erklären lassen, was sie im Kurs nicht verstanden hatten etc. Als Zündfunke sollten die jeweiligen Referenten des entsprechenden Tages Fragen aufwerfen, die dann diskutiert werden konnten. Leider hat das überhaupt nicht funktioniert und scheiterte schon daran, dass die Referenten keine Fragen geposted haben. Vielleicht waren die sozialen Netzwerke damals (2006) noch nicht so weit verbreitet und das
Forum wurde deshalb nicht gut angenommen. Seitdem habe ich es auch nicht nochmal probiert. Meine Frage ist daher, ob andere Dozenten damit bessere Erfahrungen gemacht haben und wie sie es erreicht haben, dass es auch genutzt wird und das Selbststudium unterstützt?

Übersicht Beitragsreihe „Mal- und Bastelkurs“:
  1. Endziel: Rohbau
  2. Lernen mit Spaß
  3. Teilziele definieren: man muss nicht alles auf einmal verstehen
  4. Multimodalität: Lernen mit allen Sinnen, aktiv sein
  5. Konzentration auf das Wesentliche
  6. Wiederholung: ja; Gebetsmühlen: nein
  7. Was nicht funktioniert…
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Thema: News & Ausschreibungen

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3 Kommentare

  1. Liebe Frau Kirsch, liebe Leser/innen,

    zu den Handouts und der Vorbereitung auf die Sitzungen:
    Sowohl die Handouts vor als auch nach der Sitzung auszugeben, erfüllt in Ihrer Seminarkonzeption, Frau Kirsch, keine zusätzliche Funktion. Deshalb ist es erklärbar, warum die Handouts von den Studierenden nicht angenommen werden. Sie erfüllen nämlich die identische Funktion wie das von Ihnen ausgegebene Skript. Warum sollten sich die Studierenden dann also auf ein Handout von vermeintlichen Laien, nämlich ihren Kommiliton/inn/en stützen, wenn sie stattdessen das Skript der Expertin nehmen können?
    Wenn also ein Skript in Ihrer Art eingesetzt wird, machen zusätzliche Handouts wenig Sinn.
    Verknüpft damit schildern Sie jedoch die Schwierigkeit, dass die Studierenden sich gerne vorbereiten möchten, Sie jedoch noch keine Möglichkeit gefunden haben, wie dies außer durch die Handouts durchführbar/integrierbar wäre. Das zu lesen oder vorzubereiten, was später referiert wird, ist wenig sinnvoll, wie Sie schreiben. Wozu soll ich mich als Studierender auf etwas vorbereiten, was ich später erzählt bekomme? Beides erfüllt nämlich die identische Funktion: Information. Dies hat zur Folge, dass unter der Bedingung, dass sich die Studierenden vorbereiten, das Kurskonzept ein anderes sein müsste. In der Sitzung selbst wären Referate dann fehl am Platze. Stattdessen müsste hier eine intensive Auseinandersetzung mit den gelesenen Informationen erfolgen, um die Konstruktion von Wissen anzuregen. Damit dies funktioniert, muss jedoch durch Maßnahmen sichergestellt werden, dass die Studierenden tatsächlich vorbereitet in die Lehrveranstaltung kommen, da sonst die intensive Auseinandersetzung nicht stattfinden kann.
    Die Studierenden wünschen die Vorbereitungsmaßnahmen insbesondere, um sich schon vor der jeweiligen Sitzung mit den Begriffen auseinander zu setzen und einen „Overload“ an Fachbegriffen zu vermeiden. So fällt es ihnen dann im Laufe der Sitzung schon leichter, die neuen Begriffe zuzuordnen und die Informationen richtig zu verarbeiten. Eine Methode, sie dabei zu unterstützen und gleichzeitig zu vermeiden, dass durch das frühe Lesen des Skripts eine kontraproduktive Doppelung im Seminar entsteht, wäre durch die Einführung von beispielsweise Kreuzworträtseln oder Sudoku zum Thema Neurologie. Eine andere Möglichkeit wäre, den Studierenden zur Vorbereitung Schemata oder Zeichnungen zu geben, die sie vor der Sitzung versuchen auszufüllen, sortieren o.Ä. und dann im Laufe dieser korrigieren bzw. ergänzen.
    Statt einer Vorbereitung durch die Studierenden wäre aber natürlich eine Nachbereitung denkbar: Die Studierenden sollen nach den Sitzungen individuell ein eigenes Skript erstellen, in dem sie die aus ihrer Sicht wichtigsten Aspekte, Begriffe und Zusammenhänge in einer individuellen Form darstellen, durch Zeichnungen, Texte, Abbildungen, Beispiele etc. In diesem Falle würde die Sitzung mit den Referaten die Funktion erfüllen, Informationen bereitzustellen, die Erstellung des eigenen Skripts zu Hause hätte die Funktion, die weitere aktive Auseinandersetzung mit dem Thema zu fördern.

    Zu den Fragen im Frontalunterricht:
    Dies ist eine Schwierigkeit, die ich sehr gut kenne. Ich vermeide dies deshalb mittlerweile: Ein einfacher Trick, um die Studierenden auch im Plenum aktiver werden zu lassen, ist die in der Hochschuldidaktik als Murmelgruppen oder Partnerinterview bekannte Methode geeignet. Um sie durchzuführen, formuliert man zuerst die Frage, gibt den Studierenden dann kurz in Paaren Zeit, um gemeinsam die Antwort auf die Frage zu finden (2 min reichen), und sammelt dann im Plenum die Antworten. Dies zeigt den Studierenden auf, dass ihre Antwort „gar nicht so dumm“ ist, denn der Partner oder die Partnerin findet diese Antwort ja auch richtig. Außerdem haben die Studierenden auf diese Weise schon einmal ihre Sprechwerkzeuge in Gang gesetzt und schon mal die „fremden“ Wörter ausgesprochen. Nach solchen 2 min Partnerarbeit kommen die Antworten im Plenum sehr viel schneller und zahlreicher und es kommt zu Diskussionen, wenn unterschiedliche Gruppen zu unterschiedlichen Antworten kamen. Ich würde Ihnen, Frau Kirsch und allen anderen, empfehlen, dies mal auszuprobieren. Ich habe bisher nur positive Erfahrungen damit gemacht und richtige aktive Gespräche damit anregen können.

    Zu den Fragen auf der Lernplattform:
    Diese Erfahrung habe ich auch bereits gemacht. Eine Lösung habe ich noch keine gefunden, aber eine Ausweichstrategie, die ich jedoch nicht für besonders gelungenen halte: Statt die Studierenden zu bitten, Fragen zu posten, formuliere ich es als eine Anforderung für den Scheinerwerb und gebe sehr genau vor, wer wann wieviele Fragen zu welchem Thema und wer wann wieviele erste und zweite Antworten zu den Fragen schreiben muss. Eine glückliche Strategie ist das jedoch nicht. Vielleicht gibt es da bessere Strategien?

  2. 2
    Reiner Fuest 

    Die Referat- und Handout-Problematik kenne ich auch. Ich habe ein generelles Problem mit den Referaten, da es aus meiner (Lehrenden-)Sicht sehr schwer ist, diese lernfördernd zu gestalten. Ich will ja das Referat nicht zu sehr beeinflussen, aber dennoch scheint mir sehr häufig ein Referat eher das Ergebnis des Lernprozesses eines Studierenden zu dokumentieren – und das ist eher selten geeignet den Lernprozess anderer Studierender zu fördern. Ich würde heute, wenn ich Referate einsetzen würde, viel stärker den vermittelnden Charakter fordern und weniger die individuelle Studienleistung abbilden lassen.

    Online-Kommunikation und Frontalunterricht sind gar nicht so verschieden. Da auch in der Online-Kommunikation die Lehrperson als immer anwesend empfunden wird, kommt hier ein freier Austausch nur schwer in Gang. Auch durch Fragen lässt sich das schwer motivieren (wer weiß schon sicher die richtige Antwort?). Kleingruppen, in denen nachweislich die Lehrperson (zumindest zeitweise) nicht anwesend ist können hier helfen. Sowohl in Chats als auch in Virtuellen Klassenräumen, in denen ich erkennbar nicht anwesend war, lief mehr. – In einem Fall konnte ich das sogar selbst beobachten: da die Software einen Bug hatte, war ich unsichtbar und alle diskutierten intensiv, auch über mich 😉

  3. 3
    Frank Reiser 

    Zu den ‚Murmelgruppen‘: Ich setze diese aktivierende Methode auch ein, lasse also Paare oder Dreiergruppen, die die Studierenden spontan selbst bilden, eine Frage diskutieren oder auch nur einen subjektiven „Lektüreeindruck“ austauschen (Wie fand ich den Text? Wie viel habe ich verstanden? Wo waren a-ha-Erlebnisse, was ist mir noch nicht klar?), meist allerdings min. 10 Minuten. Mir ist daran zunächst einmal wichtig, dass jede/r Studierende zumindest einmal im Kurs etwas zum Thema gesagt hat und außerdem klar wird, dass die Lektüre im Selbststudium auch bei jedem einzelnen in der nächsten Sitzung ‚abgeholt‘ wird, allerdings im kleinen Kreis ohne direkte Beobachtung durch den Lehrenden – auf diese Weise gibt es nicht die schultypische Pranger- oder Sanktionsautomatik bei vergessenen oder versäumten ‚Hausaufgaben‘, wohl aber das unangenehme Gefühl, dass die/der Kommilitone/in mit mir nicht sinnvoll arbeiten kann, wenn ich den Text nicht gelesen habe. Mitunter bringt in solchen Fällen der/die Studierende, die den Text kennt, die/den weniger gewissenhafte/n Kommilitonen/in referierend kurz auf den Stand und kann dabei selbst sein Wissen testen – nicht die schlechteste Folge. All das kann natürlich je nach Situation mehr Zeit erfordern; da aber in aller Regel in allen Gruppen angeregt gesprochen wird, ist das aus meiner Sicht gut investierte Zeit. (Gar nicht funktioniert es lediglich, wenn alle beiden/drei das Material nicht oder nicht hinreichend vorbereitet haben. Wenn ich feststelle, dass in einer Gruppe nicht gesprochen bzw. nur hastig gelesen wird, gehe ich hin und thematisiere das. Da gibt es dann auch mal einen ernsten Hinweis auf die Notwendigkeit von kontinuierlichem Selbststudium in der akademischen Ausbildung.)
    Damit nach Rückkehr ins Plenum beim Einholen der Ergebnisse aus den Murmelgruppen nicht wieder Schweigen folgt bzw. sich nur die Immergleichen melden, gebe ich mitunter Metaplankarten in die Gruppen, auf denen die zentralen Antworten bzw. Punkte stichwortartig notiert werden müssen. Diese kann man dann relativ schnell zu einem Metaplan an der Tafel ordnen und bekommt einen Überblick über das Thema und den Stand der TeilnehmerInnen.

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