Instructional Development Award Preisträger Prof. Dr. Michael Müller

Dienstag, 5. Juni 2012 | Autor/in: und 

Professor Müller initiierte gemeinsam mit den Professoren Friedrich und Kenkmann das IDA-Projekt „Interdisziplinäre Studiengangsentwicklung“. Ein Aspekt des Projekts ist die Zusammenlegung von Veranstaltungen verschiedener Studiengänge. Doch mehr dazu morgen. Nachdem Professor Kenkmann uns letzte Woche erzählt hat, wie es zum gemeinsamen IDA-Projekt kam, zeigt uns heute Professor Müller seine Sicht auf das Thema Lehrentwicklung und bietet einen persönlichen Einblick in die Tücken und schönen Seiten des Professoren-Daseins:

Persönliches

Herr Prof. Müller, was machen Sie morgens als erstes, wenn Sie zur Arbeit kommen?
Pfeifend durch den Gang gehen.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung als Professor?
Die Herausforderung anzunehmen, mit meinen Studenten Schritt zu halten (nicht nur beim Fußball spielen).

Was konnten Sie schon von Studierenden lernen?
Gelassenheit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, und die für einen Professor fast unglaubliche Erkenntnis, dass es eine Welt außerhalb des Büros gibt…

Ist Ihnen eine Vorlesungsstunde schon einmal komplett missglückt?
Nicht nur einmal… In meinem ersten Semester als Professor: Statt die vermeintlich banale Frage eines Studierenden ehrlich mit ‚Die Antwort weiß ich nicht’ zu beantworten, habe den gesunden Menschenverstand herangezogen und die Antwort hergeleitet. Diese Vorgehensweise führt in rein fachlichen Dingen aber eher zu einer Verstrickung in (fast immer…;-) falsche Antworten.
Eine schlecht vorbereitete Vorlesungsstunde ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Obwohl ich noch recht jung bin, habe ich das Stadium, in dem man(n) meint, dies durch Routine aufwiegen zu können, hinter mich gebracht…;-)

Was mögen Sie an der Lehre?
Die Notwendigkeit, sich mit scheinbar banalen Dingen auseinander setzen zu müssen.

Welche Vorbilder haben Sie im Bereich der Lehre?
Meinen Doktorvater, der eine mitreißende Begeisterungsfähigkeit bei gleichzeitig schier unerschöpflichem Fachwissen besaß.

IDA-Projekt

Warum setzen Sie sich für die Lehrentwicklung ein?
Während meiner Habilitation war ich 7 Jahre an einem Forschungsinstitut tätig. Dort habe ich erfahren, dass innovative Forschung revolutionäre Köpfe benötigt. Unkonventionelle, nicht dem main-stream entsprechende Fragen werden aber bevorzugt durch Studierende gestellt, die nicht durch vermeintlich etabliertes Fachwissen ausgetretene Pfade begehen.

Was hat Sie zu der Projektidee inspiriert?
Meine Lehr- und Forschungstätigkeit an einer interdisziplinären Fakultät und zugleich in einem interdisziplinären Fach, veranlassten mich die Umstellung der bisherigen Diplomstudiengänge auf modularisierte BSc- und MSc- Studiengänge aus einem fächerübergreifenden Blickwinkel zu betrachten. Die Aussicht und Hoffnung, die Vorteile der Bologna-Reform an einer Volluniversität in idealer Weise zu nutzen, trug zur Ausarbeitung der Idee bei.

Welche Rückmeldungen zum Projekt haben Sie bereits bekommen?
Negative: Dieses Projekt zerstöre die Identität der etablierten Fächer. Ich denke aber, dass das Gegenteil der Fall ist: Interdisziplinarität setzt Disziplinarität voraus.

Welchen Tipp würden Sie Mitarbeitern an anderen Fakultäten geben, die ihre Studiengänge stärker verknüpfen möchten?
Sowohl inhaltlich wie auch formal (z.B. Prüfungsordnungen) von vornherein flexible Handlungsweisen zu ermöglichen.

Wodurch zeichnet sich für Sie gute Hochschullehre aus? 
Zum einen die Begeisterungsfähigkeit der Lehrenden, die sich im Idealfall auf die Studierenden überträgt. Zum anderen die Fähigkeit der Lehrenden, Fehler des Lernenden zu zulassen.

Hochschullehre

Welche Problemfelder sehen Sie in der Hochschullehre?
Die Abhängigkeit der Hochschulen von privaten Geldgebern (z.B. in Form von Stiftungsprofessuren) wird in bestimmten Fachbereichen zu einem Verlust an Erkenntnisgewinn führen. Besonders kritisch sehe ich dies im Bereich des Gesundheitswesens (Medizin, Pharmazie), da hier im Vergleich zu anderen Disziplinen massive wirtschaftliche Interessen dominant sind.

Welche Entwicklungschancen sehen Sie in der Hochschullehre?
Die Interdisziplinarität (zum Beispiel zwischen Geistes- und Naturwissenschaften) birgt ein enormes Potential in der Forschung und Lehre. Hier ist eine Stärke deutscher Hochschulen zu finden, die wir leider dabei sind über Bord zu werfen.

Welche Idee für die Lehre hatten Sie, die Sie nie umsetzen konnten?
Intensivkurse mit Studierenden auf individueller Basis.

Wie könnte die Lehrentwicklung an der Uni weiter vorangetrieben werden?
Durch deutlich niedrigere Betreuungszahlen Studierende pro Dozent (in der Pharmazie 75 Studierende pro ProfessorIn).

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Thema: IDA-Projekte

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