Einsatzmöglichkeiten von Wikis in der Lehre

Mittwoch, 27. Juni 2012 | Autor/in: und 

Sowohl inhaltlich als auch organisatorisch können Lehrveranstaltungen vom Einsatz eines Wikis profitieren. Wikis zur Seminarorganisation enthalten beispielsweise Terminübersichten, Literaturhinweise und Linksammlungen. Die Möglichkeit gemeinsam Texte zu verfassen, bietet allerdings noch viel mehr Spielraum:

Studierende können unter anderem Glossare zu Fachbegriffen erstellen, schriftliche Fachdiskussionen führen, Protokolle schreiben oder – wie bei MediaeWiki – Wissen aus Romanen konstruktiv erschließen. In allen Anwendungsszenarien fungiert das Wiki als Wissensspeicher, der über eine einzelne Veranstaltung hinaus weitergeführt werden kann.

Beispiel MediaeWiki

Erfahren Sie in diesem Video wie Bent Geberts Seminar mit MediaeWiki funktioniert (1:05 min). Klicken Sie zum Vergrößern auf das Symbol mit den vier Pfeilen:

Herr Gebert, inwieweit hat sich Ihre Rolle als Dozent durch das neue Kurskonzept verändert? (1:00 min)

Woher weiß ich, ob sich ein vergleichbares Kurskonzept für meinen Lehrstoff eignen würde?

Die Stärke des Kurskonzepts liegt eindeutig beim konstruktiven Wissensaufbau, daher lautet die wichtigste Grundfrage: Ist der Lehrstoff, den Studierende in meiner Veranstaltung erwerben sollen, bereits verbindlich geklärtes und definitorisch festgelegtes Fachwissen (z.B. in Lehrbüchern) – oder müssen diese Wissensinhalte erst kommunikativ erzeugt und verhandelt werden? Besonders attraktiv und leistungsfähig ist das Kurskonzept im zweiten Fall, also für Themengebiete, bei denen Kommunikation und Kooperation essentiell erfordert sind. Hier schafft das Lehrkonzept besondere Vorteile: Austausch und Zusammenarbeit der Teilnehmer werden gefördert (z.B. durch Verfassen, Bewerten, Kritisieren, Ergänzen und Verknüpfen selbstformulierter Texte und Inhalte) und können durch den/die Lehrende/n optimal begleitet werden. Als Lehrinhalte eignen sich damit grundsätzlich Themen, die mit besonderem Lerngewinn kollaborativ/kooperativ erarbeitet werden können: etwa die Erschließung von komplexen Texten, von Kunstwerken oder gesamten Epochen in geisteswissenschaftlichen Seminaren – aber genauso die Klärung und Organisation von Fachbegriffen, Theorien und Studien in sozialwissenschaftlichen Veranstaltungen. Eine wichtige Voraussetzung ist dabei der zeitliche Rahmen: Habe ich genug Zeit, um mit den Teilnehmern/innen eine Einstiegsphase zu gestalten (ca. 2-3 Wochen zum Kennenlernen der Wiki-Syntax und für die individuelle Themensuche), 2-3 Redaktionssitzungen im Semester durchzuführen (zur Sichtung der inhaltlichen Zwischenstände, Feedback, Vereinbarung von Entwicklungszielen für die Artikelarbeit oder für die Wiki-Plattform) und regelmäßige Präsenzlehre zu zentralen Themen anzubieten? Das Kurskonzept eignet sich also nicht für Blockveranstaltungen oder reine Vorlesungen, sondern besonders gut für regelmäßig stattfindende Seminare mit mindestens 14 Terminen.

Kennen Sie weitere Einsatzmöglichkeiten von Wikis in der Lehre? Welche halten Sie für sinnvoll? Bei welchen haben Sie Vorbehalte? 

In den kommenden Wochen beschäftigen wir uns in dieser Beitragsreihe mit dem zeitlichen Aufwand einer Veranstaltung mit Wiki und ersten Schritten der Umsetzung. Hier finden Sie die bereits bestehenden Artikel der Beitragsreihe.


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Thema: News & Ausschreibungen

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Ein Kommentar

  1. Hier finden Sie einen Erfahrungsbericht von Luka Peters, in dem ein Wiki als zentrales Dokumentations- und Kommunikationswerkzeug im Rahmen eines wissenschaftlichen E-Learning-Projekts eingesetzt wurde: http://www.community-of-knowledge.de/beitrag/ein-erfahrungsbericht-wissensmanagement-im-projekt-mit-wikis/

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