Konzentration auf das Wesentliche

Montag, 28. Mai 2012 | Autor/in:

Ich möchte auf jeden Fall vermeiden, dass der Mal- und Bastelkurs inhaltlich überfrachtet wird und die Studierenden überfordert werden. Mir ist es lieber, wir behandeln weniger Stoff, aber davon wird viel erinnert, als viel Stoff durchzunehmen, von dem nur wenig hängen bleibt, weil die Zusammenhänge wieder verloren gehen. Dies versuche ich mit folgenden Mitteln zu erreichen: Wie in Beitrag 2 „Lernen mit Spaß“ erläutert, bereiten jeweils zwei Studierende einen Kurstag vor: Vorstellung der Hirnstruktur und ihres Aufbaus, Anleitung zur Erstellung des Knetmodells, Experimente zur Funktion, Interaktive Übungen zur Vertiefung der Inhalte, Zusammenfassung etc.

Dadurch vermeiden wir, dass die einzelnen Themen inhaltlich überfrachtet werden. Die referierenden Studierenden wirken als Filter und dadurch bleiben wir auf einer Ebene, die die Studierenden verdauen können.
Ein umfassendes Skript dient den referierenden Studierenden als Leitfaden dafür, welche Inhalte gewünscht sind. Dadurch vermeiden wir, dass sie sich in der Fachliteratur verlieren und das Thema zerfasert und nicht auf den Punkt vermittelt wird. Die Inhalte werden allerdings eine Woche vorher mit dem betreuenden Dozenten abgesprochen, um einen gewissen erwarteten Anspruch zu gewährleisten.
Durch griffige Beispiele, Eselsbrücken, Sprichwörter, anschauliche Experimente etc. erzeugen wir einfache und nachvollziehbare Assoziationen zwischen einer Hirnstruktur (Name, Aufbau, Lage) und deren Funktion. Wenn den Studierenden eine Funktion spontan einfällt, dann ist die mentale Tür geöffnet und sie haben auch Zugriff auf die anderen Funktionen und weitere Details.
Bei dieser Methode interessiert mich vor allem, ob dies wirklich richtig und sinnvoll ist. Ich bin der Meinung, dass es wichtiger ist, dass die Studierenden die Zusammenhänge verstehen und nicht mit Details und Einzelheiten erschlagen werden. Andererseits ist es natürlich auch irgendwie wichtig, dass die Studierenden Einzelheiten lernen. Wie gehen andere Dozenten mit diesem Trade-Off um und was ist aus lerntheoretischer Sicht ein guter Mittelweg?

Übersicht Beitragsreihe „Mal- und Bastelkurs“:
  1. Endziel: Rohbau
  2. Lernen mit Spaß
  3. Teilziele definieren: man muss nicht alles auf einmal verstehen
  4. Multimodalität: Lernen mit allen Sinnen, aktiv sein
  5. Konzentration auf das Wesentliche
  6. Wiederholung: ja; Gebetsmühlen: nein
  7. Was nicht funktioniert…

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Thema: News & Ausschreibungen

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Ein Kommentar

  1. Liebe Frau Kirsch, liebe Leser/innen,

    Ihr Kurskonzept, liebe Frau Kirsch, lässt erkennen, dass Sie nicht davon ausgehen, dass einmal gehört, gleich gelernt ist. Dies ist auch so: Auch wenn die Verknüpfung zwischen bestehendem Wissen und neuen Informationen einmal erfolgt ist, ist diese Verknüpfung noch sehr brüchig. Um sie zu stabilisieren, bedarf es der Übung und Wiederholung. Wenn Sie, Frau Kirsch, also Ihren Studierenden lieber weniger Informationen zumuten, ihnen jedoch die Möglichkeit geben, diese intensiv in ihrer bestehenden kognitiven Struktur, also ihrem Wissen zu verankern, ermöglichen Sie den Studierenden nachhaltigen Lernerfolg. Handelt es sich dabei auch noch um die zentralen Aspekte eines Themas, so können die Studierenden später ja im Selbststudium die Themen erweitern und weitere Details an die Grundstruktur anknüpfen.

    Die Studierenden Sitzungen vorbereiten zu lassen, hat den Vorteil, dass die Studierenden das Vorwissen ihrer Kommiliton/inn/en zumeist besser einschätzen können als die Expert/innen. Es kann ihnen also leichter gelingen, die relevanten Vorwissenseinheiten bei den Studierenden anzusprechen, die zu verändern oder zu erweitern sind. Ich schreibe hier jedoch bewusst „kann“. Ohne eine intensive, gemeinsame Vorbereitung mit den Expert/inn/en, in diesem Fall Ihnen, Frau Kirsch, kann ein solches Vorgehen nämlich auch sehr leicht scheitern: Den Studierenden fehlt nämlich der Überblick, der ebenso nötig ist, wie Antizipation des Vorwissens, um eine Lehrveranstaltung lernförderlich zu gestalten. Ohne diesen Überblick ist es den Studierenden nämlich nicht möglich, die oben angesprochene Grundstruktur angemessen zu erfassen und dann auch an die Kommiliton/inn/en weiterzugeben. Deshalb: eine gemeinsame Vorbereitung von Dozent/in und Studierenden ist im Falle von Sitzungsgestaltungen/Referaten dringend anzuraten, da nur dann beide Vorteile da sind: 1. Die bessere Fähigkeit zur Antizipation des Vorwissens der Kommiliton/inn/en. 2. Der große Überblick. Beides ist nötig, um effektive Lehrveranstaltungen zu planen.

    Der gute Mittelweg besteht also erstens darin, so viele Details anzusprechen, wie nötig sind, damit das Lernziel erreichbar wird und der Gesamtzusammenhang nicht verloren geht, und zweitens darin, dass eine gemeinsame Vorbereitung der Lehrveranstaltungssitzung von Dozent/in und Studierenden stattfindet.

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