Endziel: Rohbau

Montag, 30. April 2012 | Autor/in:

Mit dem Mal- und Bastelkurs möchten wir erreichen, dass die Studierenden eine Vorstellung davon bekommen, wie das menschliche Gehirn im Groben aufgebaut ist, welche Unterstrukturen es hat, wie diese Unterstrukturen aussehen und welche primären Funktionen diese Unterstrukturen haben.

Ein griffiges Beispiel hierfür ist der Rohbau eines Hauses, anhand dessen ich den Studierenden in der Vorbesprechung unsere Vorgehensweise erkläre:
Die Studierenden wissen, welche Räume (=Unterstrukturen) das Gehirn hat und wie diese in Relation zueinander und zum gesamten Organ liegen. Sie lernen weiterhin, welche Primärfunktion diese Räume haben (z.B. Küche → kochen = Kleinhirn → motorisches Lernen), aber nur sehr grundlegend wie diese Funktion zustande kommen („der Herd steht dann in dieser Ecke, weil dort der Starkstromanschluss ist“). Spätere Wissenspakete über die genauen Mechanismen, wie neuronale Netzwerke funktionieren und Funktionen generieren, können dann in diese „Räume“ einziehen und haben direkt eine kontextuelle Anknüpfung an älteres Wissen.

Damit nähern wir uns dem Gehirn von einer anderen Seite, als die Studierenden es in ihren Grundmodulen tun. Dort lernen sie primär den Aufbau von Nervenzellen, die Entstehung des Ruhe- und des Aktionspotentials, die Weiterleitung des Aktionspotentials, Aufbau und Funktionsweise von Synapsen und Muskeln → beginnen also im Kleinen. In unserem Kurs hingegen fangen wir mit der großen Anatomie, also eher sogar mit der Architektur an und schauen dann erst immer weiter im Detail.

Diese beiden Vorgehensweisen ergänzen sich somit sehr gut und am Ende haben die Studierenden ein gutes ganzheitliches Verständnis vom Gehirn.

Mich würde sehr interessieren, welche Methoden Sie schon in Kursen ausprobiert haben, um Studierenden die grobe Struktur eines Themas zu vermitteln? Ich freue mich über Ihren Kommentar und die Schilderung Ihrer Erfahrungen!

Vielen Dank an Dr. Ulrike Hanke und Prof. Matthias Nückles vom Institut für Erziehungswissenschaft, die in den folgenden Wochen einige lernpsychologische Überlegungen in die Diskussion einfließen lassen werden!

Übersicht Beitragsreihe „Mal- und Bastelkurs“:
  1. Endziel: Rohbau
  2. Lernen mit Spaß
  3. Teilziele definieren: man muss nicht alles auf einmal verstehen
  4. Multimodalität: Lernen mit allen Sinnen, aktiv sein
  5. Konzentration auf das Wesentliche
  6. Wiederholung: ja; Gebetsmühlen: nein
  7. Was nicht funktioniert…

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Thema: News & Ausschreibungen

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Ein Kommentar

  1. Liebe Frau Kirsch, liebe Leser/innen,

    was Sie, Frau Kirsch in Ihrem Kurs hier umsetzen, ist deshalb so erfolgreich, weil Sie die Struktur menschlichen Wissens und die Konstruktionsmechanismen von neuem Wissen berücksichtigen.

    Neues Wissen wird konstruiert, indem neue Informationen mit bestehendem Wissen, man spricht auch von kognitiven Strukturen, verknüpft werden (Assimilation im Sinne von Piaget), bzw. indem bestehendes Wissen modifiziert wird (Akkommodation im Sinne von Piaget). D.h., dass das Vorwissen beim Lernen der zentrale Ausgangspunkt ist.

    Indem Sie, Frau Kirsch, das Haus als Analogie/Metapher für die Funktionsweise des menschlichen Gehirns nutzen, sprechen Sie also das Vorwissen, d.h. die bestehenden kognitiven Strukturen Ihrer Studierenden gezielt an: Jede/r Studierende kennt Häuser und deren Räume. Die Studierenden können auf diese Weise die neuen Informationen über das menschliche Gehirn direkt an ihre bestehenden kognitiven Strukturen/Vorwissen anknüpfen und konstruieren so neues Wissen, d.h. sie lernen.

    Ein weiterer Aspekt, den Sie, Frau Kirsch, berücksichtigen, ist, dass Wissen hierarchisch organisiert ist (z.B. Ausubel). Sie gehen vom Konzept des Hauses, also dem übergeordneten Konzept aus zu den einzelnen Räumen, den untergeordneten Konzepten und übertragen dies jeweils auf das menschliche Gehirn. Sie bahnen den Studierenden damit also den „Weg“ für die neu aufzubauenden kognitiven Strukturen.

    Sie, Frau Kirsch, berücksichtigen damit also, dass neues Wissen durch Erweiterung oder Veränderung bestehenden Wissens konstruiert wird, indem Sie den Studierenden einen direkten Anker in ihrem bestehenden Wissen aufzeigen: Das Haus als Analogie zum Gehirn. Außerdem berücksichtigen Sie die hierarchische Struktur von Wissen, indem Sie vom übergeordneten Konzept zu den untergeordneten voranschreiten. Metaphorisch gesprochen, gehen Sie voran, nehmen die Studierenden mit (von den übergeordneten Konzepten zu den untergeordneten) und zeigen ihnen damit, wie sie alles mit einander verknüpfen können.

    Nicht nur aus der Praxis, sondern auch aus der Sicht der Lerntheorie ist Ihre Vorgehensweise also gelungen.

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