Strukturierungshilfen gegen Aufschiebeverhalten

Freitag, 30. März 2012 | Autor/in: und 

Die Ergebnisse unserer Studie zum Selbststudium machen deutlich, dass aufschiebendes Verhalten (Prokrastination) insbesondere in den Bachelor-studiengängen ein belastendes Problem der Studierenden zu sein scheint. Sie schieben das geplante Lernen bis kurz vor die Prüfungen auf und erleben in der Zeit direkt vor den Prüfungen enormen Stress. Dieses Aufschiebeverhalten mündet in einen Teufelskreis aus Aufschieben, Misserfolg, geringere Motivation, noch mehr Aufschieben und so weiter:

Vor solchem Aufschiebeverhalten schützt die Überzeugung, den Aufgaben im Studium gewachsen zu sein (Selbstwirksamkeit). Selbstwirksame Studierende glauben an ihre eigenen Fähigkeiten, mit den Anforderungen im Selbststudium umgehen zu können. Solche Studierende gaben an, weniger aufzuschieben, mehr Lernstrategien zu verwenden und ihre Ziele besser zu erreichen. In Klausuren schnitten sie am Ende besser ab (siehe rechte Grafik).

Um solchen Defiziten zu begegnen und die Selbstwirksamkeitserwartungen zu unterstützen, können Angebote von Seiten der Dozierenden sinnvoll sein. Insbesondere in der Studieneingangsphase erscheint es sinnvoll, Studierenden Strukturierungshilfen zu geben, die kontinuierliches Lernen unterstützen (z.B. regelmäßige Übungsaufgaben).

Welche Strukturierungshilfen können die Dozierenden während des Semesters gegen Aufschiebeverhalten geben?

  • Durch die Verteilung von Aufgaben (Übungsaufgaben) über das Semester werden Strukturierungshilfen gegeben. Die Studierenden sind so angehalten, regelmäßig verteilt über das Semester zu lernen. Je nach Aufgabentyp können mit diesen Aufgaben auch tiefenverarbeitende Strategien angeregt werden (siehe Lernstrategien im Folgebeitrag am 02.04.). Das Auswendiglernen kurz vor der Prüfung weicht somit dem verstehenden Lernen oder wird zumindest durch dieses ergänzt.
  • Auch Lerntagebücher oder Portfolio als Prüfungs- bzw. Studienleistung funktionieren nach dem Prinzip der Aufgabenverteilung. In Lerntagebüchern setzen sich Studierende jeweils direkt nach einer Lehrveranstaltung reflektierend mit den behandelten Themen auseinander. Ein Portfolio ist eine Sammlung studentischer Leistungen über das Semester. Diese Sammlung besteht in der Regel aus Pflicht- und Wahlpflichtaufgaben sowie deren Reflektion.

Das Aufteilen der Lerninhalte in kleinere Teile erhöht die Wahrscheinlichkeit auf Erfolge der Studierenden, da sich kleinere Aufgaben besser bewältigen lassen. Auf diese Weise haben die Studierenden die Möglichkeit Selbstwirksamkeit aufzubauen, welche zur Überwindung von aufschiebendem Verhalten erforderlich ist.

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Erfahren Sie im nächsten Artikel dieser Beitragsreihe…

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Thema: IDA-Projekte

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2 Kommentare

  1. Der Freiburger Student Peter Rodenfels hat hier vor Kurzem über seine Erfahrungen an einer kanadischen Universität berichtet. Für ihn waren die dortigen Strukturierungshilfen ungewohnt:
    „Lästig, aber für den Lernerfolg durchaus förderlich, waren die ständigen Hausaufgaben, welche benotet wurden. (…) Der Vorlesungsstoff konnte auf diese Art gut vertieft werden.“
    Den ganzen Beitrag finden Sie hier: http://blog.lehrentwicklung.uni-freiburg.de/2012/03/kanadische-universitat-im-vergleich-personlich-flexibel-und-klar-strukturiert/

  2. 2
    Manu 

    Seit 2 Monaten strukturiere ich viele Aufgaben und To Do’s die ich erledigen möchte in einem Notizbuch. Am Abend plane ich was ich am nächsten Tag erledigen möchte, vergebe den Aufgaben Prioritäten (schreibe ich neben die Aufgabe) und schätze ab wie viel Zeit ich dafür benötigen werde (schreibe ich neben die Aufgabe). Ich verplane ca. 50% meiner verfügbaren Zeit (Selbststudium nicht in der verfügbaren Zeit mitinbegriffen) um auf unvorhergesehenes reagieren zu können. Ich merke wie ich mehr erreiche und so lange Aufgabenlisten immer kürzer werden. Ich bleibe dennoch immer so flexibel das ich Aufgaben die eine etwas geringere Priorität haben immer noch auf den nächsten Tag aufschieben kann, wenn ich keine Lust hatte diese Aufgabe zu erledigen.

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