Open Education: Kostenlose Bildung für alle!?

Mittwoch, 7. März 2012 | Autor/in:

Diese Woche findet die erste Open Education Week statt. Grund genug, um den Blick auf eine Bewegung zu werfen, die die Bildungslandschaft revolutionieren könnte.

Was ist die Grundidee von Open Education?
„Open education is about sharing, reducing barriers and increasing access in education. It includes free and open access to platforms, tools and resources in education (such as learning materials, course materials, videos of lectures, assessment tools, research, study groups, textbooks, etc.).

Open education seeks to create a world in which the desire to learn is fully met by the opportunity to do so, where everyone, everywhere is able to access affordable, educationally and culturally appropriate opportunities to gain whatever knowledge or training they desire.“ (Quelle)

Inzwischen gibt es im Bereich von Open Education weltweit zahlreiche unterschiedliche Ansätze von Universitäten, Organisationen und Privatpersonen:

Beispiel: Udacity
Aufsehen erregt hat z.B. Sebastian Thrun, bis 2011 Professor für Künstliche Intelligenz an der Stanford University. Mit seinem Projekt Udacity will er die Hochschulbildung demokratisieren. 23.000 Teilnehmer seines Online-Kurses „Introduction to Artificial Intelligence“ haben letztes Jahr die Abschlussprüfungen bestanden.  (Quelle)

Beispiel: Open Learning Initiative
Seit 2002 arbeitet die Carnegie Mellon University (USA) an der Open Learning Initiative (OLI). OLI stellt unabhängigen Lernenden kostenlose Online-Kurse in verschiedenen Fächern (Statistik, Biologie, Französisch, Anatomie etc.) zur Verfügung. Darüber hinaus können Lehrende sich aus verschiedenen Modulen und Tests Online-Kurse zusammenstellen, um damit zu unterrichten.

Werden Open Education-Angebote langfristig eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Lehre an Universitäten?

Abstimmungsergebnisse

Loading ... Loading ...

Sagen Sie uns, warum Sie dieser Meinung sind – schreiben Sie einen Kommentar und diskutieren Sie mit!

Tags » , «

Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0
Thema: News & Ausschreibungen

Diesen Beitrag kommentieren.

14 Kommentare

  1. Dazu gibt es aus meiner Sicht natürlich viele offene Fragen, ähnlich wie bei Open Access. Eine der drängendsten: wer soll das bezahlen? Und ebenso spannend: haben wir nicht schon genug Urheberrechtsprobleme? — Ein wichtiges Thema ist es natürlich dennoch, was sich auch darin wieder spiegelt, dass die „eLearning Working Group“ von LERU sich nächste Woche in Oxford zum Thema Open Educational Resources trifft. Nur ich habe leider keine Zeit; wenn die Kolleginnen und Kollegen aktuelles Material rumschicken, melde ich mich hier nochmal.

  2. Zur Finanzierung: Auf die Frage, wie sich Udacity finanziert, antwortet Sebastian Thrun im Zeit-Interview:
    „In den ersten Kurs habe ich aus meinem Privatvermögen 100.000 Dollar investiert. Das klingt erstmal viel, pro Student ist es letztlich nur ein halber Dollar. Im Vergleich zu den Kosten traditioneller Bildung ist das nichts. Wir haben jetzt mehrere Sponsoren.“
    Würden wir keine oder weniger traditionelle Lehre machen, sondern stärker auf Online-Kurse setzen, wäre also mehr als genug Geld da…?

  3. Wer das Thema Open Educational Resourcens (OER) auf Twitter verfolgen will: http://twitter.com/#search?q=%23oer

    Auch auf dem WSIS Forum 2012 wird das Thema sein:
    http://groups.itu.int/Default.aspx?alias=groups.itu.int/wsis-forum2012

    Die WSIS Community zu OER: http://www.wsis-community.org/pg/groups/forum/14358/

  4. Ich denke, dass sich schon bald Modelle aus einer Mischung von traditionellem Content und OER an den Unis finden können.

    Eine fruchtbare Diskussion um OER-Businessmodelle kommt derzeit wieder in Gang. Zuletzt siehe:
    de Langen, F.H.T. & Bitter-Rijkema, M.E. – Positioning the OER Business Model for Open Education, EURODL v. 07.03.12
    http://www.eurodl.org/?article=483

  5. interessant auch:
    Paul Stacey – The Economics Of Open
    http://edtechfrontier.com/2012/03/04/the-economics-of-open

  6. 6
    Jan Ihwe 

    Eigentlich eine sehr charmante Idee! Wir haben ja jetzt auch erstmal ein Projekt „Offene Hochschule“, siehe website. Im deutschen Bildungssystem ist das natürlich so eine Sache. Die Finanzierungsfrage hat Reiner ja schon angesprochen. Sponsoren sind schön bei überschaubaren Kosten wie im Udacity-Projekt, wenn es aber um handfeste Vermittlung komplexer fachwissenschaftlicher Inhalte geht, wird die Entwicklung von Online -Lehrformaten richtig teuer, wie unsere Master-Online Studiengänge zeigen. Bislang sind wir also auf öffentliche Förderung angewiesen. Wenn diese ausläuft, unterliegen wir dem Kostendeckungsgebot in der wissenschaftlichen Weiterbildung, müssen also unsere Vollkosten (!) refinanzieren, da es sich um wirtschaftliche Tätigkeit handelt. So ist der Stand der Dinge. Insofern beobachten wir neugierig, was die Open Education-Bewegung hierzulande in Gang bringt…

  7. Mir gefällt an Open Education, dass sich die Bildungsinstitutionen öffnen. So stehen die Bildungsinhalte auch anderen Personengruppen zur Verfügung und die Hochschulen. (Allerdings muss man die Frage stellen, wie open die education wirklich ist, weil entsprechende Endgeräte notwendig sind, die u.a.aus ökonomischen Gründen nicht überall verfügbar sind.)
    Eine Konkurrenz sehe ich nur zum Teil und zwar dahingehend, dass einfach weniger Lehrende benötigt werden, weil die Interessierten nicht mehr über durch die räumliche Begrenzung an der Teilnahme einer Lehrveranstaltung gehindert werden. Wenn ein Lehrender bzw. eine Lehrende, wie im Udacity-Projekt 23.000 Studierende erreicht, dann spart man genau genommen 250 Lehrende.(ausgehend von einer Vorlesung mit 90 bis 100 TN)

  8. 8
    Marko Glaubitz 

    Ich finde das Thema auch unheimlich spannend und glaube, dass OE Türen öffnet- und dass insbesondere freie OE eine Erfolgsgeschichte sein kann, zeigt ja auch die Khan Academy ( http://www.khanacademy.org/ ). Auch wenn die angebotene Tiefe des vermittelten Wissens begrenzt ist, machen solche Dienst in jedem Fall Lust auf mehr und wecken Interesse. Wenn man bedenkt, wie wichtig Motivation bei (jungen) Lernenden ist, sehe ich gerade für die sogenannten „digital natives“ hier großen Begeisterungspotential.

    Auf der anderen Seite frage ich mich dabei im Bezug auf den wissenschaftlichen Kontext aber auch, wie man die Qualitätssicherung und die Wahrung gewisser Standards realisiert, wenn sich das Angebot auf einer bestimmten Plattform ausweitet und Platz für Wildwuchs bietet.
    Persönlich finde ich auch die Idee von MOOCs sehr reizvoll, da diese informelles und kooperatives Lernen im Social Web mit formellen (wissenschaftlichen) Inhalten verbinden – und sowohl der erstellte Content, als auch die Diskussionen und Blogbeiträge sind dabei ja Open Educational Resources!
    Für alle, die Interesse haben am nächsten internationalen MOOC Open Course OPCO 2012 ab Mitte April teilzunehmen, hier der Link: http://opco12.de/

  9. Derzeitige OE-Business-Modelle: Content free, Betreuung & Zertifizierung fee …

    Wir Europäer sollten aber nicht vergessen, dass sich in anderen Teilen der Erde die OER-Diskussionen v.a. um Textbooks drehen.

    Zur Khan-Academy aktuell:
    David Andrade: Khan Academy – not good pedagogy and not #edreform – 12.03.12
    http://educationaltechnologyguy.blogspot.in/2012/03/khan-academy-not-good-pedagogy-and-not.html

    Zum Thema ‚OER quality standards‘ #oerqs wird gerade ein internationales Projekt gestartet und sucht noch Interessierte aus HE:
    http://oerqualityproject.wordpress.com

    Wobei man wiederum diskutieren kann, ob für OER andere Kriterien zutreffen als für ’normalen‘ Content …

  10. Spannende Diskussion! Ich denke, einige der oben angesprochenen Fragen (Wer bezahlt dafür? Wie sichern wir Qualität/Standards?) werden sich zeitnah daran entscheiden, welchen Output solche Projekte wie Khan Academy, Udacity oder Offene Hochschule generieren, d.h.: Was zeichnet die Absolventen/Zertifikatsinhaber aus? Und: Was kann ich mit den Zertifikaten anstellen?

    In Bezug auf das „revolutionäre Potential“ von Open Education wäre ich etwas vorsichtiger als der Post: Natürlich macht es Spaß und ist vielleicht auch didaktisch begrüßenswert, mit neuen Darstellungs-, Distributions- und Zertifizierungsformen von Lehrmaterialien/Kursen/Studiengängen zu experimentieren (selbst wenn es mitunter vielleicht nur dazu führt, dass man die Vorzüge althergebrachter Formen wieder zu schätzen lernt). Aber erstens ist das (ketzerisch formuliert) nichts Neues. Das machen HochschullehrerInnen/Hochschulen seit Jahrhunderten. Und zweitens ist ein Hochschulstudium an einer „analogen“ Bildungsinstitution (hoffentlich 🙂 )mehr als der freie Zugang zu Content mit Prüfungsoption, nämlich ein Sozialisierungs-/Reifungsprozess, eine Habitusschule, ein Gemeinschaftserlebnis… Mit Blick auf die (auch von mir) vielgeschätzten Entwicklungen im Social Web würde ich nicht ausschließen, dass Open Education Projekte diese Dimensionen früher oder später werden abbilden können, aber aktuell scheint mir das noch ein sehr weiter Weg zu sein.

  11. 11
    Reiner Fuest 

    Das Thema begegnet mir gerade ständig:
    http://www.capetowndeclaration.org/translations/german-translation

  12. 12
    Marcel Oettrich 

    „Die Uni nutzt Methoden wie vor tausend Jahren“ – Sebastian Thrun im Spiegel-Interview:
    http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,817889,00.html

  13. `68 war ja auch nur von Zöpfen und Talaren die Rede …

  14. 14
    Jan Ihwe 

    Aus dem aktuellen Newsletter des Learning Center der Uni St. Gallen noch ein weiteres Beispiel:
    „Zugang zu Top-Universitäten
    Stanford University und das MIT (Massachusetts Institute of Technology) zählen weltweit zu den Top-Universitäten. Viele kluge und interessierte Köpfe träumen davon, einmal an einer solch renommierten Universität studieren zu können. Doch hohe Studiengebühren machten den Zugang zu diesen Universitäten in der Vergangenheit für viele unmöglich. Seit einiger Zeit stellen diese Universitäten Kursmaterial online über iTunes U (die akademische Version von iTunes) gratis zur Verfügung. MITx (http://mitx.mit.edu), eine Initiative des MIT, will diesen März noch einen Schritt weiter gehen und damit beginnen, komplette Kurse (inkl. virtuellem Labor, Onlinediskussionen, etc.) gratis anzubieten. Wer diese Kurse besteht, erhält ein Zertifikat mit dem begehrten Logo der MIT-Universität. Eine spannende Entwicklung, die bestehende Barrieren zu Top-Universitäten mindestens teilweise auflösen könnte.
    Für weiterführende Informationen: http://www.bbc.co.uk/news/education-17012968

Kommentar abgeben