Studie: Qualität von Online-Lehrveranstaltungsevaluationen fragwürdig

Dienstag, 14. Dezember 2010 | Autor/in:

Aus ökonomischen Gründen erfreuen sich Onlineverfahren zunehmender Beliebtheit zur Evaluation der Lehre an Hochschulen. An der Universität Erlangen-Nürnberg wurde nun die Qualität von Online-Lehrveranstaltungsevaluationen empirisch überprüft. Dazu wurde bei 47 Lehrveranstaltungen die Online-Befragung mit einer herkömmlichen schriftlichen Befragung verglichen.

Ergebnis: deutliche Differenzen bei den Resultaten der beiden Befragungsformen. Nach Ansicht des Untersuchers können hierfür mehrere Gründe maßgeblich sein. Ein wesentlicher Unterschied war die Teilnahmequote der Studierenden: Während sich an der schriftlichen Befragung im Mittel 81% der Veranstaltungsteilnehmer beteiligten, waren dies bei der Onlinebefragung nur 38%.

Grundsätzlich ist eine Stichprobenbefragung nicht problematisch, um zu validen Schlüssen zu kommen. Auch in Wahlprognosen am Wahltag werden – im Vergleich zur Grundgesamheit aller Wählerinnen und Wähler – kleine Stichproben von mehreren Tausend Personen befragt. Die Ergebnisse sind trotzdem in aller Regel bis auf wenige Prozentpunkte genau. Wichtig ist dafür allerdings die Repräsentativität der Stichprobe. Damit ist gemeint, dass die Stichprobe in allen für die Befragung wesentlichen Merkmalen der Grundgesamtheit möglichst ähnlich sein sollte.

Eine mögliche Erklärung für die abweichenden Ergebnisse der beiden Befragungsformen könnte somit darin liegen, dass die deutlich kleinere Stichprobe in der Onlinebefragung keine repräsentative Abbildung der Lehrveranstaltungsteilnehmenden darstellt.

In einer Diskussion des Untersuchers mit Studierenden aus den betrachteten Veranstaltungen zeigte sich außerdem, dass die Online-Lehrveranstaltungsevaluation in einem ganz anderen Umfeld erfolgt, als die papierbasierte Evaluation. Danach werde die Online-Evaluation zu Hause ausgefüllt, in der Regel würden alle Evaluationen eines Semesters „in einem Rutsch“ bearbeitet, und da es sich um die „Freizeit“ der Studierenden handele versuchten diese, die Bearbeitungszeit zu minimieren, sprich: die Bögen würden oberflächlicher bearbeitet.

Hingegen erfolge die papierbasierte Evaluation „näher am Erleben“ des jeweiligen Seminars bzw. der jeweiligen Vorlesung und somit für jede Lehrveranstaltung räumlich und zeitlich getrennt. Letzteres Argument könnte bei der Evaluation von e-Learning interessanterweise genau gegenläufig und damit für eine Onlinebefragung sprechen. Hier wäre eine papierbasierte Evaluation möglicherweise genauso „künstlich“, wie es im Falle herkömmlicher Veranstaltungen eine Onlineevaluation zu sein scheint.

Quelle:

Meinefeld, W. (2010). Online-Befragungen im Kontext von Lehrevaluationen – praktisch und unzuverlässig. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 62, 297-315.

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